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"Die Energie geht aus": Klopp kündigt Abschied aus Liverpool an

Im Sommer 2024 ist Schluss

"Die Energie geht aus": Klopp kündigt Abschied aus Liverpool an

Jürgen Klopp wird den FC Liverpool im Sommer verlassen.

Jürgen Klopp wird den FC Liverpool im Sommer verlassen. CameraSport via Getty Images

Wie der FC Liverpool in einem Statement mitteilt, habe Jürgen Klopp die Verantwortlichen des Vereins informiert, im kommenden Sommer als Trainer der Reds zurückzutreten - trotz Vertrag bis 2026. Erste Hinweise, eine Trennung könnte es im Sommer bereits geben, waren zum Jahreswechsel zu vernehmen. Eine Bestätigung entsprechender Schilderungen blieb jedoch aus - nun herrscht aber Klarheit. "Ich kann verstehen, dass das für viele Leute erstmal ein Schock ist", wird Klopp auf der Website des FC Liverpool zitiert. "Aber natürlich kann ich es erklären - oder zumindest versuchen."

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Er liebe "absolut alles an diesem Verein", auch die Stadt, die Fans, die Mannschaft und das Personal. Dennoch sei er zu dem Entschluss gekommen, im Sommer nach dann achteinhalb Jahre einen Schlussstrich zu ziehen. "Es ist so, dass mir - wie soll ich sagen - die Energie ausgeht", so Klopp weiter. Es gehe ihm zwar gesundheitlich gut, aber: "Ich weiß, dass ich den Job nicht immer wieder, immer wieder, immer wieder machen kann." Er habe diese Entscheidung schon länger in sich getragen.

Erste Zweifel bei der Planung der neuen Saison

Erste Zweifel seien im November aufgekommen. "Als wir zusammensaßen und über mögliche Neuverpflichtungen, das nächste Sommer-Trainingslager und die Frage gesprochen haben, wo wir hingehen, kam mir der Gedanke: 'Dann bin ich nicht mehr sicher, ob ich hier bin' - und das hat mich selbst überrascht."

Der Entschluss sei daraufhin gereift - zumal er die Mannschaft nach der enttäuschenden letzten Saison mit der verpassten Champions-League-Teilnahme wieder gut aufgestellt sieht. "Für mich war es super-, super-, superwichtig, dass ich helfen kann, dieses Team wieder auf die Beine zu bringen", betont der gebürtige Schwabe. Als ihm klar wurde, dass das gelungen ist und welch großes Potenzial die Spieler haben, habe er wieder anfangen können, "über mich selbst nachzudenken. Und das war das Ergebnis."

Jurgen Klopp file photo. File photo dated 16-10-2022 of Jurgen Klopp, who will stand down as Liverpool manager at the end of the season, the German has announced. Issue date: Friday January 26, 2024. See PA story SOCCER Liverpool. Photo credit should read Peter Byrne/PA Wire. URN:75158364

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Unter Klopps Leitung gewann der FC Liverpool 2019 die Champions League. 2020 führte er den Klub zum ersten Meistertitel seit 1990. Den könnte er zum Abschied noch einmal holen, in der laufenden Saison steht sein Team auf Rang 1 in der Premier League.

Klopp hat schon früher eine einjährige Auszeit angekündigt

Wie es für Klopp und den FC Liverpool dann ab Sommer weitergeht, steht in den Sternen. Spekulationen, speziell über Klopps Zukunft, dürften aber schnell beginnen, speziell bei welchem Klub oder Verband er in Zukunft tätig sein wird. Klar ist aber: Immer wieder hat er betont, nach seiner Zeit beim FC Liverpool eine einjährige Erholungspause einlegen zu wollen. Dies, so seine mehrfache Aussage, habe er seiner Ehefrau Ulla versprochen. Sie hatte auch den Anstoß für eine nochmalige Vertragsverlängerung bis 2026 in Liverpool gegeben.

Der FC Liverpool verliert mit dem 56-Jährigen nicht nur einen überaus beliebten und erfolgreichen Teammanager. Klopp wurde bei der Fenway Sports Group (FSG), den Klubeignern, stets als "sportlicher CEO" betrachtet. Vor allem in den jüngsten beiden Jahren galt er als die nicht nur ausschlaggebende, sondern auch mächtigste Person in allen operativen Belangen.

"Wenn man mich fragt, ob ich jemals wieder als Trainer arbeiten werde, dann würde ich jetzt Nein sagen. Aber ich weiß natürlich nicht, wie sich das anfühlen wird, weil ich diese Situation noch nie hatte", sagt der scheidende Coach. "Was ich definitiv weiß: Ich werde niemals und zu 100 Prozent einen anderen Klub in England übernehmen als Liverpool. Das ist nicht möglich."

Den Reds droht ein großer Umbruch

Zu Klopps Staff im Nordwesten Englands zählen mehrere Deutsche, allen voran sein "Auge" Peter Krawietz, den er wie Zeljko Buvac aus Mainz und Dortmund mitgebracht hatte. Buvac verließ das Trainerteam, in dem der Niederländer Pep Lijnders quasi zum ersten Assistenten aufstieg. Insider beim FC Liverpool trauen Lijnders zu, der wie Klopp und Krawietz das Pressing und die extrem hohe Intensität im Spielstil der Reds predigte, ein sehr guter Cheftrainer werden zu können. Allerdings nicht bei den Reds - auch er wird den Klub verlassen.

Acht holte er mit Liverpool: Klopps Titel als Trainer

Großes Vertrauen schenkte Klopp Ernährungsberaterin Mona Nemmer, sowie Fitness- und Konditionstrainer Andreas Kornmayer, die beide vorher beim FC Bayern München arbeiteten, und Dr. Andreas Schlumberger, Rehatrainer und Performance-Manager, zuvor beim FC Schalke 04.

Klopps wichtigster Begleiter, Berater Marc Kosicke, ist mit allen Entscheidern in Liverpool und den Chefs der FSG auf das Beste vernetzt. Und auch Jörg Schmadtke wird gehen. All diese Personalien unterstreichen, dass der gesamten Unternehmung Liverpool FC ein gewaltiger interner Umbruch bevorsteht.

Xabi Alonso rückt in den Fokus

Bei der Frage nach einem Nachfolger rückt ein alter Bekannter in den Fokus: Xabi Alonso, der zu aktiven Zeiten 210 Pflichtspiele für die Reds bestritten hat und momentan die Bundesliga mit Leverkusen anführt und begeistert. Eine Zeit lang galt Liverpools Klub-Ikone Steven Gerrard als natürlicher Nachfolger auf der Trainerposition. Diesen Rang hat der Bayer-Coach dem früheren Kapitän längst abgelaufen. Nachdem Carlo Ancelotti bei Real Madrid verlängert hatte, nahm die Vorstellung, Xabi Alonso werde Klopp noch vor 2026 ablösen, Konturen an.

pau, jj

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