Junioren

DFB-Trainersprechstunde mit U-Nationaltrainer di Salvo und Meister

U-Nationaltrainer di Salvo und Meister geben Tipps und Einblicke

DFB-Video-Trainersprechstunde: "Da hat die Taktiktafel nichts zu suchen"

Äußerten sich in der Videosprechstunde zu verschiedenen Themen: Antonio di Salvo (l.) und Marc Meister.

Äußerten sich in der Videosprechstunde zu verschiedenen Themen: Antonio di Salvo (l.) und Marc Meister. imago images

Rund 90 Minuten konnten Jugend- und Amateurtrainer ihre Fragen an die beiden Experten richten. Nachdem Stefan Kuntz (U21) und Meikel Schönweitz (Cheftrainer U-Nationalmannschaften) vor einem Monat die Sprechstundenserie einleiteten, folgten Ende Februar Guido Streichsbier (U20) und Hannes Wolf (U18). Jetzt nahmen sich der frühere Bundesliga-Profi und heutige Co-Trainer von Kuntz, Antonio di Salvo, und U-16-Nationalcoach Marc Meister Zeit für die Kolleginnen und Kollegen. Zunächst wurden gemeinsam Spielszenen analysiert und Praxisbeispiele für den Trainingsalltag vorgestellt, ehe die offenen Fragen beantwortet wurden.

Simon Werner (U-13-Trainer TSV 1860 Rosenheim) und Roberto Giunta (Betreuer der F- und E-Jugend des SGV Freiberg): Wenn wir das Training im Team wiederaufnehmen können, wie sollte ich den Trainingsaufbau gestalten? Auch was die Motivation und die Intensität angeht?

Meister: Auf was haben die Zwölf- und 13-Jährigen Lust, wenn sie wieder zusammen kommen? Sie wollen einfach wieder Fußball spielen, verteidigen und Tore schießen. Monatelang konnten sie jetzt, wenn überhaupt, nur durch den eigenen Garten dribbeln und ein paar Technikübungen machen. Jetzt geht es wieder um die Tore. Das reine Spiel hätte für mich in dieser Altersklasse jetzt oberste Priorität.

di Salvo: Die Kinder wollen jetzt einfach Spaß haben, die haben es vermisst, in Zweikämpfe zu gehen, auch mal in längere Dribblings zu gehen. Ich glaube, es ist wichtig, sie jetzt einfach loszulassen, nicht zu streng sein und einfach spielen lassen. Was die Intensität angeht, sollte man mit etwas Bedacht rangehen und nicht gleich zu viel fordern.
Wir glauben auch, dass der Spielanteil im Training generell sehr groß sein darf, weil er alles abbildet. Natürlich muss man auch an den Basics arbeiten, etwa der Ballannahme und Mitnahme oder dem Torschuss. Aber wenn der Spielanteil groß ist, macht man nichts falsch.

Andreas Müller (U-11-Trainer Eintracht 93 Walldürn): Wie erreiche ich als Trainer eine größtmögliche Akzeptanz?

Meister: Bei uns im Kontext Junioren-Nationalmannschaft stehen die Spieler schon parat, sie verfolgen alle ihr großes Ziel. Bei allen Jungs und Mädels spielt in den Top-3 ihrer Lebensziele der Fußball eine Rolle. Von daher ist die Motivation, die Haltung zum Training und damit auch unsere Akzeptanz schon sehr hoch. Ganz allgemein würde ich es aber an drei Aspekten festmachen: Große Akzeptanz für die Dinge und Werte, die man für wichtig erachtet, erreicht man, indem man sie vorlebt. Als zweites: Versuche, die Spieler kennenzulernen und viel über sie zu erfahren. Lasse sie spüren, dass du dich für sie interessierst. Und als dritten Punkt: Wenn du fachlich gut bist, ihnen mit Tipps und Tricks weiterhelfen kannst, ihr Spiel zu verbessern, dann werden dir alle zuhören und dich akzeptieren.

di Salvo: Zum Schluss wollen die Spieler ja alle besser werden. Dazu gehört auch, ehrlich zu sein. Es ist ganz wichtig, auch mal kritische Töne anschlagen zu können, um den Spieler voranzubringen und ihn zu packen. Auch das gehört zur Akzeptanz dazu.

Alexander Gossen (Trainer der U 17 bei der SG Kaarst): Sollte im Jugend- und Amateursport regelmäßig mit der Taktiktafel gearbeitet werden, quasi als theoretische Trainingseinheit?

di Salvo: Im Kinderfußball hat die Taktiktafel aus meiner Sicht nichts verloren. Das sind Dinge, die in erster Linie im Profibereich und bei uns in den Junioren-Nationalmannschaften eine Rolle spielen. Dort sprechen wir viel mit den Spielern, fragen sie auch häufig, ob es ausreicht, eine Szene nur auf dem Brett zu besprechen oder ob wir das nochmal auf dem Platz zeigen sollen. Im höheren Amateur- und Jugendbereich, ab der U 17 oder U 19, kann man sicher auch mal einen Kniff an der Taktiktafel erklären. Viel wichtiger ist aber, die Situationen auf dem Platz zu fühlen.

Meister: Solange du die Tafel auf dem Platz einstreust, als Ergänzung, kann das durchaus hilfreich sein. Vielen hilft das, Abläufe und Situationen besser zu verstehen. Manche müssen es hingegen im Training erleben. Nutze die Trainingszeit aber in erster Linie auf dem Rasen.

Louisa Stier (F-Jugendtrainerin beim TV Neidlingen): Wie soll ich als Trainerin damit umgehen und reagieren, wenn Elternteile neben dem Platz stehen und ihren Kindern während des Spiels oder Trainings Anweisungen geben?

Meister: Am besten spricht man dieses Thema vor dem Saisonstart, etwa bei einem Elternabend, gleich an und kommuniziert das vorher klar. Logischerweise brauchst du die Eltern zur Unterstützung in vielen Punkten, aber die Trainingsinhalte obliegen dem Trainer. Aus meiner eigenen Erfahrung weiß ich: Mit der Regel - wenn Elternteile reinrufen, wird das entsprechende Kind ausgewechselt - war immer Ruhe (lacht).

di Salvo: Wenn es dann doch vorkommt, würde ich die Sache gleich ansprechen und erklären, dass es so nicht funktioniert, da es auch für das Kind nicht gut ist. Die Spielerin oder der Spieler wissen nicht mehr, auf wen sie jetzt hören soll, den Vater oder den Trainer. Wir wollen aber, dass die Kinder frei und kreativ sind. Da muss man die Eltern auch darauf aufmerksam machen.

Aufgezeichnet von Moritz Kreilinger