Champions League

Rückkehr der Herzattacken - Klopp zieht Ronaldo-Vergleich

Wie Liverpools Trainer die "entsetzlichen" Probleme lösen will

Die Rückkehr der Herzattacken - Klopp zieht Ronaldo-Vergleich

"Wir stehen unter Druck, das ignorieren wir nicht": Jürgen Klopp.

"Wir stehen unter Druck, das ignorieren wir nicht": Jürgen Klopp. IMAGO/Shutterstock

Seit Jahren kämpft Jürgen Klopp für mehr Spielpausen im Fußballkalender, doch kaum gibt es mal eine unerwartete Lücke, ist es auch wieder nicht recht. "Nichts" habe seine Mannschaft aus dem nur scheinbar befreienden 2:1-Sieg über Ajax für das nächste Spiel mitnehmen können, konstatierte der Trainer des FC Liverpool am Montag - es gab ja erst einmal keines mehr.

Bei Chelsea hatten die Reds wegen der Trauer um die Queen nicht antreten dürfen, danach kam die Länderspielpause; und als Mo Salah & Co. am Samstag endlich wieder spielten, erinnerte nicht mehr viel an das Ajax-Spiel zweieinhalb Wochen zuvor. Das 3:3 gegen Brighton fühlte sich angesichts des Spielverlaufs für Klopp nicht nur "wie eine Niederlage" an, es war gleichsam ein Rückblick in die Phasen seiner Ära, die seiner Meinung nach in der Vergangenheit eigentlich gut aufgehoben waren.

Ich kann nicht behaupten, dass ich zu 100 Prozent überzeugt davon war, dass wir nach der 3:2-Führung kein Tor mehr kassieren würden.

Jürgen Klopp über das Spiel gegen Brighton

Schon in seinen ersten Jahren an der Anfield Road sei es "ziemlich regelmäßig passiert, dass jeder beinahe eine Herzattacke bekommen hat, wenn wir nur ein Tor vorne lagen", so Klopp am Samstag. "Daran hat mich das heute ein wenig erinnert. Ich kann nicht behaupten, dass ich zu 100 Prozent überzeugt davon war, dass wir nach der 3:2-Führung kein Tor mehr kassieren würden."

Nach sieben Premier-League-Spielen ist Liverpool leistungsgerecht gerade noch Teil der oberen Tabellenhälfte und hat seltener getroffen als Erling Haaland (in acht Spielen). "Wir stehen unter Druck, das ignorieren wir nicht", sagt Klopp. "Wir wollen mehr Punkte, uns in der Tabelle verbessern." Doch dieser Wunsch ist momentan nicht ausreichend. Dem Spiel der Reds ist die Selbstverständlichkeit abhandengekommen, die in der Vorsaison noch fast zu vier Titeln geführt hätte.

Gegen Brighton beobachtete Klopp bei seiner Elf zeitweise unkontrollierte "Pässe in alle Richtungen" und fand es "entsetzlich anzuschauen", wie oft sich die Gästespieler "zwischen den Linien einfach drehen konnten". Immer wieder stießen sie durch die gleichen Lücken, die früher "mit Intensität geschlossen" worden seien.

Klopp erinnert an Cristiano Ronaldo und Messi

"Wir müssen besser spielen, besser verteidigen, besser angreifen, so ziemlich alles besser machen", weiß Klopp und kann auch da aus der Erfahrung schöpfen: "Erst vor zwei Jahren hatten wir aus ganz anderen Gründen eine ähnliche Situation, als all unsere Innenverteidiger ausgefallen sind und wir unser Spiel komplett verloren haben. Man hat uns nicht wiedererkannt, obwohl es das gleiche Trikot war. Aber wir haben einen Weg gefunden, da rauszukommen, weil wir daran gearbeitet haben. Und das werden wir jetzt auch wieder tun."

Für Außenstehende ist es nur schwer nachvollziehbar, wie eine derart erfolgsverwöhnte Mannschaft derart augenfällig ihr Selbstvertrauen verlieren konnte. "Glaubt ihr denn, Cristiano Ronaldo ist gerade voller Selbstvertrauen?", fragte Klopp am Tag vor dem Champions-League-Heimspiel gegen die Rangers aus Glasgow (Dienstag, 21 Uhr, LIVE! bei kicker). "Das passiert uns allen." Bei Lionel Messi sei es in der vergangenen Saison ähnlich gewesen.

Ein schnelles Gegengift gebe es leider nicht. "Hätten wir 3:2 gewonnen, wäre das Gefühl jetzt zwar ein völlig anderes, aber mit ähnlichen Problemen", sagt Klopp und fordert deshalb: "Wir müssen die Anzahl der guten Momente erhöhen und die der schlechten verringern." So kämen Momentum und damit Selbstvertrauen "Schritt für Schritt" zurück.

Die beiden Spiele gegen die noch punktlosen Rangers können dafür nicht nur ein Schlüssel sein, sie sollten es sogar: Nach dem Hinspiel wartet in der Liga Spitzenreiter Arsenal, nach dem Rückspiel Manchester City.

jpe