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Die Darts-WM ist angesetzt - und Star van Gerwen steckt in der Krise

Vom Dominator zum "unglaublichen Deppen"

Die Darts-WM ist angesetzt - und Star van Gerwen steckt in der Krise

Das geht besser: Michael van Gerwen hat zuletzt nicht sehr überzeugen können - doch bis zur WM ist noch etwas Zeit.

Das geht besser: Michael van Gerwen hat zuletzt nicht sehr überzeugen können - doch bis zur WM ist noch etwas Zeit. imago images

Michael van Gerwen, der seit Jahren unangefochten an der Spitze stehende Darts-Dominator, schüttelte fassungslos den Kopf, presste die Lippen zusammen und stampfte völlig entnervt davon. Der Niederländer und dreimalige WM-Triumphator (2014, 2017, 2019), der seine Gegner oft zur Verzweiflung treibt, verzweifelt immer mehr an sich selbst - weil der Seriensieger das Siegen verlernt hat und Niederlagen zur Gewohnheit werden. Drei Wochen vor dem geplanten Start der WM (15. Dezember bis 3. Januar) steckt die Nummer 1 der Welt in der Krise.

"Ich habe die Schnauze voll", schimpfte der dreimalige Weltmeister beim niederländischen TV-Sender "RTL 7", nachdem er die nächste schmerzhafte Pleite bei einem Major-Turnier kassiert hatte. Beim Grand Slam of Darts scheiterte er schon im Viertelfinale mit 15:16 am Australier Simon Whitlock - auch, weil van Gerwen trotz einer ansonsten guten Leistung gleich ganze acht (!) Matchdarts nicht nutzen konnte.

"Wenn du so viele Matchdarts hast, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen", zeterte van Gerwen: "Wenn es doch schiefgeht, bist du ein unglaublicher Depp. Punkt." Die "Green Machine", wie der Niederländer ehrfurchtsvoll genannt wird, ist gehörig ins Stottern geraten. Der unwiderstehliche Killerinstinkt, der ihm eine Aura der Unbesiegbarkeit verlieh, ist derzeit weg.

Man sieht, dass er Nerven zeigt

Wayne Mardle, viermaliger WM-Halbfinalist

Außer den UK Open im März hat der einstige Seriensieger in diesem Jahr kein großes Turnier gewonnen. Beim World Matchplay und bei der EM verlor der 31-Jährige jeweils bereits in der zweiten Runde, beim World Grand Prix war im Viertelfinale Schluss. Im September hatte er zudem zum ersten Mal in seiner Karriere den Play-off-Einzug in der Premier League verpasst.

Auch seinen Widersachern ist die ungewohnte Schwäche van Gerwens, der seit Januar 2014 die Weltrangliste anführt und im April zum zweiten Mal Vater geworden ist, natürlich nicht verborgen geblieben. "Er hat keine Chance", antwortete Weltmeister Peter Wright zuletzt auf die Frage, ob ihm van Gerwen bei seiner Titelverteidigung im Dezember gefährlich werden könne - und damit ist er nicht allein.

Der wankende van Gerwen

"Man sieht, dass er Nerven zeigt. Es fehlt ihm an der Gelassenheit, Spiele nach Hause zu bringen, das ist ihm vorher noch nie passiert", sagte der viermalige WM-Halbfinalist Wayne Mardle als Experte von "Sky Sports". Noch im vergangenen Jahr hatte "Mighty Mike" alleine sieben der zwölf Major-Turniere gewonnen - von dieser Gala-Form ist er aktuell weit entfernt.

"Wenn es jetzt wichtig wird, wankt er fast jedes Mal", urteilte Mardle und befand: "Das ist nicht Michael van Gerwen." Nicht der bekannte Vollender, Dominator, schier Unschlagbare und eigentlich kaum Besiegbare. Viel Zeit bis zur WM bleibt ihm nun nicht mehr, um wieder zu dem Michael van Gerwen zu werden, der die Darts-Welt das Fürchten lehrt.

Sind sogar Fans zugelassen?

Neben der Datumsansetzung der Darts-WM (15. Dezember bis zum 3. Januar) stellt sich in Zeiten von Corona auch immer noch die Frage, wie diese beliebte Turnier letztlich wirklich aussehen wird. Gewohnt ist der Zuschauer ein volles Haus, bierdurstige und wild verkleidete Fans, lautes Schreien, viel Gesang und reichlich Schweiß auf der Bühne wie auf den Rängen.

Und nun? Die PDC (Professional Darts Corporation) überrascht mit einem Statement: "Es könnte bei der Darts-Weltmeisterschaft vom 15. Dezember bis zum 3. Januar im Alexandra Palace von London zur Rückkehr der Fans kommen." Anlass für den Vorstoß soll die Ankündigung der britischen Regierung von diesem Montag sein, wonach Sportveranstaltungen wie auch die Premier League im Fußball ab dem 2. Dezember wieder von Zuschauern besucht werden könnten. "Die PDC wird nun gemeinsam mit dem Alexandra Palace herausfinden, welche Chancen eine Veranstaltung vor Fans hat."

mag/sid

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