NFL

Patrick Mahomes und der 500-Millionen-Deal: Die Hintergründe

Warum die Cowboys nun unter Zugzwang geraten

Der Mahomes-Deal: Die Hintergründe, die Gewinner, die Verlierer

Erst Super Bowl, dann Zahltag: Patrick Mahomes hat einen der teuersten Verträge der Sportgeschichte unterschrieben - und die NFL damit wohl nachhaltig verändert.

Erst Super Bowl, dann Zahltag: Patrick Mahomes hat einen der teuersten Verträge der Sportgeschichte unterschrieben - und die NFL damit wohl nachhaltig verändert. getty images

Einen Spieler über zehn Jahre an ein Team zu binden, birgt für NFL-Franchises ein großes Risiko. Das zeigen schon die letzten beiden Fälle, in denen Quarterbacks einen derart langen Vertrag unterschrieben: Die Minnesota Vikings banden ihren damaligen Spielmacher Daunte Culpepper 2003 über zehn Jahre - 2005 verletzte er sich schwer und machte daraufhin kein Spiel mehr für das Team. 2004 gaben die Atlanta Falcons Michael Vick einen Zehnjahresvertrag - 2007 musste er wegen der Verwicklung in illegale Hundekämpfe ins Gefängnis.

Bei dieser Geschichte also kein Wunder, dass es rund 16 Jahre dauerte, bis ein Team wieder zu einem derartigen - Anfang der 2000er nicht unüblichen - Investment bereit war. Die Chiefs setzen viel Vertrauen und viel Geld in ihren Star-Quarterback, der das Team im Februar zum ersten Super-Bowl-Sieg nach 50 Jahren Wartezeit geführt hatte. Dass das Team Mahomes bei der anstehenden Vertragsverlängerung nun zum bestbezahlten Spieler der Ligageschichte machen würde, war erwartet worden. Doch die Art und Weise überraschte - und sie überrascht auch noch zwei Tage nach der Verkündung.

Keine "Prozent-Klausel", sondern "Rolling Guarantees"

So hatten zahlreiche NFL-Experten angesichts der langen Laufzeit damit gerechnet, dass der Vertrag eine Klausel beinhalte, die Mahomes einen gewissen Prozentsatz des Salary Caps garantiert. Hintergrund: Das Salary Cap steigt in der NFL jedes Jahr an, sodass die Verträge immer teurer werden. Unterschreibt ein Spieler langfristig, ist er gegen Ende seines Vertrags - zumindest verhältnismäßig - eher schlecht bezahlt. So war Lions-Quarterback Matthew Stafford bei seiner Unterschrift unter einen Fünfjahresvertrag im Jahr 2017 noch zum bestbezahlten Spieler der NFL-Geschichte aufgestiegen, mittlerweile liegt er nur noch auf Rang 13 und damit im Mittelfeld unter den Quarterbacks.

Für Mahomes wäre eine "Prozent-Klausel" also von Vorteil gewesen, um auch gegen Ende seines langen Vertrags noch zu den Top-Verdienern der Liga zu gehören. Es wäre ein Novum gewesen, das womöglich Schule gemacht hätte. Wäre. Denn Franchise und Spieler haben sich nun offenbar auf ein anderes Modell verständigt. Wie NFL-Insider Tom Pelissero am Dienstag berichtete, bekommt Mahomes stattdessen jedes Jahr einen hohen "Roster Bonus" - einfach dafür, zum Team zu gehören. 2021 beträgt dieser Bonus etwa knapp 22 Millionen, im Jahr 2027 sogar fast 50 Millionen US-Dollar. Insgesamt machen diese sogenannten "Rolling Guarantees" über 337 Millionen des Gesamtvolumens aus - und damit mehr als das Grundgehalt.

So bahnbrechend wie eine mögliche "Prozent-Klausel" ist dieses Modell nicht, es wurde in der Vergangenheit bereits eingesetzt - wenn auch nie über einen derart langen Zeitraum. Nun dürften die "Rolling Guarantees" aber wohl noch prominenter werden - und mit ihr eine Rückkehr der exorbitant langen Vertragslaufzeiten.

Warum Watson profitiert - und die Cowboys unter Druck stehen

Einer der Profiteure des Mahomes-Deals: Texans-Quarterback Deshaun Watson. Der 24-jährige Spielmacher war wie Mahomes im Draft 2017 gezogen worden, hatte wie Mahomes anschließend überzeugt - und hat wie Mahomes bis vor Kurzem einen bis 2022 gültigen Vertrag. Watson ist der Nächste - und seine Verhandlungsposition hat sich durch Mahomes' Mega-Vertrag gestärkt. Als ihn Teamkollege Dylan Cole via Twitter damit konfrontiert, antwortete Watson nur mit einem Kinderbild von sich - mit einem breiten Grinsen auf den Backen. Watson weiß, dass auch er jetzt mächtig abkassieren wird.

Einer der Verlierer des Mahomes-Deals könnten die Verantwortlichen der Dallas Cowboys sein. Denn "America's Team" steckt seit längerem in Vertragsverhandlungen mit seinem Quarterback Dak Prescott - und könnte sich nun verspekuliert haben. Nach Mahomes' Verlängerung kann auch Prescott nun deutlich mehr Geld und vielleicht eine längere Laufzeit verlangen. Die Cowboys, die bereits 2019 gezögert hatten, Prescott zu bezahlen, dürften jetzt in ein Dilemma geraten: Entweder sie statten ihren Spielmacher mit einem aus ihrer Sicht vielleicht zu hoch dotierten Vertrag aus oder Prescott spielt 2020 unter dem Franchise Tag - eine Konstellation, die bei Quarterbacks in der Vergangenheit selten von Vorteil war.

Viel Zeit zur Entscheidung bleibt nicht mehr: Die Frist für eine vorzeitige Verlängerung läuft bereits am 15. Juli ab. Vielleicht sieht die NFL bis dahin also den nächsten Mega-Deal.

mib

Die Topverdiener der NFL: viele Quarterbacks, zwei Defensive Ends