WM

Maurice Deville im kicker-Interview über Katar in der WM-Qualifikation

Saarbrückens Stürmer im Gespräch mit dem kicker

Deville im Interview über Katar in der WM-Quali: "An sich kompletter Unsinn"

Maurice Deville traf mit der Nationalmannschaft Luxemburgs im vergangenen Länderspielfenster unter anderem auf Katar und Irland.

Maurice Deville traf mit der Nationalmannschaft Luxemburgs im vergangenen Länderspielfenster unter anderem auf Katar und Irland. imago images

Maurice Deville, Sie waren in der vergangenen Woche mit der Nationalmannschaft Luxemburgs in der WM-Qualifikation unterwegs. Erst mussten Sie gegen Katar in Ungarn spielen, dann in Irland und schließlich gegen Portugal in Luxemburg. Wie anstrengend sind diese dicht gefüllten Länderspielfenster momentan?

Während der Reisen merkt man die Anstrengungen gar nicht. Unsere Flüge waren sehr gut gelegt. Das ging alles reibungslos. Es war allerdings schon etwas stressiger als sonst, weil wir für das Spiel gegen Katar extra nach Ungarn fliegen mussten.

Mit welchen Gefühlen sind Sie angesichts der Corona-Pandemie gereist?

Bei unserer Nationalmannschaft kommen die Spieler aus vielen verschiedenen Regionen und Ländern. In den ersten Tagen muss man dann ein bisschen aufpassen. Ich habe in diesen Tagen zum Beispiel acht Corona-Tests gemacht. Schon allein für die Anreise muss man die Bescheinigung über ein negatives Testergebnis mitbringen. Es ist nicht immer einfach, aber ich habe mich inzwischen gut darauf eingestellt. Und ich muss auch sagen, dass ich dankbar bin, dass wir unseren Job überhaupt ausüben dürfen.

Lassen Sie uns zum Sportlichen kommen. Das Spiel gegen Katar haben Sie knapp 0:1 verloren.

Wir hätten gewinnen müssen! Am Ende sind wir selbst schuld, wir haben gut gespielt, aber den Ball einfach nicht ins Tor gebracht. Auch wenn die Spiele gegen Katar letztlich nicht für die Tabelle zählen - wir wollen einfach jedes Spiel gewinnen.

Wir müssen durch die halbe Welt reisen, um gegen Katar zu spielen und die Ergebnisse spielen für das Abschneiden in der Gruppe keine Rolle.

Es ist schon kurios, dass Katar nun in der europäischen WM-Qualifikation teilnimmt. Was haben Sie gedacht, als Sie das erste Mal gehört haben, dass der WM-Gastgeber mit Luxemburg in einer Gruppe spielt?

An sich ist es ja kompletter Unsinn, dass uns das aufgedrückt wird. Wir müssen durch die halbe Welt reisen, um gegen Katar zu spielen und die Ergebnisse spielen für das Abschneiden in der Gruppe keine Rolle. Aber die Mannschaft von Katar kann ja nichts dafür. Die Spieler wollen genauso wie wir Fußballspielen und haben mit solchen Entscheidungen nichts zu tun.

Maurice Deville

Für die Nationalmannschaft Luxemburgs lief Maurice Deville bislang 50-mal auf. imago images

Am WM-Gastgeber Katar gibt es viel Kritik.

Ich habe kürzlich eine Dokumentation der Sportschau gesehen, über die Zustände, die auf den Baustellen der WM-Stadien für Bauarbeiter herrschen. Das war schon erschreckend und wirklich schlimm.

Haben Sie und Ihre Teamkollegen überlegt, genau aus diesen Gründen ein Zeichen zu setzen? Vielleicht sogar für diese Spiele gar nicht anzutreten?

Das ist schwierig. Denn wir und auch die Mannschaft von Katar können letztlich wenig dafür. Wir würden eine Verbandsstrafe bekommen. Wie gesagt, die Spieler von Katar wollen ja auch nur Fußballspielen, so wie wir. Wenn wir als luxemburgische Nationalmannschaft sagen würden, dass wir nicht antreten, wäre die Wirkung außerdem gar nicht so groß, glaube ich.

Wie schätzen Sie denn die Mannschaft von Katar ein?

Ich weiß gar nicht, wie aussagekräftig unser Spiel war. Wir sind zumindest nicht in Bestbesetzung angetreten, haben Katar aber trotzdem weitgehend dominiert. Ich glaube, es wird für Katar sehr schwer werden. Wenn sie nicht gerade eine leichte Gruppe bei ihrer WM bekommen, kommen sie nicht weit.

