Bundesliga

Diese Punkte sprechen für eine Gladbach-Rückkehr von Favre

Künftiger Borussen-Coach hat eine Menge Aufgaben vor der Brust

Diese Punkte sprechen für eine Gladbach-Rückkehr von Favre

Favorit in Gladbach: Trainer Lucien Favre.

Favorit in Gladbach: Trainer Lucien Favre. imago images/Icon SMI

Am 30. Mai steigt im Borussia-Park die Mitgliederversammlung. Bis dahin sollte der neue Trainer feststehen, und es kann sehr gut sein, dass es sich dabei um einen alten Bekannten handelt. Lucien Favre, von Februar 2011 bis September 2015 auf der Borussen-Bank, ist der Favorit auf die Nachfolge von Adi Hütter. Doch unabhängig von konkreten Namen: Der künftige Borussen-Coach hat eine Menge Aufgaben vor der Brust. Auf verschiedenen Ebenen ...

Sportlich:

Die Spielphilosophie muss überdacht und besser mit den Qualitäten des Kaders in Einklang gebracht werden. Da auch nach dem geplanten Kaderumbau genügend gute Fußballer übrig bleiben werden, dürfte weniger RB-Schule und stattdessen eine etwas ballorientiertere Ausrichtung der Ansatz sein. Lösungen müssen endlich auch gefunden werden, wie man die Flut an Gegentoren in den Griff bekommt. 56 waren es im zweiten und letzten Jahr unter Marco Rose, 61 nun unter Adi Hütter - ein Desaster. Das Team etwas tiefer zu positionieren, könnte zum gewünschten Effekt beitragen, und in diesem Zusammenhang gehört auch die Systemfrage auf die Agenda. Mit Hütters Dreierkette, obwohl sie zwischenzeitlich ordentlich funktionierte, fremdelte die Mannschaft; beliebter im Team ist die Viererkette. Apropos Team: In Sachen Eigenantrieb müssen sich die Profis während ihres Urlaubs zwingend hinterfragen und in der nächsten Saison ein ganz anderes Erscheinungsbild abgeben. Von leidenschaftslosen Auftritten hat der Anhang genug, wie die teilweise wütenden Proteste in der vergangenen Saison zeigten. Das gemeinsame Feiern nach dem 5:1 gegen Hoffenheim war ein wichtiges Zeichen, dass man bereit ist, aufeinander zuzugehen. Es liegt an der Mannschaft, die Fans wieder komplett hinter sich zu bringen, indem sie mit Herz, Einsatz und Mut spielt.

Perspektivisch:

Wie der neue Kader aussieht und mit welchem Personal der neue Trainer in die Saison gehen kann, lässt sich heute überhaupt noch nicht abschätzen. Bis jetzt hat kein Spieler aus der großen Gruppe mit Vertragsende 2023 (u. a. Sommer, Hofmann, Bensebaini, Thuram, Plea, Embolo) verlängert oder sich verabschiedet. Einen Sommer-Zugang gibt es auch noch nicht. Stand jetzt also viele Fragezeichen für den Hütter-Nachfolger, der nach dem notwendigen und geplanten Kaderumbruch ein neues Team bauen muss. Bestandteil der Arbeit wird für den neuen Coach auch das Fördern der Talente sein. Hütter hat mit dem Einbau von Manu Koné, Jordan Beyer, Luca Netz, Joe Scally und ansatzweise auch Conor Noß die Weichen für die Zukunft gestellt. Diesen Weg muss der Neue fortsetzen. Geklärt werden muss auch noch, wie es bei den Leih-Rückkehrern Hannes Wolf (Swansea), Torben Müsel (Eupen), Rocco Reitz (St. Truiden), Andreas Poulsen (Ingolstadt) und Moritz Nicolas (Viktoria Köln) weitergeht.

Atmosphärisch:

Es ist kein Geheimnis, dass über weite Strecken der Saison intern kein gutes Klima herrschte. Wichtig ist daher, dass Trainer, Mannschaft und Staff wieder eine Einheit bilden und dieses "Wir-Gefühl" auch nach außen hin sichtbar wird. Es braucht eine andere, positivere Stimmung in der Kabine und um sie herum. Gefordert sind in diesem Punkt alle Beteiligten.

Organisieren und stabilisieren, eine Mannschaft entwickeln und einzelne Spieler "groß" machen - betrachtet man das Anforderungsprofil an den künftigen Coach, sprechen viele Punkte für Favre. Und: Der Schweizer ist nach seinem Aus bei Borussia Dortmund im Dezember 2020 auf dem Markt und muss nicht aus einem laufenden Vertrag herausgeholt werden.

Jan Lustig

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