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Die Strukturen des DFB kommen erneut auf den Prüfstand

Vergütungsordnung sieht keine Deckelung mehr vor

Die Strukturen des DFB kommen erneut auf den Prüfstand

Seitenweise Anträge auf dem Bundestag.

Seitenweise Anträge auf dem Bundestag. DFB

Das ursprüngliche Antragspaket für den 44. Ordentlichen Bundestag in der 122-jährigen Geschichte des Verbands war bereits 161 Seiten stark. Vor der Sitzung im World Conference Center in Bonn einigte sich das Amateur- und Profilager dann noch auf Abänderungs- und Dringlichkeitsanträge, die weitere 82 Seiten umfassen und größtenteils einstimmig durchgewinkt wurden.

Gründung einer Strukturkommission

Der sogenannte KG-Prozess, mit dem der DFB den Anforderungen einer modernen Organisation gerecht werden und gleichzeitig seinen ideellen Zweck erfüllen will, kommt auf den Prüfstand. Die DFB GmbH & Co. KG, eine 100-prozentige Tochtergesellschaft des DFB e.V., nahm zwar bereits am 1. Januar 2022 ihre Arbeit auf, die Strukturen sollen aber hinterfragt werden. "Der deutsche Fußball braucht dringend ein Zusammenstehen aller seiner Mitglieder und die Bereitschaft zu reformorientierten Veränderungen, um den Fußball als Sportart Nummer 1 in Deutschland zu festigen und auszubauen. Die Ausrichtung der UEFA Euro 2024 bietet dazu eine große Chance und Motivation, die durch die Strukturkommission genutzt werden muss", heißt es in dem verabschiedeten Antrag.

Aufgabe der Kommission ist es, die Verfassung des DFB auch unter Einbeziehung externer Fachleute grundlegend organisatorisch und strukturell zu analysieren und Vorschläge für Veränderungen der DFB-Satzungen und Ordnungen und/oder der DFB-Organe, der Zentralverwaltung und der Tochtergesellschaften zu entwickeln. Das soll bis zum nächsten Bundestag im Herbst 2025 geschehen.

Besetzung des gesetzlichen Vorstands

Lange war darüber gestritten worden, ob weiterhin zwei Liga-Vertreter im sechsköpfigen gesetzlichen Vorstand des Verbands sitzen. Vor der Tagung in Bonn einigten sich DFB und DFL auf folgenden Antrag: "Der Präsident, die beiden 1. Vizepräsidenten, der Schatzmeister sowie der Generalsekretär sind der Vorstand im Sinne von § 26 BGB (gesetzlicher Vorstand). In der Wahlperiode 2022 bis 2025 gehört zudem der/die Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung dem gesetzlichen Vorstand an."

Hans-Joachim Watzke ist als DFL-Aufsichtsratschef einer der beiden 1. DFB-Vizepräsidenten, Donata Hopfen die Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung. Hinzu kommen DFB-Präsident Bernd Neuendorf, Schatzmeister Stephan Grunwald, Generalsekretärin Heike Ullrich und Ronny Zimmermann als 1. DFB-Vizepräsident Amateure/Regional- und Landesverbände.

Vergütungsordnung und Doppelverdiener

 Die DFL verhinderte in den Verhandlungen vor dem DFB-Bundestag die Abschaffung des Vergütungsausschusses. Bei der Ermittlung der Aufwandsentschädigung orientiert sich die Vergütungsordnung an der gesetzlichen Vergütung der Abgeordneten des Deutschen Bundestages. "Bei der Festsetzung des Rahmens für die Vergütungen der Präsidiumsmitglieder bewegt sich der Entwurf der Verordnung im Ergebnis an den in der letzten Wahlperiode vom Vergütungsausschuss festgesetzten Jahresbeträgen", heißt es in dem jetzt verabschiedeten Antrag.

Diese betragen seit 2020 246.000 Euro jährlich für den Präsidenten, 168.000 für den Schatzmeister, 144.000 für den 1. Vizepräsident Regional- und Landesverbände, 78.000 für den 1. Vizepräsident Liga und 63.600 für die Vorsitzende der DFL-Geschäftsführung. Gestrichen wurde der Passus, dass die Gesamtvergütung bei einem gleichzeitigen Sitz in hohen Gremien der internationalen Verbände gedeckelt wird. Praktisch kommt das aber nicht zum Tragen, weil Peter Peters, der für seinen Sitz im FIFA-Rat 228.000 Euro jährlich erhält, sowie Rainer Koch, der im UEFA-Exekutivkomitee sitzt und dafür 152.000 Euro bekommt, dem neuen DFB-Präsidium nicht angehören.

Keine Einzelentscheide der Ethik-Kommission

Auf Drängen der Liga wurde folgender Passus im Satzungsantrag als Möglichkeit zur Einstellung eines Verfahrens ersatzlos gestrichen: "In erkennbar, offenkundig und eindeutig einfach gelagerten Fällen kann die Vorsitzende ohne Mitwirkung der übrigen Mitglieder der Ethik-Kommission entscheiden." Dr. Irina Kummert, die als Vorsitzende wiedergewählt wurde, braucht also weiterhin die Zustimmung eines Teils der weiteren Kommissionsmitglieder.

Michael Ebert

Bernd Neuendorf ist die Nummer 14: Die bisherigen DFB-Präsidenten