Int. Fußball

Premier League, Vorschau: Der FC Arsenal im Check

Premier-League-Vorschau, Teil 2

Die Geister, die Arteta rief - Arsenal im Check

Verstehen sich: Pierre-Emerick Aubameyang und Mikel Arteta.

Verstehen sich: Pierre-Emerick Aubameyang und Mikel Arteta. imago images

Es bleibt ein bisschen unfair, junge Trainer direkt mit Pep Guardiola oder Jürgen Klopp vergleichen zu wollen, aber bei Mikel Arteta geht es irgendwie auch nicht anders. Als Assistent von Pep bei ManCity hatte sich der langjährige Mittelfeldspieler für den Cheftrainer-Posten bei Arsenal empfohlen und soll dort jetzt Zeit bekommen, sein Projekt und seine Idee von Fußball aufzubauen - so wie Klopp 2015 in Liverpool.

Und während Guardiola in seiner Debütsaison in Barcelona gleich alles gewann, brauchte Klopp in Liverpool viel Anlauf, um einen schräg zusammengestellten Kader so zu formen, dass er zu seinen Vorstellungen passte. Arteta reiht sich irgendwo in der Mitte zwischen beiden ein.

Mit dem FA-Cup-Sieg Anfang August (2:1 gegen Chelsea) und dem Supercup-Sieg Ende August (6:5 n.E. gegen Liverpool) hat der Neuanfang schon jetzt erste unverhoffte Titel springen lassen, die das Vertrauen in Arteta nur stärken.

Ohne Unruhe auf den Rängen konnte Arsenal Artetas Idee aufziehen

Der Spanier hat es seit seiner Ankunft im Dezember 2019 geschafft, einem am Boden liegenden Verein neues Leben einzuhauchen; mit Autorität, Charme und klaren Vorstellungen. Arsenal soll Dominanz ausstrahlen, den Ball haben wollen und aggressiv sein, früh pressen und schnell umschalten.

Niemand hat dabei wohl so sehr davon profitiert, dass keine Fans im Stadion erlaubt sind - zumindest aufs Sportliche bezogen. Das chronisch ungeduldige Publikum in Nordlondon hätte kaum mit ansehen können, wie Arsenal das Spiel unter Arteta trotz höchstem Druck von ganz hinten aufzieht. Der Ball soll in die gegnerische Hälfte getragen und nicht geschlagen werden. Sowohl im FA Cup als auch jüngst gegen Liverpool entstand so das 1:0.

Thomas von Atletico Madrid

Soll fürs Mittelfeld kommen: Thomas von Atletico Madrid. imago images

Mit Neuzugang Gabriel aus Lille sowie Leih-Rückkehrer William Saliba haben sich die Gunners auf der Großbaustelle Abwehr neu aufgestellt, auch wenn Routinier David Luiz wohl trotzdem weiter das Vertrauen bekommt. Es ist nur schwer vorstellbar, dass das Pendel beim Brasilianer auch in der kommenden Spielzeit so oft Richtung Wahnsinn schlägt wie in der Vorsaison, als Luiz gleich fünf Elfmeter verschuldet hatte.

Bleibt Kieran Tierney endlich fit, gehört dem jungen Schotten und Fanliebling ein Platz in der Dreierkette in Artetas 3-4-3-System, davor gesellt sich idealerweise Tomas Partey von Atletico Madrid, dafür wäre aber noch der Abgang von Stinkstiefel Matteo Guendouzi nötig. Arteta will einen zuverlässigen Abräumer im zentralen Mittelfeld, damit Dani Ceballos (wieder ausgeliehen von Real Madrid) seine Freiheiten auf dem Weg nach vorne bekommt.

Arsenals Youngster stehen bereit - und ein 80-Millionen-Einkauf

Daneben gehört die linke Seite Bukayo Saka, Arsenals neuer Nummer sieben. Auf rechts ist Hector Bellerin zwar eingeplant, der Spanier könnte den Verein aber noch Richtung PSG verlassen. In jedem Fall steht Allrounder Ainsley Maitland-Niles bereit und soll seinen Vertrag bestmöglich sofort verlängern.

Eine gewisse Unberechenbarkeit hat Arteta bereits in den wenigen Spielen als Arsenal-Boss ausgezeichnet, zumindest was die Personal-Wahl betrifft. Das wird sich mit Neuzugang Willian nicht ändern, und irgendwann darf auch Nicolas Pepé anfangen, sein 80-Millionen-Preisschild abzuarbeiten.

Willian

Neuzugang aus West-London: Willian. imago images

Einzig Lebensversicherung Pierre-Emerick Aubameyang ist auf der linken Seite im Dreier-Sturm gesetzt und profitiert ungemein vom System. Stößt der offensive Linksverteidiger - also Saka oder Maitland-Niles - vor, kann "Auba" mit dem Ball am Fuß nach innen ziehen und mit dem starken rechten Fuß abziehen, wie zum Beispiel beim 1:0 gegen Liverpool im Community Shield. Ohnehin macht der Gabuner im Ballbesitz mit seinen Läufen ins Zentrum aus der alleinigen Spitze eher einen Doppelsturm.

Für Arsenal geht es in der kommenden Saison um Konstanz in der Premier League. Die Siege zum Ende der Vorsaison gegen Liverpool oder im FA Cup taten gut, lenken aber trotzdem nicht vom schlechtesten Liga-Abschneiden (Achter) seit 1995 ab (Zwölfter).

Durch den Pokalsieg "dürfen" die Gunners auch in diesem Jahr wieder in der Europa League dabei sein. Nach dem fünften, sechsten, fünften und achten Platz muss aber in absehbarer Zeit wieder ein Top-4-Finish drin sein.

Platzierung letztes Jahr: 8.
Wer ist neu? Willian (FC Chelsea, ablösefrei), Gabriel (OSC Lille, 26 Millionen Euro), Pablo Mari (Flamengo, 8 Millionen Euro), Cedric Soares (FC Southampton, ablösefrei), William Saliba (Rückkehr nach Leihe zu Saint-Etienne)

Mario Krischel

Von Söyüncü bis "Auba": Das Premier-League-Team der Saison