2. Bundesliga

Der Sieg für Mutzel und die Folgen für den HSV

Vor Gericht wird deutlich, dass zwischen den Bossen nichts geht

Der Sieg für Mutzel und die Folgen für den HSV

Michael Mutzel hat vor Gericht gegen den HSV gewonnen.

Michael Mutzel hat vor Gericht gegen den HSV gewonnen. picture alliance / foto2press

Gleichzeitig wurde vor dem Gericht in Barmbek deutlich, wie zerrüttet das Verhältnis zwischen Boldt und seinem Vorstandskollegen Dr. Thomas Wüstefeld ist.

Mutzels Degradierung im Mai sowie die anschließende Freistellung waren im weitesten Sinne ein Alleingang des Sportvorstandes, Wüstefeld und auch Aufsichtsratsboss Marcell Jansen hatten sowohl die Entscheidung als auch das Vorgehen mitsamt einer öffentlichen Abrechnung missmutig zur Kenntnis genommen, öffentlich aber keine Stellung bezogen. Die von Boldt angeführten Gründe, sein Sportdirektor, den er vor Gericht konsequent "Herr Mutzel" nannte, sei "übergelaufen" zu Wüstefeld, habe seinen Outlook-Kalender nicht mit ihm teilen wollen und habe eine Transfer-Empfehlung an den Vorstandskollegen weitergegeben, zeigt vor allem, wie groß das Misstrauen auf Vorstandsebene ist.

Dass Mutzel vors Arbeitsgericht zog und auf eine Fortsetzung seiner Beschäftigung klagte anstatt bei den vorausgegangenen Abfindungsverhandlungen einzulenken, hat keineswegs nur monetäre Aspekte: Es ging und geht dem 42-jährigen Ex-Profi auch darum, seine öffentliche Reputation wiederherzustellen und die gegen ihn erhobenen Vorwürfe nicht im Raum stehen zu lassen.

Unter diesem Gesichtspunkt war der Dienstag ein Sieg für Mutzel. "Weder die Beurlaubung noch die Freistellung war nach Auffassung der entscheidenden Kammer wirksam", heißt es in der öffentlichen Erklärung des Arbeitsgerichts. "Letztlich sah die Kammer auch keine hinreichenden Anhaltspunkte für ein nachhaltig gestörtes Vertrauensverhältnis zwischen den Parteien, weil allein interne Abstimmungsschwierigkeiten und die Verweigerung der Teilung des Outlook-Kalenders hierfür nicht genügen."

Der HSV hat die Möglichkeit zur Berufung vor dem Landesarbeitsgericht Hamburg, aber was bedeutet dieses erste Urteil für Boldt? Schon vor Wochen hatte der kicker berichtet, dass es zwischen dem Ex-Leverkusener und Wüstefeld kein Miteinander gibt, vor Gericht ist dies nun auch öffentlich geworden. Die zur Sprache gekommenen Details sind eine indirekte Aufforderung an den Aufsichtsratsboss, zu handeln: Jansen hatte vor einigen Wochen zwar via Vereinshomepage angekündigt, den bis kommenden Sommer gültigen Boldt-Vertrag verlängern zu wollen, die Gespräche seitdem aber nicht intensiviert. Wüstefelds Vorstandsmandat endet bereits zum Jahreswechsel, ohne Verlängerung kehrt er in den Aufsichtsrat zurück. Klar ist: Ein weiter so bis Ende Dezember in dieser Konstellation kann sich Jansen nicht leisten. Spätestens seit dem Dienstagvormittag vor Gericht ist offensichtlich, dass sich die Probleme zwischen den Bossen nicht aussitzen lassen.

Sebastian Wolff