Champions League

Sheriff Tiraspol startet ins Abenteuer Champions League

Eine kuriose Firma steckt hinter dem Klub aus Moldau

Der Stern des Ostens: Sheriff Tiraspol startet ins Abenteuer Champions League

Auftritt auf der großen Bühne: Trainer Jurij Vernydub konnte sich mit Sheriff Tiraspol erstmals für die Champions League qualifizieren.

Auftritt auf der großen Bühne: Trainer Jurij Vernydub konnte sich mit Sheriff Tiraspol erstmals für die Champions League qualifizieren. imago images/Pixsell

Damit hatte Dirk Kuijt wohl nicht gerechnet. Der frühere Liverpool-Stürmer ist heute TV-Experte und meinte rund um die Play-offs im niederländischen Fernsehen: "Die Champions League ist ein Turnier für Champions. Da haben Vereine wie Sheriff Tiraspol nichts verloren." Direkt danach brauste erst ein kleiner Shitstorm der offenbar gar nicht so wenigen Sheriff-Fans über Kuijt herein, davor hatte schon Dinamo Zagreb beim 3:0 im Play-off-Hinspiel Saures auf dem Platz bekommen.

Die Republik Moldau ist das Land mit dem geringsten Bruttosozialprodukt in Europa, die Armutsquote ist hoch, dafür belegte man lange Zeit einen der vorderen Plätze in diversen Korruptionsranglisten. Umso erstaunlicher, dass es nun erstmals ein Klub aus dem kleinen Land in die Gruppenphase der Champions League schaffte. Aber das stimmt nur auf dem Papier, die Realität ist komplizierter: Tiraspol liegt in Transnistrien, einem Gebiet mit rund 500 000 Einwohnern im Osten Moldaus an der Grenze zur Ukraine. Die Region hat sich 1990 für unabhängig erklärt, was aber im Ausland nicht anerkannt wird, sie verfügt über eine eigene Währung und eigene Behörden.

Sheriff ist mehr als ein Fußballverein

Aber nichts ist größer und bekannter in Transnistrien als Sheriff. Der Name klingt bereits danach, und wirklich wurde die Firma 1993 von ehemaligen Mitgliedern einer Spezialeinheit aus der Sowjetunion gegründet. Aus dem Security-Unternehmen wurde ein Mischkonzern, heute gehören zu dem Imperium unter anderem Tankstellen, eine Bank, ein TV-Sender, eine Baugesellschaft, eine Supermarktkette, eine Mercedes-Niederlassung, ein Mobilfunknetz, zwei Brotfabriken - und der FC Sheriff. Der Arm der Firma reicht auch weit in die regionale Regierung. Die Partei "Erneuerung" verfügt über 29 der 33 Sitze im Parlament von Transnistrien und ist de facto der politische Flügel von Sheriff.

Chef und Gönner des Vereins ist Viktor Gushan, einst einer der Gründer von Sheriff. Er stellte dem Klub ein schmuckes, 14.000 Zuschauer fassendes Stadion hin, dazu ein topmodernes Trainingszentrum auf 64 Hektar Fläche, das in puncto Ausstattung in ganz Osteuropa seinesgleichen sucht. Der 1996 gegründete Klub, der in den ersten Monaten noch als Tiras Tiraspol firmierte, gewann in den 25 Jahren seines Bestehens 19 Meisterschaften und holte zehn nationale Pokale. Immerhin viermal schaffte es der FC Sheriff in die Gruppenphase der Europa League, zuletzt in der Saison 2017/18. Die Königsklasse ist nun freilich die Krönung und sorgt für noch mehr Einnahmen für den daheim ohnehin längst konkurrenzlosen Verein.

Zum Auftakt gibt es ein osteuropäisches Duell

"Wir wollen uns endlich mit den Besten messen", sagte Mittelfeldmann Sebastien Thill nach dem Marsch durch die Qualifikation mit sechs Siegen in acht Spielen, unter anderem gegen Roter Stern Belgrad sowie zuletzt Zagreb. Thill stammt aus Luxemburg und kommt damit wie fast das komplette Team von außerhalb. Da hilft auch die bestens ausgestattete Akademie des Vereins offenbar wenig. Beim 0:0 im Rückspiel gegen Dinamo standen für Sheriff elf im Ausland geborene Profis auf dem Platz, aber ständige Wechsel gehören in Tiraspol längst zur Tradition. Fast das komplette Team ist erst seit diesem Jahr im Verein, viele Spieler kamen im Winter, einige wie der mazedonische Nationalspieler Boban Nikolov und der Brasilianer Bruno Felipe noch kurz vor Transferschluss im Sommer.

Trainiert werden sie vom Ukrainer Jurij Vernydub, der in den 1990ern für Chemnitz in der 2. Liga spielte. Alle im Verein brennen auf die Reise durch Europa, die am kommenden Mittwoch (18.45 Uhr, LIVE! bei kicker) im Heimspiel gegen Schachtar Donezk beginnt.

Miron Goihman

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