Bundesliga

Der Rückzieher der "ehrlichen Haut" Junuzovic

Bremen: Profi reagiert auf DFB-Ermittlungen mit bizarrem Interview

Der Rückzieher der "ehrlichen Haut" Junuzovic

Eine Menge Gesprächsbedarf: Zlatko Junuzovic im Spiel gegen Hannover.

Eine Menge Gesprächsbedarf: Zlatko Junuzovic im Spiel gegen Hannover. imago

Es ist schon ein bizarres Frage- und Antwortspiel, das die vereinseigenen Öffentlichkeitsarbeiter mit dem Nationalspieler auf dieser Plattform veranstaltet haben. Junuzovic bestätigt, dass ihn der DFB zu einer Stellungnahme zu dem bundesweit diskutierten Vorfall aufgefordert hat, die er bis zum Dienstag anzufertigen habe. Das Interview dürfte ein Vorgriff auf die Verteidigungsstrategie sein, mit der der Klub und der Mittelfeldspieler ein Verfahren vor dem Sportgericht verhindern wollen.

Junuzovic zeigt sich erstaunt, welche Tragweite seine Ausführungen erfahren hätten. Er spricht von einer "emotionalen Situation" direkt nach dem Schlusspfiff und bezeichnet seine Aussagen als "dumm". Es sei nie seine Absicht gewesen, in irgendeiner Form "gegen Regeln zu verstoßen oder sich unsportliche zu verhalten".

Spielersteckbrief Junuzovic
Junuzovic

Junuzovic Zlatko

Bundesliga - 25. Spieltag
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Werder Bremen - Vereinsdaten
Werder Bremen

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Der Spieler behauptet in dem Interview, dass er falsch verstanden worden sei. In einem TV-Interview nach dem Abpfiff hatte der 28-Jährige sowohl Absicht als auch Absprache der eingehandelten Gelb-Sperre zugegeben, was die DFB-Richter als Unsportlichkeit werten könnten: "So ehrlich muss man sein. Wir haben im Vorfeld gesagt, dass ich das eventuell auch machen soll." Oder in der knappen Form: "Es war abgesprochen, das gebe ich zu."

So ehrlich muss man sein. Wir haben im Vorfeld gesagt, dass ich das eventuell auch machen soll.

Zlatko Junuzovic

Sätze, die für Wirbel sorgten. Sätze, die eine Debatte anregten über Ehrlichkeit, Fairness und Offenheit im Profifußball, die sich anscheinend nicht auszahle. Als gleich fünf Darmstädter Spieler unlängst offensichtlich diesen "Gelb-Trick" angewandt hatten, doch wie am Wochenende auch Junuzovic-Kollege Clemens Fritz, ebenfalls gesperrt nach der zehnten Verwarnung, dies nicht zugaben, erfolgte keine Reaktion seitens des Verbands. Keine Ermittlungen und in der öffentlichen Diskussion eher eine Würdigung dieser cleveren, geschickten und professionellen Verhaltensweise der Hessen.

Anders nun im Fall der "ehrlichen Haut" Junuzovic, dem ein Verfahren und somit eine Verlängerung der Sperre droht. Nur so ist der allzu offensichtliche Versuch des Nord-Klubs zu interpretieren, die zu befürchtende Strafe mit der Strategie abzuwenden, wie sie das "Gefälligkeitsinterview" andeutet. Motto: Da Ehrlichkeit als Dummheit ausgelegt wird, darf man schon mal zu einem Mittel greifen, das wie eine Notlüge anmutet.

Ablenkungsmanöver: Absprache ja, aber nicht mit den Verantwortlichen

Der so geläuterte Junuzovic wörtlich in einer der skurrilen Passagen des besagten Interviews: "Ich war einfach nur froh, dass ich endlich nicht mehr diese Last mit den vier gelben Karten mit mir herumtragen muss. Das hat mich in den letzten Wochen schon gehemmt, darüber habe ich mit ein paar Teamkollegen gesprochen. Nicht mehr und nicht weniger. Das war die sogenannte Absprache, von der ich geredet hatte. Es war nicht vorher besprochen, dass ich gegen den FC Bayern fehlen soll. Es waren weder die Trainer, irgendein Betreuer noch Thomas Eichin irgendwie eingeweiht."

Bevor der Interviewer seine Hoffnung ausdrückt, dass sich alles in Wohlgefallen auflöst und "Sladdi" nicht zusätzlich sanktioniert werde, spricht dieser noch diese Drohung aus: "Wenn das jetzt juristisch auf die Goldwaage gelegt wird, werde ich künftig keine Interviews direkt nach dem Spiel geben und die Emotionen erst mal verziehen lassen."

Hans-Günter Klemm

Bilder zur Partie Werder Bremen - Hannover 96