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DFB beendet Verträge mit "Infront" - Unternehmen wehrt sich

Verband reagiert auf Untersuchung

DFB beendet Verträge mit "Infront" - Unternehmen wehrt sich

Das DFB-Präsidium hat eine Beendigung der Zusammenarbeit mit Infront beschlossen. imago images

Der "Spiegel" hatte vorige Woche über Hinweise auf mögliche Korruption bei Geschäften des DFB mit dem langjährigen Sportvermarkter berichtet und den Schaden der Affäre auf 40 Millionen Euro beziffert. Der DFB hatte daraufhin auf noch andauernde "Untersuchungen und Gespräche" hingewiesen - hat jetzt aber die Konsequenzen gezogen. Bei einer digitalen Konferenz beschloss das DFB-Präsidium am Mittwoch, die bestehenden Verträge mit "Infront" zu beenden - nach rund 40-jähriger Partnerschaft.

"Unrechtmäßige Einflussnahme auf DFB-Vertreter"

Aus der Untersuchung des Berliner Beratungsunternehmens Esecon, deren Ergebnisse inzwischen vorlägen, "ergeben sich innerhalb der vergangenen Jahre verschiedene Handlungen, die sich für den DFB als klare Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit dem Zustandekommen und der Erbringung von Vertragsleistungen von Infront sowie unrechtmäßige Einflussnahmen auf DFB-Vertreter darstellen", heißt es in der Pressemitteilung.

"Infront" erkennt die Kündigung allerdings nicht an. "Infront bestreitet die Wirksamkeit dieser Kündigung und hält an der vollständigen Erfüllung der laufenden Verträge mit dem DFB fest", hieß es auf dpa-Anfrage am Mittwochabend. Man hege auch "erhebliche Zweifel an den Methoden und Motiven der Detektei Esecon, auf deren Zwischenbericht sich der DFB bei der beabsichtigten Vertragsauflösung beruft".

Unter anderem, so hatte der "Spiegel" mit Verweis auf den Report berichtet, soll der DFB "Infront" 2013 mit der Beschaffung von Bandenwerbepartnern beauftragt haben, obwohl eine andere Firma für das lukrative Geschäft eine höhere Summe geboten habe. Für den bis 2018 gültigen Deal soll die damalige Führung des DFB Gegenleistungen erhalten haben.

Job für den Sohn, Luxusjacht und Luxusuhren

Außerdem soll im Monat des Zuschlags der Sohn des damaligen DFB-Generalsekretärs Helmut Sandrock eine Stelle bei "Infront" bekommen haben. Der damalige DFB-Präsident Wolfgang Niersbach sei von Günter Netzer, zu dieser Zeit Executive Director bei "Infront", auf eine Luxusjacht im Mittelmeer eingeladen worden. Einige DFB-Mitarbeiter hätten zudem Luxusuhren erhalten.

Der DFB hatte nach eigenem Bekunden im Mai 2019 Hinweise auf mögliche schädigende Handlungen von "Infront" erhalten. Das Vermarktungsunternehmen hatte sich 2019 "tief schockiert" gezeigt und mitgeteilt, dass die Firma einen leitenden Angestellten entlassen habe, gegen den die Staatsanwaltschaft wegen Untreue ein Strafverfahren eingeleitet habe. Vorige Woche teilte das Unternehmen mit, selbst eine umfangreiche Untersuchung in Auftrag gegeben zu haben, die "zu völlig anderen Ergebnissen" komme.

jpe/sid/dpa