Drei-Nationen-Turnier

Olympia-Gegner deklassiert: DHB-Team schlägt Brasilien klar

Wiedersehen am 1. August

Olympia-Gegner die Grenzen aufgezeigt: DHB-Team schlägt Brasilien klar

Der gebürtige Mittelfranke drehte bei seinem "Heimspiel" früh auf: Steffen Weinhold.

Der gebürtige Mittelfranke drehte bei seinem "Heimspiel" früh auf: Steffen Weinhold. imago images

Aus Nürnberg berichtet Maximilian Schmidt

Für Alfred Gislason war es am Ende mehr als nur das erste von zwei Vorbereitungsspielen für Olympia in Tokio. Der Bundestrainer erlebte nach 16 Monaten im Amt pandemiebedingt sein erstes Länderspiel vor Zuschauern. Mit bekannter isländischer Gelassenheit sprach er im Vorfeld von einem "ganz neuen Erlebnis". Immerhin 668 Fans wohnten dem Auftakt des Drei-Nationen-Turniers in der Nürnberger Arena am Freitagabend bei.

Sichtlich relaxed hielt Gislason beim Aufwärmen noch ein Pläuschchen mit dem ehemaligen Kieler Kreisläufer Rogerio Moraes Ferreira (jetzt in Veszprem). In der ersten Sieben setzte der 61-Jährige Minuten später auf Andreas Wolff zwischen den Pfosten, zudem gehörten Tobias Reichmann, Steffen Weinhold, Hendrik Pekeler, Johannes Golla (für ihn übernahm Juri Knorr im Angriff), Paul Drux und Uwe Gensheimer zur Anfangsformation. Mit Anpfiff und der schnellen 2:0-Führung der Brasilianer war Gislason aber gleich auf Betriebstemperatur.

Unorthodoxe Deckungsvariante bereitet Probleme

Dass die Südamerikaner auch zu den Gruppengegnern in Tokio gehören, hatte Gislason im Vorfeld als "etwas unglücklich", aber keineswegs als Problem bezeichnet. Zu einem Problem wurde besonders in der Anfangsphase die unorthodoxe, offene 4:2-Deckungsvariante der Brasilianer, die zum Teil gar in eine 3:3-Formation überging. Das DHB-Team fing sich etwas, mit seinem Lieblingswurf - einem Dreher ins rechte untere Eck - stellte Siebenmeter-Experte Marcel Schiller vom Punkt die erste Zwei-Tore-Führung her (6:4, 11.). Drei Tore in Folge von Weinhold sorgten kurz darauf für den 9:5-Zwischenstand, der Brasiliens Nationaltrainer Ricardo Oliveira zu einer Auszeit nötigte.

Bei Wolff wechselten sich im Verlauf des ersten Durchgangs Licht und Schatten ab. Starken Paraden, darunter auch ein gehaltener Siebenmeter, folgten immer wieder unglückliche Aktionen. Dazu streute der Angriff immer mehr technische Fehler ein, sodass die Brasilianer kurz vor der Pause wieder ranschnupperten (13:14, 28.). Wegen eines aus Gäste-Sicht vermeidbaren 3:0-Laufs des DHB-Teams stand es zur Pause 17:13.

Kastening führt sich exzellent ein

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"Es hat sich als richtig erwiesen, so einen Gegner auszuwählen, der ganz anders spielt, als wir das gewohnt sind", sagte DHB-Sportvorstand Axel Kromer nach 30 Minuten: "Sie haben unseren Spielfluss gut gestört. In der Abwehr waren wir zum Teil zu passiv." Der 44-Jährige hatte aber auch "erfrischende Phasen" im deutschen Spiel erkannt. Nach der Pause sorgte dafür direkt der eingewechselte Rechtsaußen Timo Kastening, der mit einem Doppelschlag auf 19:13 erhöhte (32.).

Der zweite deutsche Anzug saß, während es die Brasilianer recht lässig angingen. Auf 23:15 hatte das DHB-Team die Führung ausgebaut, ehe Nationalcoach Oliveira seine zweite Grüne Karte auf den Tisch legte. Ein Effekt stellte sich nicht ein, wenig später führten die Hausherren bereits mit zehn Toren Vorsprung (27:17, 42.). In der Schlussviertelstunde konnte auch Knorr, der in Abwesenheit des angeschlagenen Philipp Weber die alleinige Last auf der Mitte schultern musste, einige Akzente setzen. Johannes Bitter reihte Parade an Parade, wenngleich die Brasilianer auch dankbar warfen.

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Am Ende stand ein hochverdienter, besonders nach dem Wechsel zu keiner Sekunde gefährdeter 36:26-Erfolg gegen Brasilien. Auf die Südamerikaner wartet bereits am Samstag (14.45 Uhr) das Duell mit Ägypten, ehe das DHB-Team dann am Sonntag (15.05 Uhr, LIVE! bei kicker) wohl gegen die Nordafrikaner um den Sieg beim Drei-Nationen-Turnier kämpft. Dann dürften die Trauben deutlich höher hängen. Bei der Heim-WM im vergangenen Januar waren die Ägypter bis ins Viertelfinale vorgestoßen, wo sie dramatisch im Siebenmeterwerfen am späteren Titelträger Dänemark scheiterten.

Schon am kommenden Mittwoch reist der deutsche Tross für die finale Vorbereitungsphase nach Japan, bevor am 24. Juli der Medaillenkampf beginnt - dem erklärten Verbandsziel. Brasilien startet an diesem Tag um 2 Uhr gegen Norwegen, Deutschland trifft um 9.15 Uhr auf den amtierenden Europameister aus Spanien. Das direkte Duell zwischen Deutschland und Brasilien steigt dann am 1. August (12.30 Uhr).

Deutschland - Brasilien 36:26 (17:13)

Deutschland: Kastening (MT Melsungen) 7, Schiller (Frisch Auf Göppingen) 6/1, Golla (SG Flensburg-Handewitt) 4, Drux (Füchse Berlin) 3, Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) 3, Weinhold (THW Kiel) 3, K. Häfner (MT Melsungen) 2, Knorr (Rhein-Neckar Löwen) 2, F. Lemke (MT Melsungen) 2, Reichmann (MT Melsungen) 2, Kohlbacher (Rhein-Neckar Löwen) 1, Pekeler (THW Kiel) 1

Brasilien: Dutra 8/1, Da Silva 3, Langaro 3, Rodrigues 3, Chiuffa 2/1, V. Teixeira 2, Andrade 1, De Toledo 1, Moraes Ferreira 1, Ponciano 1, Torriani 1

Schiedsrichter: Slave Nikolov/Gjorgji Nachevski (beide aus Nordmazedonien)

Strafminuten: 4 / 2

15 Auserwählte: Der deutsche Handball-Kader für Olympia