Bundesliga

Eintracht Frankfurt: Die Probleme nach Niko Kovacs Umstellungen

Frankfurt: Drei Wechsel ohne Wirkung

Die Probleme nach Kovacs Umstellungen

Niko Kovac

Hat ein paar Baustellen: Eintracht-Coach Niko Kovac. imago

Gegen Wolfsburg begann die Eintracht wie schon in Freiburg ohne klassische Flügelstürmer. Die Aufgabe, über die Flügel Druck nach vorne zu erzeugen, erfüllten die Außenverteidiger Jetro Willems und Timothy Chandler - sie können weit nach vorne rücken, wenn hinten eine Dreierkette absichert. Im Mittelfeld agierte Frankfurt erwartungsgemäß mit einem Sechser (Gelson Fernandes) sowie zwei Achtern (Jonathan de Guzman, Mijat Gacinovic), vorne lief eine Doppelspitze (Kevin-Prince Boateng, Sebastien Haller) auf. Mit dieser Ausrichtung spielten sich die Hessen bis zur 55. Minute acht teils hochkarätige Torchancen heraus.

Anschließend kam die Mannschaft jedoch kein einziges Mal mehr gefährlich zum Abschluss. Das lag nicht nur an der sehr defensiven Ausrichtung der Gäste, sondern auch an der Systemumstellung ab der 65. Minute und den eingewechselten Spielern. Mit den Hereinnahmen von Branimir Hrgota (für den Gelb-Rot-gefährdeten Fernandes) und Danny da Costa (für den schwachen de Guzman) stellte Kovac auf ein 4-4-2 um. Der zentrale Innenverteidiger Makoto Hasebe rückte vor ins defensive Mittelfeld, wo er zusammen mit dem nun zurückgezogenen Boateng spielte, dessen Position im Sturm Hrgota einnahm. Da Costa beackerte den rechten Flügel, Gacinovic agierte etwas eingerückt auf der linken Seite.

Hrgota ist nichts gelungen

Aufgrund dieser Umstellungen ergaben sich gleich mehrere Probleme. Dem ins Mittelfeld zurückbeorderten Boateng schien die Kraft zu fehlen, um das Spiel noch einmal anzukurbeln, während Hrgota im Sturm rein gar nichts gelang. In seiner ersten Aktion rannte er in drei, vier Wolfsburger hinein, was zwangsläufig zum Ballverlust führte, von fünf Zweikämpfen verlor er vier, bei nur neun Ballkontakten gab er keine Torschussvorlage und zog auch selbst nicht ab.

Als ähnlich wirkungslos präsentierte sich da Costa. Der Neuzugang aus Leverkusen ist eigentlich Rechtsverteidiger, spielte gegen Wolfsburg aber auf dem offensiven Flügel vor Chandler, der deshalb nicht mehr zu seinen durchaus gefährlichen Flügelläufen ansetzen konnte; dazu hätte da Costa in die Mitte ziehen müssen, was aufgrund mangelnder technischer Fertigkeiten aber keinen Sinn ergeben hätte. Der einzige gelernte offensive Flügelspieler im Kader, Daichi Kamada, saß 90 Minuten auf der Bank - ebenso der abschlussstarke Strafraumstürmer Luka Jovic. Auch die Einwechslung von Linksverteidiger Taleb Tawatha für Jetro Willems verpuffte erwartungsgemäß.

Niko Kovac mit Branimir Hrgota

Hält seinen Kader für stark genug: Eintracht-Trainer Niko Kovac (hier mit Branimir Hrgota). imago

So stellt sich zwangsläufig die Frage, warum die Eintracht nicht noch einen Flügelstürmer der Kategorie Ante Rebic verpflichtet hat. Es gehört nicht viel Fantasie dazu, um sich auszumalen, dass ein Spieler dieser Güteklasse für mehr Gefahr als da Costa gesorgt hätte.

Kovac deutlich: "Wir brauchen nicht nachzulegen"

Sportvorstand Fredi Bobic hatte während des Trainingslagers in Gais via Bild erklärt, dass es Überlegungen gebe, noch einen offensiven Mann für die rechte oder linke Außenbahn zu holen. Doch offenbar wurden diese Gedankenspiele wieder verworfen. Nach der Partie gegen Wolfsburg meinte Kovac zu diesem Thema: "Wir brauchen nicht nachzulegen, wir haben eine gute Mannschaft. Es wäre nicht das Richtige, darüber zu diskutieren, ob wir noch jemanden holen müssen. Wir haben Blum und Wolf." Letzterer stand allerdings wie schon in Freiburg nicht mal im Kader, während Danny Blum nach einer Mandel-OP noch Rückstände aufweist. Bei beiden Spielern ist zudem nicht sicher, ob sie stark genug sind, um eines Tages mehr als Ergänzungsspieler in der Bundesliga zu sein.

Julian Franzke

Bilder zur Partie Eintracht Frankfurt - VfL Wolfsburg