2. Bundesliga

FC St. Pauli: Die Gründe für das Schultz-Aus

St. Paulis Trennung vom Trainer ist nicht populär, aber konsequent

Die Gründe für das Schultz-Aus

Trainer Timo Schultz ereilte am Nikolaustag das Aus beim FC St. Pauli.

Trainer Timo Schultz ereilte am Nikolaustag das Aus beim FC St. Pauli. IMAGO/MIS

Die mediale Halbzeitbilanz hatten Sportchef Andreas Bornemann und der Coach Mitte November noch zusammen abgehalten. Das drückte das grundsätzliche Bestreben aus, mit dem Trainer-Eigengewächs weiter machen zu wollen, eine Garantie aber wurde dem 45-Jährigen vor den internen Analysegesprächen nicht gegeben. Diese dauerten auch deshalb bis zum Wochenende an, weil es in der Aufarbeitung keineswegs nur um eine verkorkste Hinserie ging, sondern um einen dramatischen Abwärtstrend im gesamten Kalenderjahr. Und immer wieder kehrende Probleme, die das Trainerteam nicht in den Griff bekam. "Unsere gesamte Bilanz in 2022 ist die eines Absteigers", sagt Oke Göttlich.

Entwicklung blieb aus

Dem Präsidenten wurde von Schultz' Anhängern bereits im Oktober eine Absetzbewegung unterstellt, als er in einem kicker-Interview die Fehl-Entwicklung deutlich angesprochen hatte. Tatsächlich war das Bestreben von ihm und Bornemann, durchaus auch öffentlichkeitswirksam, eine Entwicklung anzustoßen. Weil diese ausblieb und die Vorträge zum Jahresende eher schlechter als besser und die Fehler eher mehr als weniger wurden, verkündete der Klub am Nikolaustag das Aus.

Klar ist: Insbesondere Bornemann gerät nun bei weiten Teilen der Öffentlichkeit in den Fokus. Schultz war mit seiner Vergangenheit als Spieler, Aufstiegsheld und Nachwuchstrainer ein Gesicht, der Sportchef ist in der Wahrnehmung vieler eher ein Angestellter. Einer allerdings, der dem gebürtigen Ostfriesen vor zweieinhalb Jahren das Vertrauen geschenkt und es ihm auch nicht entzogen hat, als St. Pauli nach dem ersten gemeinsamen Halbjahr auf Platz 17 überwintert hatte.

"Wir hätten uns neue Ansätze gewünscht"

Damals wurde die Wende mit Schultz und einem radikalen Kaderumbau vollzogen. Dieses Mal wähnen die Verantwortlichen mehr Substanz im Aufgebot, obwohl Bornemann auch öffentlich eingeräumt hat, dass die Abgänge von Daniel-Kofi Kyereh und Guido Burgstaller nicht gleichwertig kompensiert werden konnten. Deutlich mehr Potenzial als für den Abstiegskampf aber sieht er sehr wohl im Kader, und weder die Leistungen zum Jahresausklang noch die Ansätze von Schultz in den Analysegesprächen haben Anlass gegeben, an ein Weiter so zu glauben. "Wir hätten uns neue Ansätze gewünscht, wie die kontinuierlichen Probleme abgestellt werden können", deutet Bornemann dies mehr als nur an.

Hürzeler übernimmt zunächst

Während mit Loic Fave einer von Schultz' Assistenten mitgehen muss, bekommt Co-Trainer Fabian Hürzeler zunächst offiziell die Verantwortung übertragen. "Fabian", lobt der Sportchef, "hat bereits gezeigt, wie wertvoll sein Fachwissen und seine Kompetenz für das Team ist." Die Suche nach einem neuen Chefcoach läuft dennoch auf Hochtouren.

Sebastian Wolff

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