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DFB-Video-Trainersprechstunde: U-Nationaltrainerinnen geben Einblicke

U-Nationaltrainerinnen geben interessante Einblicke

DFB-Video-Trainersprechstunde: "Es wäre fahrlässig, den Traum einer 13-Jährigen platzen zu lassen"

Heute in der DFB-Video-Trainersprechstunde zu Gast: Silke Rottenberg (li.) und Sabine Loderer.

Heute in der DFB-Video-Trainersprechstunde zu Gast: Silke Rottenberg (li.) und Sabine Loderer. Getty Images

Nachdem Stefan Kuntz (U 21) und Meikel Schönweitz (Cheftrainer U-Nationalmannschaften) die Sprechstundenserie in diesem Jahr eröffneten, folgten zunächst Guido Streichsbier (U 20) und Hannes Wolf (U 18) sowie Antonio di Salvo (Co-Trainer U 21) und Marc Meister (U 16). Jetzt gaben die beiden Frauen ihre Premiere und standen den Kolleginnen und Kollegen von der Basis im Videochat Rede und Antwort. Eine Auswahl der Gesprächsinhalte.

Weltmeisterin 2003 und 2007, Europameisterin 1997, 2001 und 2005, dazu vier deutsche Meisterschaften, 126 Länderspiele und Weltorhüterin 2003: Die eindrucksvolle Karriere von Silke Rottenberg kann sich mehr als sehen lassen. Heute profitiert der Nachwuchs der DFB-Spielerinnen von der U 15 bis zur U 19 von der geballten Erfahrung der 49-Jährigen. "Mir macht es einfach riesig viel Spaß, meine Erlebnisse an den Nachwuchs weiterzugeben", berichtete Rottenberg. Vom gewohnten Alltag ist ihr Training mit den Torhüterinnen derzeit aber weit entfernt: "Es ist derzeit sehr individuell, vom Kleingruppentraining bis hin zu gar keinem Training. Von daher schreibe ich für meine Torhüterinnen seit Monaten angepasste Trainingspläne. Wir lassen niemanden im Stich und versuchen so gut es geht da zu sein."

Nicht nur der Fußball ein Thema bei Rottenberg und Loderer

Der reine Fußball als Trainingsinhalt steht dabei aktuell nicht immer im Vordergrund, wie Sabine Loderer ergänzt. "Es ging häufig viel mehr darum, ihnen ein virtuelles Fußball-Zuhause zu geben. Gerade für Jugendliche in der Entwicklungsphase ist diese Zeit nochmal ein härterer Tobak. Da ist es sehr wichtig, dass sie wissen: Wir sind für sie da, wir kümmern uns um sie sportlich, geben ihnen aber auch einfach eine Anlaufstelle", erzählte die frühere Bundesligaspielerin des FC Bayern München.

Was das Training anging, war für die beiden Trainerinnen in den vergangenen Monaten Kreativität gefragt. "Gewissermaßen war es ein bisschen Back to the Roots, wir mussten uns erinnern, was wir selbst in der Jugend auf dem Bolzplatz oder zuhause im Garten gemacht haben. Das ist im Torwartbereich an vielen Stellen vielleicht auch etwas einfacher, aber auch für Feldspielerinnen und Feldspieler lassen sich viele Übungen gestalten. Ganz wichtig ist es, kognitive Elemente mit einzubauen", empfahl Rottenberg. Selbst nutzen die DFB-Trainerinnen dafür gerne Apps für das Smartphone, die beispielsweise mit verschiedenen Farben, die sich auf einem mit Hütchen markierten Parcours widerfinden, den nächsten Schritt der Übung vorgeben, ob ein Dribbling oder einen Pass. Neben der Technik wird somit auch die Reaktionsschnelligkeit geschult. Denn auf die kommt es an.

Was muss man mitbringen?

Welche Qualitäten muss man eigentlich mitbringen, um als junge Spielerin in den Genuss des DFB-Auswahltrainings zu kommen? Eine Frage, die die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Runde beschäftigte. "Was natürlich immer passen muss, ist das Niveau in den technischen Bereichen, natürlich gestehen wir da gerade den jüngeren Spielerinnen auch einiges an Entwicklungspotenzial zu, aber es muss eine gute Basis geben. Dann geht es darum, eine gewisse Spielintelligenz mitzubringen, das Gespür für das Spiel und Handlungsschnelligkeit ist gefragt. In erster Linie schauen wir auf das fußballerische Potenzial und die mentale Komponente: Man muss merken, dass die Spielerinnen den unbedingten Willen haben. Dann können sie auch in Situationen den Unterschied machen, wenn es mal nicht so läuft. Dieser Wille immer einen Schritt mehr gehen zu wollen ist nötig, dass es am Ende für ganz oben reichen kann", so Loderer. "Je länger die Spielerinnen dann bei uns sind, geht es dann auch vermehrt um den athletischen Bereich. Aber die körperlichen Voraussetzungen spielen bei 13 oder 14-Jährigen noch eine sehr untergeordnete Rolle", ergänzte die 40-Jährige.

Größe selbst bei Torhüterinnen kein Kriterium

Selbst bei den jungen Torhüterinnen ist die Körpergröße kein Kriterium. "Das hat keine Relevanz bei einer 13-Jährigen Torhüterin", machte Rottenberg klar. "Die Körpergröße wird erst relevant, wenn es in Richtung U 19 geht. Da kommen die Mädels in den Bereich Richtung Frauen-Nationalmannschaft und Bundesliga, wo eine Frau mit 1,60 Meter Größe im Tor keine Einsatzchancen mehr hätte. Aber den Traum einer 13-Jährigen wegen der Größe platzen zu lassen, das wäre fahrlässig."

Moritz Kreilinger