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DFB-Chef Neuendorf setzt sportpolitische Zeichen

Politik unterstützt Kritik an der Super League, Überprüfung der Partner in Katar

DFB-Chef Neuendorf setzt sportpolitische Zeichen

Er zog Bilanz unter seine ersten 100 Tage als DFB-Präsident: Bernd Neuendorf.

Er zog Bilanz unter seine ersten 100 Tage als DFB-Präsident: Bernd Neuendorf. imago images

"Es ist eine gewisse Stabilität in den Verband zurückgekehrt, die auch dringend erforderlich ist angesichts der Aufgaben, die vor uns liegen", sagte Neuendorf. Er entschied sich bewusst für den Begriff Stabilität statt für Ruhe, "weil ich eine produktive Unruhe im Verband haben möchte". Er spüre im DFB-Haus eine hohe Motivation, darüber hinaus habe sich auch das Verhältnis zur DFL "spürbar entspannt".

Am 11. März war Neuendorf von den Delegierten beim DFB-Bundestag ins neue Amt gehievt worden. Der 60-Jährige hatte dafür geworben, den Fußball wieder in den Mittelpunkt zu stellen. "Wir sind nicht mehr die Getriebenen, wir sind die treibende Kraft", stellte Neuendorf am Montag zufrieden fest.

Man merkt bei der Politik, dass es wieder eine Bereitschaft gibt, sich mit den Anliegen des DFB zu befassen.

Bernd Neuendorf

Laut dem ehemaligen NRW-Staatssekretär habe auch die "Verdrahtung in die Politik enorm zugenommen". Ab Dienstag weilt der DFB-Präsident in Berlin, um Gespräche mit den Regierungs- und Oppositionsvertretern zu führen. "Man merkt bei der Politik, dass es wieder eine Bereitschaft gibt, sich mit den Anliegen des DFB zu befassen", so Neuendorf. Der DFB-Präsident hält es für dringend erforderlich, die Infrastruktur von bundesweit 41.000 Fußballplätzen zu verbessern. An manchen Standorten liege einiges im Argen.

Neuendorf: "Die Super League ist ein Frontalangriff"

Positiv überrascht zeigte sich der DFB-Chef, dass die Bundesregierung zur mündlichen Verhandlung vor dem Europäischen Gerichtshof am 11. und 12. Juli eigene Vertreter entsenden will. Der Gerichtshof befasst sich mit der Klage der European Superleague Company bei einem Gericht in Madrid, das wiederum den EuGH anrief. UEFA und der FIFA wird vorgeworfen, gegen das EU-Kartellrecht zu verstoßen, indem sie die Entstehung einer Super League durch die zwölf Gründervereine um Real Madrid, den FC Barcelona und Juventus Turin untersage beziehungsweise den Klubs mit Sperre drohe.

Neuendorf über die Initiative aus Berlin: "Ich bin dankbar, dass auch das Sportministerium eine starke Position bezieht. Die Super League ist ein Frontalangriff auf das europäische Sportmodell. Die Einnahmen aus der Champions League werden in erheblichem Umfang auch zur Finanzierung des Breitensports eingesetzt."

Ullrich macht sich in Katar ein Bild

Ein klares sportpolitisches Zeichen setzt der DFB-Präsident, was die WM in Katar betrifft. Aufgeschreckt durch die Berichterstattung über die Arbeitsbedingungen beim Bau des DFB-Quartiers Zulal Wellness Resort in der "Sportschau" kündigte er an, dass der DFB den zahlreichen Dienstleistern, die vor Ort tätig sein werden, "einer eigenen Prüfung unterzieht".

Die Auswahl der WM-Hotels seien nach Standards erfolgt, die die FIFA zusammen mit Arbeitnehmervertretern entwickelt hatten. Ob die konkreten Vorwürfe gegen das Zulal Resort zuträfen, sei noch nicht verifiziert, "was es aber im Grunde kaum besser macht, weil die Arbeitsbedingungen vielerorts schlecht sind". DFB-Generalsekretärin Heike Ullrich ist in der kommenden Woche wieder Mitglied einer UEFA-Arbeitsgruppe, die sich vor Ort ein genaueres Bild über die Zustände in Katar macht.

Michael Ebert