2. Bundesliga

Deshalb ging Pherai nicht in die Bundesliga

Der HSV-Neuling ist angetan von Walters Detailarbeit und zeigt sich lernwillig

Deshalb ging Pherai nicht in die Bundesliga

Zeigt sich schon in seinen ersten Tagen begeistert von der Arbeit seines Trainers: Immanuel Pherai.

Zeigt sich schon in seinen ersten Tagen begeistert von der Arbeit seines Trainers: Immanuel Pherai. IMAGO/Susanne Hübner

Das 3:2 am Sonntag beim Landesligisten FC Verden hatte nur bedingt Aussagekraft, der Ex-Braunschweiger aber zeigte während seiner Premiere im HSV-Trikot nahezu alles, weswegen die Hanseaten ihn verpflichtet haben: Er lief viel, kam erfolgreich in Abschlusssituationen, hatte aber eben auch riskante Aktionen, die zu Ballverlusten führten.

"Er hat viele intensive Meter auf dem Tacho, seine Bewegungen und seine Lauffreude sind großartig", schwärmt Walter, sagt aber auch: "Das Risiko zu suchen, ist seine große Stärke, er muss aber noch lernen abzuwägen. Das wird der nächste Schritt in seiner Entwicklung."

Walters Detailarbeit überzeugt: "Das kann man wirklich so machen..."

Pherai bestätigt diese Einschätzung seines neuen Chefs. Und sagt, dass er auch deshalb Hamburg und Walter für den nächsten Karriereschritt ausgewählt hat. "Der Trainer hat mich im Urlaub angerufen und mir sehr genau erklärt, was er will und mit mir vor hat. Ich will mich unter ihm offensiv und defensiv entwickeln."

Walters Detailarbeit hat ihn nicht nur am Telefon überzeugt, sie tut es auch jetzt während der ersten gemeinsamen Arbeitstage. "Er sagt im Training immer wieder stopp, nimmt mich raus, erklärt mir kleine Details, die ich selbst gar nicht so bewusst wahrnehme." Dann schmunzelt der in Dortmund ausgebildete Mittelfeldmann und fügt an: "Wenn ich dann in der Aktion danach darauf achte, muss ich sagen: Das kann man eigentlich wirklich so machen…"

Lieber tragende Rolle beim HSV als Nebendarsteller in der Bundesliga

Pherai wähnt sich genau richtig bei Walter und in Hamburg. Er hätte nach einem überzeugenden Jahr in Braunschweig schon in diesem Sommer direkt in die Bundesliga wechseln können, wählte wie im Vorjahr mit dem Transfer von Dortmund II zur Eintracht einen kleinen statt dem großen Schritt. Der Grund: Er sieht den HSV als nächsthöheres Level („Die Intensität ist höher, das ist sofort zu merken“) und will eine tragende Rolle spielen anstatt womöglich im Oberhaus zunächst nur Nebendarsteller zu sein. "Ich will hier spielen und besser werden. Ich habe meinen eigenen Weg, das kann auch mal der schwierigere sein."

Die jüngsten Karriereschritte jedenfalls sieht er auch beim Blick in den Rückspiegel als die richtigen an. "In Braunschweig", sagt Pherai, "bin ich ein kompletterer Spieler geworden." Der Grund: "Wir haben als Aufsteiger viel gegen den Ball gearbeitet, auf Umschaltmomente gesetzt. Als ein Typ, der den Drang nach vorn und die Offensive in sich hat, musste ich das lernen. Das ist super für mich gewesen, hat mir geholfen in meiner Entwicklung."

In dieser soll nun der nächste Step erfolgen statt dem ganz großen Sprung. Damit dieser gelingt, hat er seinem Trainer bereits sehr gut zugehört und die erste Lektion gelernt. Als die Frage aufkommt, wo das größte Entwicklungs-Potenzial bestehe, spricht er fast schon wie Walter: "Die Spielweise ist eine ganz andere als in Braunschweig. Ich muss aufpassen, wann ich ins Risiko gehe und wo ich den Ball auch mal verlieren darf."  Setzt er die eigenen Worte und diese Trainer-Vorgabe um, wird sich in das nächste Lob künftig weniger Tadel mischen.

Sebastian Wolff

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