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DFB-Arzt Tim Meyer: Amateurfußball stellt geringes Infektionsrisiko dar

Umfrage zeigt starke Sehnsucht nach einem Re-Start

DFB-Arzt Tim Meyer: Amateurfußball stellt geringes Infektionsrisiko dar

Liefert Fakten: DFB-Arzt Tim Meyer hat untersucht, wie groß das Infektionsrisiko im Amateurfußball ist.

Liefert Fakten: DFB-Arzt Tim Meyer hat untersucht, wie groß das Infektionsrisiko im Amateurfußball ist. IMAGO / Chai v.d. Laage

Ende vergangener Woche sind DFB-Präsident Fritz Keller und Vizepräsident Rainer Koch mit einem offenen Brief an die Politik vorangegangen, jetzt folgen die Regional- und Landesverbände: Deren Präsidenten haben im Rahmen ihrer Konferenz einen gemeinsamen Appell formuliert, der die hohe gesellschaftliche Bedeutung und Wirkung des Amateursports betont. Ronny Zimmermann und Hannelore Ratzeburg, im DFB-Präsidium für den Nachwuchsfußball im männlichen und weiblichen Bereich zuständig, fordern, dass der "Lockdown für den Sport nicht zum Dauerzustand" wird. "Wir müssen im Blick haben, welche Folgen dauerhafter Bewegungsmangel und fehlende soziale Kontakte gerade für Kinder und Jugendliche haben können". Vereinssport könne für "spürbare Entlastung sorgen und mit den bereits bewährten Hygienekonzepten seiner gesellschaftlichen Aufgabe gerecht werden".

Peter Frymuth, Präsident des Fußballverbands Niederrhein und in Personalunion beim DFB Vizepräsident Spielbetrieb und Fußballentwicklung, ergänzt: "Unsere Vereine haben in den vergangenen Monaten einen erfolgreichen Beitrag geleistet, um Kontakte zu reduzieren und Infektionen entgegenzuwirken. Dieses verantwortungsvolle Verhalten darf bei den Erörterungen der Lockerungen nicht vergessen werden." Frymuth sieht erste positive Signale: "Ich bin daher sehr froh, dass in Nordrhein-Westfalen die Landesregierung nun in einem ersten Schritt entschieden hat, dass die Sportplätze wieder geöffnet werden können und eine Nutzung, wenn auch zunächst unter engen Vorgaben, möglich ist."

Viele Spiele im Amateurfußball analysiert

Wasser auf die Mühlen der Verbandsfunktionäre sind die Erkenntnisse, die Prof. Dr. Tim Meyer, Vorsitzender der Medizinischen Kommission des DFB, den Regional- und Landesverbänden präsentierte: Meyer hatte mit Kollegen der Universität des Saarlandes sowie der Universität Basel unter anderem mehr als 750 Partien aus Profiligen und dem Amateurbereich mit mindestens einem SARS-CoV2-verdächtigen Spieler analysiert. In diesem Rahmen wurden Fragebögen und Listen mit Spielabsagen von 20 Fußball-Landesverbänden aufgrund von bestätigten Fällen und Verdachtsfällen auf eine SARS-CoV-2-Infektion geprüft und registriert. Soweit verfügbar, wurden ergänzende Videoanalysen durchgeführt. Ziel war neben der Erfassung infektiöser Spieler in Spiel oder Training eine Einschätzung des Infektionsrisikos der anderen Spieler und Schiedsrichter.

Es zeigte sich, dass fußballspezifische Kontakte auf dem Spielfeld nur ein geringes Infektionsrisiko mit SARS-CoV-2 darstellen. Auch wenn die Möglichkeiten zur Nachverfolgung von Fällen im Amateurbereich, verglichen mit den Profis, eingeschränkt sind, wurden in den betroffenen Mannschaften bis 14 Tage nach dem Spiel keine weiteren Verdachtsfälle festgestellt. Lediglich in einem Fall waren Zweifel an einer Übertragung während des Fußballspielens nicht komplett auszuräumen. Die Videoanalysen ergaben, dass relevante Kontakte auf dem Spielfeld nur selten auftreten und von sehr kurzer Dauer sind. "Zusammengefasst bedeutet dies, dass nach aktuellem Kenntnisstand beim Fußballspielen unter freiem Himmel nur eine äußerst geringe Ansteckungsgefahr besteht", sagt Meyer. "Diese Ergebnisse stehen auch im Einklang mit der umfangreich gesichteten internationalen Literatur, beispielsweise den vor wenigen Tagen veröffentlichten Resultaten aus dem englischen Rugby."

Die Vereine sehnen sich zumindest nach einer Rückkehr auf den Fußballplatz: In einer bundesweiten DFB-Umfrage sagten 98 Prozent der rund 50.000 Befragten, dass sie den Amateurfußball vermissen. Vermisst werde vor allem das Gemeinschaftsgefühl und das aktive Fußballspielen, so die Erkenntnisse der Umfrage. Deshalb wurde die Möglichkeit der Rückkehr ins Mannschaftstrainings auch deutlich mehr priorisiert als die Rückkehr in den Spielbetrieb.

stw / PM / sid