Handball

DHB-Team: Ein verhängnisvoller Fehlpass zu viel

DHB-Auswahl erlebt ersten "Schockmoment" der Heim-WM

DHB-Team: Ein verhängnisvoller Fehlpass zu viel

In den entscheidenden Momenten nicht ganz auf der Höhe: Patrick Groetzki (l.) und Paul Drux.

In den entscheidenden Momenten nicht ganz auf der Höhe: Patrick Groetzki (l.) und Paul Drux. imago

Aus Berlin berichtet Maximilian Schmidt

"Heute dürfen wir uns ärgern", lautete das erste Fazit von Bundestrainer Christian Prokop, der sich damit allerdings nicht viel länger aufhalten wollte: "Das Schöne an diesem Turnier ist, dass wir es binnen 24 Stunden besser machen können mit dem tollen Publikum." Dann kommt mit Frankreich aber nochmal ein ganz anderes Kaliber auf die DHB-Auswahl zu.

Durch das 22:22-Remis gegen Russland , den ersten Rückschlag beim Heim-Turnier, verpasste die deutsche Mannschaft mit 5:1 Punkten den vorzeitigen Einzug in die Hauptrunde. Brasilien hatte am Nachmittag ein großzügiges Angebot gemacht , das der Europameister von 2016 nicht annehmen wollte. "Es ist sehr frustrierend, dass wir nicht beide Punkte geholt haben", fügte Abwehrstratege Hendrik Pekeler an: "Das ist ein sehr bitterer Abend. Das ist ein kleiner Schockmoment, den wir schnell aus den Köpfen bekommen müssen."

Am Ende war es der eine verhängnisvolle Fehlpass zu viel: Paul Drux lud Dmitry Zhitnikov beim Stand von 21:20 für Deutschland ein, der 29-Jährige nahm das Geschenk dankend an. Nachdem anschließend auch noch Fabian Böhms vermeintlicher Siegtreffer gekontert wurde, gestand Drux enttäuscht ein: "Das ist ein verlorener Punkt."

Es überwiegt die Enttäuschung.

Christian Prokop

Uwe Gensheimer war vor 13.500 begeisterten Zuschauern derweil kaum ein Vorwurf zu machen. Der Kapitän spielt bislang ein fantastisches Turnier und war mit acht Treffern erneut Deutschlands bester Werfer. "Natürlich ist es in dem Moment erst mal ein Rückschlag und fühlt sich wie eine Niederlage an", räumte der Linksaußen von Paris Saint-Germain ein, dessen persönliches Highlight gegen seine französischen Freunde am Dienstag (20.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) folgen dürfte. Hannovers Böhm, der sich in der wichtigen Schlussphase nicht vor der Verantwortung drückte, versprach: "Die Köpfe werden ganz schnell nach oben gehen und wir werden bereit sein."

DHB-Team braucht gegen Frankreich fast schon einen Sieg

Insgesamt mangelte es dem deutschen Team gegen die Russen an der nötigen Konstanz, um sich entscheidend abzusetzen. "Es überwiegt die Enttäuschung. Wir haben beim 20:17 den Sack nicht zugemacht", haderte Prokop. Problemzone war ganz eindeutig der Angriff. Mittelmann Martin Strobel konnte dem Spiel als Lenker und Denker kaum Ruhe geben. Ganz im Gegenteil: Immer wieder leistete sich der 32-Jährige Unkonzentriertheiten und technische Fehler. Auf Rechtsaußen hat Patrick Groetzki derweil noch immer nicht ins Turnier gefunden, dem in der Bundesliga ausgesprochen treffsicheren Linkshänder von den Rhein-Neckar Löwen fehlt in Berlin komplett das Selbstvertrauen.

Im Gipfeltreffen mit Weltmeister Frankreich braucht Deutschland aber eigentlich einen Sieg, um sich gute Chancen aufs Halbfinale in Hamburg ausrechnen zu können. "Ich will jetzt nicht in die Ferne schweifen", stellte Prokop klar. "Wir waren in den entscheidenden Momenten nicht so konzentriert und clever, wie wir uns das erhofft hatten: Wir werden uns heute kurz zusammensetzen, das Spiel verdauen und dann weitermachen." Mit dem dritten Sieg?

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