Handball

Der THW will Gislason

Kiel: Nach Trennung von Serdarusic

Der THW will Gislason

Uwe Schwenker und Noka Serdarusic

Eine "Ehe" geht zu Ende: THW-Manager Uwe Schwenker (li.) und Ex-Coach Noka Serdarusic. imago

Serdarusic, dessen Vertrag beim THW noch bis zum Ende der kommenden Saison lief, leitete seit 1993 die Geschicke bei den Kielern und führte die "Zebras" zu elf deutschen Meisterschaften, fünf Siegen im DHB-Pokal, drei Erfolgen im EHF-Cup und einem Triumph in der Champions League. Jetzt wurde ihm der Stuhl vor die Tür gesetzt. "Das ist sehr bedauerlich", kommentierte THW-Kapitän Stefan Lövgren die Trennung. "Ich hatte nie zuvor mit einem solchen Fachmann wie Noka zusammengearbeitet."

Das Verhältnis zwischen dem Trainer und Manager Uwe Schwenker soll schon seit längerer Zeit zerrüttet gewesen sein. Die Gründe reichen tief in den privaten Bereich. "Die beiden waren wie ein altes Ehepaar", sagte THW-Gesellschafter Georg Wegner. "Wenn die Partner aber nicht mehr miteinander reden, bleibt nur die Scheidung." Zuletzt sollen Schwenker und Serdarusic kein Wort mehr miteinander gewechselt haben. Das Kriegsbeil wollten beide offenbar nicht mehr begraben. Schwenker, seit 15 Jahren der Weggefährte von Serdarusic, konnte sich nicht mal zu einem Dank durchringen. Das überließ er Dr. Georg Wegner, einem der fünf Gesellschafter des Vereins.

Einstimmige Entscheidung

Die Entscheidung im Kreis der Gesellschafter und acht Beiratsmitglieder sei einstimmig gegen den Trainer gefallen, verkündete Wegner. "Wir sind beschädigt. Es ist uns leider nicht gelungen, das Problem zu lösen", gestand der Kieler Rechtsanwalt. Warum man einen Trainer entlässt, der seine Mannschaft in 15 Jahren zu 25 Titeln geführt hat, lässt sich kaum plausibel vermitteln. Der THW unternahm deshalb auch gar nicht erst den Versuch. Der Vertrag des 57-Jährigen lief eigentlich noch bis Ende Juni 2009.

Die Mannschaft ist schockiert

Spekulationen um einen Abschied hatte Serdarusic nach dem verlorenen Champions-League-Finale gegen den spanischen Meister Ciudad Real selbst ausgelöst, als er die kommende Spielzeit als seine letzte in Kiel bezeichnete. Später widerrief er dies und meinte: "Aus meiner jetzigen Sicht behaupte ich, noch genügend Feuer zu besitzen, um mit dieser Mannschaft 15 weitere Jahre erfolgreich zu arbeiten." Jetzt lodert nichts mehr.

"Ich liebe meine Mannschaft und die Vorstellung, mit ihr nicht mehr arbeiten zu können, bricht mir das Herz", hatte Serdarusic vor kurzem erklärt. Wie das Starensemble von der Förde mit der neuen Situation umgeht, ist völlig unklar. Die Mannschaft ist zum größten Teil schockiert. Weltstar Nikola Karabatic begründete seine Vertragsverlängerung im letzten Jahr bis 2012 mit dem Trainer: "Er ist der beste, den es gibt." Kreisläufer Markus Ahlm, dem ein Angebot der Rhein-Neckar Löwen vorliegt, sagte: "Noka ist ein großartiger Trainer". Die Entscheidung über seine Zukunft werde er von der Qualität des Nachfolgers abhängig machen.

Geht Gislason, kommt Hasanefendic?

Alfred Gislason

Der richtige Mann für den THW? Alfred Gislason, bislang VfL Gummersbach. imago

Favorit auf den Posten ist nach einer Meldung des "Kölner Express" Alfred Gislason vom VfL Gummersbach. Angeblich haben die Norddeutschen dem finanziell klammen Altmeister 750.000 Euro Ablöse geboten. Gespräche laufen, der Isländer ist in Gummersbach noch bis 2010 gebunden. VfL-Geschäftsführer Stefan Hecker bestätigte das Interesse aus Kiel. Da Gislason noch im Urlaub ist, wollte er die Meldungen jedoch nicht weiter kommentieren. "Alfred hat bis 2010 bei uns einen Vertrag, den ich mit ihm abgeschlossen habe. Mehr sage ich momentan dazu nicht." Der "Kölner Stadtanzeiger" brachte am Freitag einen neuen und doch gut bekannten Namen ins Spiel. So soll sich die VfL-Klubführung bereits mit Sead Hasanefendic auf ein Engagement zur neuen Saison geeinigt haben. Der 58-jährige gebürtige Bosnier mit kroatischem Pass ist bis Olympia noch tunesischer Nationalcoach. Hasanefendic arbeitete bereits von 2002 bis 2004 beim VfL. In Kiel waren am Donnerstag zunächst noch der ehemalige THW-Spieler Staffan Olsson, derzeit Coach beim schwedischen Meister Hammarby IF, sowie Ola Lindgren vom Ligarivalen HSG Nordhorn gehandelt werden. "Wir hoffen, in Kürze einen Nachfolger präsentieren zu können", sagte Schwenker, der Gislason als "charismatischen Trainer" bezeichnete. Wie auch immer der Neue heißt, er steht in Kiel vor einem schier erdrückenden Erbe.