Tennis

Djokovic erklärt Tränen während des Matches - und Medvedev seinen "Toten-Fisch"-Jubel

"Ich habe mir etwas wehgetan"

Djokovic erklärt Tränen während des Matches - und Medvedev seinen "Toten-Fisch"-Jubel

Szenen eines Endspiels: Daniil Medvedev kreativ, Novak Djokovic emotional.

Szenen eines Endspiels: Daniil Medvedev kreativ, Novak Djokovic emotional. AFP via Getty Images

Novak Djokovic hat die wohl schmerzlichste Niederlage seiner Karriere erlitten und den historischen Titelgewinn bei den US Open überraschend verpasst. Der 34 Jahre alte Serbe unterlag am Sonntag (Ortszeit) im Endspiel dem russischen Weltranglistenzweiten Daniil Medvedev chancenlos mit 4:6, 4:6, 4:6 und ließ die große Gelegenheit auf den ersten Grand Slam seit Rod Laver 1969 aus.

"Wenn jemand den Titel verdient hat, dann bist du es", sagte Djokovic zu Medvedev und bedankte sich bei den Fans für die lautstarke Unterstützung. Schon während der Partie weinte er Tränen der Rührung: "Auch wenn ich das Match nicht gewonnen habe, bin ich der glücklichste Mensch auf der Welt, ihr habt meine Seele berührt." Medvedev freute sich ungemein über seinen Erfolg, huldigte aber auch Djokovic: "Für mich bist du der größte Tennisspieler der Geschichte."

Djokovic hatte die Australian Open, die French Open und Wimbledon allesamt gewonnen und verpasste nun das erste perfekte Majorjahr seit 52 Jahren beim allerletzten Schritt. Auch sein Vorhaben, alleiniger Grand-Slam-Rekordchampion vor Roger Federer (Schweiz) und Rafael Nadal (Spanien) zu werden, konnte er nicht umsetzen. Alle drei Stars stehen weiter bei 20 Titeln bei den vier wichtigsten Turnieren des Jahres.

Medvedevs FIFA-Jubel: "Ich habe mir etwas wehgetan"

Medvedev (25) jubelte dagegen über seinen größten Erfolg auf ungewohnte Weise. Er ließ sich nach dem verwandelten Matchball auf die Seite fallen und blieb mit starr geöffnetem Mund liegen. "Ich spiele gerne FIFA. Ich spiele gerne Playstation. Das nennt sich Toter-Fisch-Jubel", erklärte er im Anschluss. "Jeden, den ich gesehen habe, der FIFA spielt, dachte, das war legendär. So wollte ich es machen." Das Hinfallenlassen auf dem Hartplatz sei gar nicht so einfach. "Ich habe mir etwas wehgetan. Aber ich bin glücklich, dass ich es legendär gemacht habe für mich."

Der tote Fisch von Flushing Meadows: Daniil Medvedev.

Der tote Fisch von Flushing Meadows: Daniil Medvedev. imago images/Xinhua

Spätestens nach Djokovics Halbfinalsieg gegen die deutsche Nummer eins Alex Zverev ging es vor dem Männerfinale nur noch um ein Thema: Ergreift Djokovic die historische Chance? Er selbst versuchte, die Diskussionen so gut es geht von sich fernzuhalten. "Ich will alle Energie für das Match bewahren", sagte er und stürzte sich in die Partie, die Ikone Laver, aber auch Hollywoodstars wie Brad Pitt oder Bradley Cooper von der Tribüne verfolgten.

Djokovic verliert den ersten Satz - mal wieder

Doch Djokovic bekam sogleich zu spüren, dass Medvedev keinesfalls nur zum netten Gratulieren gekommen war und kassierte sofort ein Break. Der Russe setzte den Favoriten mit einer starken Aufschlagquote und seiner Power von der Grundlinie unter Druck und gewann den ersten Satz. Djokovic hatte im Turnierverlauf damit schon zum fünften Mal in Folge den ersten Satz abgegeben, zuvor war ihm dann jedes Mal eine perfekte Reaktion gelungen. Und er war nun voll da, erarbeitete sich auch mit Netzangriffen Breakball um Breakball, konnte sie aber nicht nutzen und ließ seinen Frust am Schläger raus.

Medvedev machte ungerührt weiter, schnappte sich Djokovics Service zum 3:2 und war auch in dem Durchgang für den Serben nicht mehr zu fassen. Beim Satzball leistete sich Djokovic einen leichten Fehler - und stand nun mit dem Rücken zur Wand.

Der Tour-Dominator leistete sich weiter viele leichte Fehler. Medvedev war dagegen voll in seiner Zone. Aber als er die Chance hatte den Turniergewinn klarzumachen, zitterte die Hand des Russen. Djokovic wurde vom Publikum nochmal nach vorne gepeitscht und nahm die Unterstützung emotional berührt auf. Doch Medvedev ließ sich nicht mehr von seinem großen Triumph abbringen und machte den Traum von Djokovic vom Grand Slam zunichte.

sid/dpa/las