Handball

Bob Hanning im kicker: Deutschland, das war zu wenig

Die Handball-Kolumne von Füchse-Boss Bob Hanning

Deutschland, das war zu wenig

Kritischer Beobachter der Nationalmannschaft: Bob Hanning (li.) schreibt über das DHB-Team.

Kritischer Beobachter der Nationalmannschaft: Bob Hanning (li.) schreibt über das DHB-Team. imago images (2)

Es gibt viele Gründe für die erste Hauptrundenniederlage. Vorneweg: Es ist kein Beinbruch, gegen Titelverteidiger Spanien zu verlieren. Dennoch muss man sagen, dass das von unserer Mannschaft - die widrigen Umstände mal beiseite geschoben - sportlich deutlich zu wenig war. Eine der besten Mannschaften der Welt war angesichts von so vielen neuen Spielern im DHB-Team und fehlender Trainingseinheiten vermutlich eine zu große Aufgabe. Dennoch fand ich, dass wir gerade im Angriff immer wieder gute Lösungen gefunden haben. Ich gehe sogar so weit, dass ich sage: Wir haben die Spanier in den ersten 15 Minuten entzaubert.

Die anschließende Umstellung der spanischen Abwehr ist uns gar nicht bekommen. Die einfachen Tore aus dem Rückraum haben dann schlicht und einfach gefehlt. Es wäre zu einfach, das nur an der überragenden Leistung von Keeper Gonzalo Perez de Vargas festzumachen. Die technischen Fehler haben wir sehenden Auges gemacht. Alle wussten eigentlich, was gleich passiert. Die Spanier haben sich einen Ball nach dem anderen geklaut. Dazu war unser Angriffsspiel von der 25. bis zur 45. Minute praktisch nicht existent.

Sieger zweifeln nicht, Zweifler siegen nicht

Was erschwerend hinzukommt war, dass wir in der Abwehr keinen Zugriff auf das Spiel der Spanier gefunden haben. Dazu konnten wir uns viel zu wenig über Körperlichkeit und Härte zur Wehr setzen. Wir dürfen ehrlich sagen: Deutschland, das war zu wenig.

Was bedeutet das? Ich sage: Wir haben unser schwächstes Spiel gegen die beste Mannschaft gemacht. Und der Blick auf die Tabelle verrät, dass außer Spanien kein Team mehr Punkte hat als wir. Jetzt kommen die Norweger, die in der Vorrunde ihre Probleme hatten. Superstar Sander Sagosen wirkte überspielt. Gestern haben sie allerdings mit dem 42:31 gegen Polen ein Ausrufezeichen gesetzt, Sagosen (9 Tore/10 Versuche) und der bis dato im Turnier glänzende Linksaußen Sebastian Barthold (10/10) einen echten Warnschuss abgegeben. Da hat Norwegen gezeigt, zu was es fähig ist - Torrekord inklusive.

Doch ich pflege gerne zu sagen: Sieger zweifeln nicht, Zweifler siegen nicht. Nach diesem Motto müssen wir gemeinsam vorangehen. Ich bin überzeugt, dass schon heute manche Mechanismen wieder besser greifen werden als noch gegen die Spanier.

Bob Hanning (53) hat die Füchse Berlin von der 2. Liga bis in die Champions League geführt, den DHB in acht Jahren als Vizepräsident auf links gedreht und jüngst einen Spiegel-Bestseller (Hanning. Macht. Handball.) geschrieben. In seiner neuen Kolumne analysiert er für den kicker die Geschehnisse rund um Nationalmannschaft und Bundesliga.