Bundesliga

DFL-Statuten bedeuten keine Einschränkung

Frankfurt: Genügend deutsche Spieler?

DFL-Statuten bedeuten keine Einschränkung

Niko Kovac und Bruno Hübner

Müssen bei den Transferplanungen nicht unruhig werden: Trainer Niko Kovac und Sportdirektor Bruno Hübner. imago

Sportvorstand Fredi Bobic und Sportdirektor Bruno Hübner können tiefenentspannt sein, wenn es darum geht, zum Bundesligastart genügend deutsche Spieler unter Vertrag zu haben. Auch die Local-Player-Regelung, die mindestens vier beim Verband und vier im Verein ausgebildete Profis erfordert, sollte keinerlei Sorgenfalten entstehen lassen. Die Regelungen der DFL sind gut gemeint, um den Nachwuchs zu fördern und die Klubs dazu zu ermuntern, jungen deutschen Spielern eine Chance zu geben. Doch sie sind eine Farce.

Besonders deutlich wird das beim Nachbarn in Darmstadt. Wer von Liam Fisch, Johannes Wolff, Daniel Thur und Can Luka noch nie etwas gehört hat, der sollte sich nicht grämen. Am 21. Juli 2016 vermeldeten die Lilien in einer Pressemitteilung, dass dieses Quartett einjährige Lizenzspielerverträge erhält. Die Youngsters aus der U 19 dürfen zwar selbst in der Vorbereitung nicht mit den Profis trainieren - die Bundesliga ist für sie meilenweit entfernt - Darmstadt erfüllt damit aber jenen Teil der Local-Player-Regelung, der vier im Klub ausgebildete Lizenzspieler vorschreibt. Bereits in der vergangenen Saison stattete der Klub vier A-Junioren mit Einjahresverträgen aus, ohne dass diese formellen Profis je bei den richtigen Profis mitmachen durften.

Eintracht Frankfurt - Vereinsdaten
Eintracht Frankfurt

Gründungsdatum

08.03.1899

Vereinsfarben

Rot-Schwarz-Weiß

Trainersteckbrief Kovac
Kovac

Kovac Niko

Local-Player-Bezahlung: "Peanuts" für Profivereine

Die "Lizenzordnung Spieler" der DFL schreibt vor, dass Erstligaprofis monatlich mindestens 50 Prozent der Beitragsbemessungsgrenze für die gesetzliche Rentenversicherung verdienen müssen. Diese Grenze liegt seit dem 1. Januar 2016 im Westen bei 6200 Euro brutto, im Osten bei 5400 Euro brutto. Jeder Local Player kostet monatlich somit, sofern kein höheres Salär vereinbart wird, 3100 Euro brutto - ein Klacks für einen Profiverein. Deshalb muss sich bei der Eintracht niemand sorgen, sollte es durch Verkäufe oder Ausleihen, die ziemlich sicher bevorstehen, plötzlich weniger als zwölf deutsche Spieler oder nicht mehr genügend Local Player geben.

Am Riederwald, wo der Nachwuchs kickt, würden die Junioren einen solchen 3100-Euro-Vertrag mit Kusshand nehmen und unterschreiben. Anders als teilweise berichtet, haben die DFL-Statuten deshalb keinen nennenswerten Einfluss auf die Kaderplanung. Derzeit stehen bei der Eintracht folgende Spieler mit einem deutschen Pass unter Vertrag: Aigner, Bätge, Blum, Bunjaki, Chandler, Flum, Gerezgiher, Oczipka, Meier, Regäsel, Russ, Stendera. Fünf dieser Profis sind vom Verein ausgebildete Local Player: Bunjaki, Chandler, Gerezgiher, Russ, Stendera. Die anderen sieben wurden vom Verband ausgebildet.

Die Local Player-Regelung unter Paragraph 5 b der "Lizenzordnung Spieler" im Wortlaut:

"Clubs müssen im Rahmen der Förderung der Nachwuchsarbeit im deutschen Fußball eine Mindestanzahl lokal ausgebildeter Spieler als Lizenzspieler unter Vertrag haben. Lokal ausgebildete Spieler können 'vom Club ausgebildet' oder 'vom Verband ausgebildet' sein. Voraussetzung ist, dass nicht mehr als die Hälfte der Spieler vom Verband ausgebildet ist. Es müssen mindestens acht lokal ausgebildete Spieler bei dem Club als Lizenzspieler unter Vertrag stehen, wovon mindestens vier vom Club ausgebildet sein müssen. Als Lizenzspieler ausschließlich im Sinne dieser Bestimmung gilt auch ein Spieler, der bereits mit dem Club einen der DFL vorliegenden Lizenzspielervertrag geschlossen hat, der mit Vollendung seines 18. Lebensjahrs spätestens zum 31.12. der laufenden Spielzeit wirksam wird. Ein vom Club ausgebildeter Spieler ist ein Spieler, der in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für den Club spielberechtigt war. Ein vom Verband ausgebildeter Spieler ist ein Spieler, der in drei Spielzeiten/Jahren im Alter zwischen 15 und 21 Jahren für einen Club im Bereich des DFB spielberechtigt war. Erhält ein Spieler bis zum 31.07. eines Jahres für den Club eine Spielberechtigung für Freundschaftsspiele, wird das betreffende Spieljahr als volle Spielzeit im Sinne dieser Vorschrift angerechnet."

Julian Franzke

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