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Digital-Vignette und Umweltplakette: Dreiste Abzocke beim Online-Kauf

Überhöhte Preise - Gefälschte Webseiten

Digital-Vignette und Umweltplakette: Dreiste Abzocke beim Online-Kauf

Autobahn-Vignetten: Nicht nur zum Kleben, sondern auch digital zu kaufen.

Autobahn-Vignetten: Nicht nur zum Kleben, sondern auch digital zu kaufen. aum/ADAC/Asfinag

Deutschland ist das Land der freien Fahrt. Nicht nur, weil es auf Autobahnen kein generelles Tempolimit gibt. Sondern auch, weil die Benutzung dieser schnellen Strecken nicht mit einer Maut verbunden ist. Die meisten anderen Ländern verlangen hingegen eine Gebühr. Der Kauf der entsprechenden Vignetten wird dem Autoreisenden inzwischen leicht gemacht. Musste man früher ein physisches Pickerl erstehen und dieses dann auf die Windschutzscheibe pappen, kann es heute bequem online als digitale Version erworben werden. Auf einem Internetportal oder einer App lässt man das Kennzeichen registrieren und bezahlt - das war’s dann schon.

Teure Vermittler

Leider aber eröffnet sich damit auch ein lukratives Ertragsmodell für zwielichtige Geschäftemacher. Immer wieder geraten Reisende in deren geschickt aufgestellte Fallen. Sie lauern etwa in Gestalt von Online-Shops, die digitale Autobahnvignetten oder - vor allem - die französische Umweltplakette (Crit’Air) zu überhöhten Preisen verkaufen - beispielsweise, indem sie die Registrierung des Kennzeichens als Extra-Dienstleistung in Rechnung stellen. Eine ähnliche Vermittler-Masche wird auch beim Verkauf von Karten für Sportereignisse und Konzerte praktiziert   - oder wenn ein Nachsendeauftrag bei der Post eingerichtet werden soll.

"Das Gefährliche daran ist, dass diese Shops nicht illegal sind und bei Suchmaschinen weit oben in den Ergebnissen angezeigt werden", warnen Internetsicherheits-Experten des Software-Anbieters ESET. Noch perfider ist eine andere Form der Abzocke: Fake-Webseiten, die den Internetportalen der offiziellen Pickerl-Verkaufsstellen täuschend ähnlich sehen. "Extrem einfach" sei es, eine gefälschte Webseite zu erstellen, sie stark zu bewerben und mit einigen cleveren Taktiken in den Google-Rankings nach oben zu bringen, stellen die ESET-Fachleute fest.

Arglos auf die Autobahn

Dem Opfer kommt der Schwindel dann womöglich in zweifacher Hinsicht teuer zu stehen. Erstens ist das auf einer solchen Fake-Webseite eingezahlte Geld weg. Und zweitens fährt der Betrogene arglos ohne gültige Plakette auf die Autobahn oder in die Umweltzone und kann als Konsequenz mit hohen Nachzahlungs-Forderungen belegt werden. Hinzu kommt, dass man auf gefälschten Internetseiten auch seine Daten an zweifelhafte Adressaten gibt, die sie dann möglicherweise verkaufen oder für Phishing-Aktionen missbrauchen.

Welche Tipps helfen

Sich vor den Machenschaften von Cyberkriminellen oder überteuerten Vermittlern zu schützen, ist nicht ganz einfach. Oberstes Gebot: Zeit lassen, nicht "schnell schnell" kaufen - und immer ganz genau hinsehen.

Crit'Air

Mahnende Worte: Auf der offiziellen Crit'Air-Seite der französischen Regierung wird vor Betrug gewarnt. certificat-air.gouv.fr

Tipp 1: Kaufen sollte man nur bei den offiziellen Shops wie dem der österreichischen Asfinag (www.asfinag.at)  oder, Stichwort Crit’Air, der französischen Regierung (www.certificat-air.gouv.fr). Hier wird übrigens ausdrücklich vor Betrug gewarnt und dazu aufgerufen, sich zu vergewissern, dass man an der richtigen Adresse gelandet ist. Auch Automobil- und Verkehrsclubs wie der ADAC verkaufen Digital-Vignetten, oft muss man dazu allerdings eine Geschäftsstelle aufsuchen.

Tipp 2: Ob alles seine Richtigkeit hat, ergibt oft schon ein prüfender Blick auf den Preis, verbunden mit einem Vergleich. Denn was die Vignette kostet, ist gesetzlich vorgeschrieben und sieht keine Abweichungen vor.

Tipp 3: Von den offiziellen Webseiten gibt es zumeist auch eine deutschsprachige Version, die es denjenigen, die der Landessprache nicht mächtig sind, einfacher machen, die Inhalte zu verstehen und auf ihre Seriosität zu überprüfen. Ansonsten kann man eine Online-Übersetzungsmaschine zu Rate ziehen.

Tipp 4: Rechtschreibfehler oder grammatikalisch inkorrekte Formulierungen sind verdächtige Zeichen. Sie deuten darauf hin, dass Fälscher am Werk waren, die dann ihrerseits einen Übersetzungsdienst benutzt haben.

Tipp 5: Wenn ein Shop überhaupt kein Impressum aufführt, ist Misstrauen angebracht. Das gleiche gilt laut der ESET-Experten für den Fall, dass keine Steuernummer ausgewiesen wird.

Tipp 6: Hilfreich kann es sein, im Internet nach Bewertungen und Erfahrungsberichten über den Anbieter zu suchen.

Tipp 7: Unbedingt ist darauf zu achten, dass der Verkäufer eine Quittung über den Erwerb der digitalen Vignette ausstellt. Übermittelt er einen solchen Nachweis nicht, sollte umgehend Kontakt aufgenommen werden.

ule