Dem Spiel gegen Katar folgte ein 1:0-Sieg gegen Irland. Wie war es, in Dublin zu gewinnen?

Leider haben wir ja ohne Zuschauer gespielt, aber das Stadion (gespielt wurde im Aviva-Stadium, Anm. d. Red.) war wirklich das imposanteste, in dem ich jemals war. Drei Tribünen sind unglaublich hoch gebaut, der Rasen war typisch britisch, nahezu perfekt. Die Kabine war riesig, es gab einen Aufwärmraum mit Kunstrasen für uns. Und dann erzielen wir kurz nach meiner Einwechslung in der 85. Minute auch noch das 1:0. Es war ein sehr, sehr geiles Gefühl. Und auch ein bisschen unerwartet. Wir wissen, dass wir in den letzten Jahren besser geworden sind. Aber dann solche Siege einzufahren, ist einfach schön.

Ich kenne noch die Zeiten, in denen man dachte: Hoffentlich verlieren wir heute nicht 0:5 oder so.

Gegen Portugal haben Sie geführt, aber am Ende noch 1:3 verloren. Wie ist es denn, mit Cristiano Ronaldo auf dem Feld zu stehen?

Für mich war es ja schon das dritte Mal. Irgendwie bekommen wir Portugal oft zugelost, das kann schon kein Zufall mehr sein (lacht). Wir haben zwar schon mal nur 1:2 verloren, aber diesmal war mindestens ein Unentschieden möglich. Die ersten 35, 40 Minuten haben wir sehr gut gespielt. Balleroberungen, Chancen… Mit Pausenpfiff haben wir dann leider das Gegentor bekommen. Das war ein harter Bruch, das hat man auch in der Kabine gemerkt. Wir haben noch eine sehr junge Mannschaft, da hat dieses blöde Tor richtig wehgetan.

Luxemburg zählt noch immer zu den "Kleinen", doch in den vergangenen Jahren gab es einige Achtungserfolge. Wir schätzen Sie die Entwicklung ein?

Wir haben inzwischen einige sehr starke Spieler. Herausheben muss man zum Beispiel Gerson Rodrigues von Dynamo Kiew, der offensiv den Unterschied ausmachen kann. Leandro Barreiro von Mainz 05 räumt defensiv alles ab. Und Christopher Martins von den Young Boys Bern vergleiche ich immer ein bisschen mit Paul Pogba (lacht). Wenn er nach seiner schweren Verletzung wieder richtig in Tritt gekommen ist, sehe ich ihn bald in der Bundesliga. Man merkt einfach, dass diese Spieler Woche für Woche auf hohem Niveau spielen. Uns tut das gut, inzwischen spielen wir richtig mutig. Ich kenne noch die Zeiten, in denen man dachte: Hoffentlich verlieren wir heute nicht 0:5 oder so. Das hat sich total verändert.

Maurice Deville

Maurice Deville absolvierte für den 1. FC Kaiserslautern und den FSV Frankfurt 17 Zweitliga-Spiele und erzielte vier Tore. imago images

Lassen Sie uns noch auf ihren Verein, den 1. FC Saarbrücken zu sprechen kommen. Es war für Sie in dieser Saison nicht immer ganz leicht, ihr Trainer Lukas Kwasniok erklärte das auch mit ihren Länderspielreisen. Hat sich das verändert, sind Sie inzwischen voll beim FCS angekommen?

Ich war zwei Wochen vor dem Saisonstart weg, in der wichtigsten Phase der Vorbereitung. Ich durfte spielen, habe auch Tore geschossen. Aber immer, wenn ich in Schwung gekommen bin, zum Beispiel nach meinen zwei Treffern gegen Halle oder dem Sieg gegen Dresden, war ich wieder für zwei Wochen raus. Ich hatte nach meinem Wechsel von Mannheim nach Saarbrücken auch etwas Schwierigkeiten, mich an meine neue Rolle zu gewöhnen. Aber jetzt heißt es für mich, nochmal richtig Gas im Saisonfinale zu geben. Ich habe Kraft getankt in der Nationalmannschaft, bin fit und will der Mannschaft helfen.

Sie sind jetzt 28 Jahre alt. Welches Ziel haben Sie in Ihrer Karriere noch?

Ich habe letztes Jahr gesagt, dass ich nochmal Lust hätte, in der 2. Liga zu kicken. Dabei bleibe ich. Das war damals (für den 1. FC Kaiserslautern, Anm. d. Red.) sehr schön. Ob das in Deutschland sein wird oder auch mal im Ausland, das wird sich zeigen. Ich habe ja noch einige Jahre in meiner Karriere vor mir. Ich werde alles dafür geben.

Interview: Frederik Paulus