Bundesliga

Der Kohfeldt-Effekt: "Er war sofort in unserem Kopf"

So erklären Wolfsburgs Profis die Auswirkungen des Trainerwechsels

Der Kohfeldt-Effekt: "Er war sofort in unserem Kopf"

Perfekter Start in Leverkusen: Florian Kohfeldt gewinnt mit den Wölfen bei Bayer 04.

Perfekter Start in Leverkusen: Florian Kohfeldt gewinnt mit den Wölfen bei Bayer 04. imago images/Team 2

Die schlagartige Wolfsburger Erleichterung brach sich im ausgelassenen Torjubel von Maximilian Arnold am augenfälligsten Bahn. Mit dem Treffer zum 2:0 in Leverkusen besiegelte der Mittelfeldlenker faktisch den ersten VfL-Erfolg nach zuletzt acht Pflichtspielen ohne Sieg. "Ein unglaublich gutes Gefühl", bestätigte Josuha Guilavogui nach Abpfiff. Und der perfekte Einstand für den neuen Trainer Florian Kohfeldt. Der eine oder andere Wolfsburger hatte in den Katakomben der BayArena dennoch mit einem emotionalen Mix zu kämpfen. Auch das wurde am Beispiel Arnold am deutlichsten. Der 27-Jährige war tunlichst darauf bedacht, keine Worte in den Mund zu nehmen, die als Nachtreten gegen Kohfeldts Vorgänger Mark van Bommel interpretiert werden könnten. Also formulierte Arnold: "Es ist nie schön, wenn man mitverantwortlich ist, dass der Trainer rausgeschmissen wird." Und: "Jetzt sagt jeder, es hängt mit dem Trainerwechsel zusammen. Ich würde es nicht ganz so einfach machen. Man weiß nie, wie es gelaufen wäre, wenn er (van Bommel, Anmerkung der Redaktion) noch Trainer gewesen wäre." Dass ein Coach nach so kurzer Amtszeit schon wieder gehen müsse, bezeichnete Arnold vor der ZDF-Kamera gar als "krankhaft", was ihm prompt einen sanften Rüffel von Sportdirektor Marcel Schäfer einbrachte: "Maxi ist gut beraten, sich auf seine Aufgaben zu konzentrieren. Das hat er heute sehr gut gemacht…"

Der Umkehrschluss liegt auf der Hand: Van Bommels Ideen blockierten das Team

Dass Arnold die Klubführung tatsächlich für den schnellen Trainerwechsel kritisieren wollte, lässt sich im Kontext seiner sonstigen Aussagen vom Samstag freilich ausschließen. Vielmehr war es ihm wohl ein Anliegen, seine Nachdenklichkeit über die generellen Gepflogenheiten der Branche auszudrücken. Zugleich ging gerade aus den Worten des VfL-Rekordspielers nämlich sehr wohl hervor, was die Verantwortlichen bewogen haben musste, überraschend früh die Reißleine zu ziehen. Kohfeldt, bemerkte Arnold, habe "einen wichtigen Impuls geleistet". Konkret: "Er hat die Intensität gegen den Ball reingebracht, die uns letztes Jahr ausgezeichnet hat." Diese Eigenschaft, so Arnold weiter, müsse ein Trainer "ansagen, einfordern, auch lautstark einfordern. Dann wird sie auf die Mannschaft und jeden Einzelnen übertragen. Es ist eine Änderung in der Philosophie, das hat man ja gesehen." Der Umkehrschluss liegt auf der Hand: Wenn ein neuer Coach die genannten Tugenden - "unsere DNA", so Guilavogui - quasi im Handumdrehen wieder etablieren kann, dann bedeutet das: Van Bommel muss das Team mit seinen inhaltlichen Ideen regelrecht blockiert haben. Kohfeldt sei "sofort in unserem Kopf" gewesen, "es war ein Kopfproblem vorher", ergänzt Guilavogui, der zwischen den Zeilen auf ein weiteres mögliches Manko des Vorgängers hinweist: "Kohfeldt kennt die Bundesliga. Er weiß genau, wie er spielen will."

"Er will eine emotionale Mannschaft, und so ist er auch selbst"

Eine weitere Bestätigung lieferte Stürmer Lukas Nmecha: "Die Trainer sind schon sehr unterschiedlich. Bei Florian Kohfeldt ging es jetzt sehr viel um Intensität. Die bringt auch er selbst mit in seinen Besprechungen, und das brauchten wir. Er möchte eine emotionale Mannschaft haben, und so ist er auch selbst. Es ist ein gutes Gefühl auf dem Platz." Und: "Man fragt sich, warum es vorher nicht so war." Darauf weiß, zumindest offiziell, auch Schäfer keine Antwort. Er hält lediglich fest: "Wir reden über Dinge, die die Mannschaft über einen sehr langen Zeitraum ausgezeichnet hat und die man jederzeit beeinflussen kann: Körpersprache, Intensität, die Bereitschaft, an Grenzen zu gehen. Wenn wir diese Tugenden dann über einen längeren Zeitraum verlieren, führt das dazu, dass wir in der sportlichen Führung die Situation analysieren. Wozu das geführt hat, hat man gesehen. Und Entscheidungen treffen wir immer aus völliger Überzeugung. In die eine wie in die andere Richtung."

Eine doppelte Bestätigung für Schmadtke und Schäfer

Die schnelle Rückverwandlung ihres Teams beim Auftritt in Leverkusen dürfen Schäfer und Geschäftsführer Jörg Schmadtke daher in zweifacher Hinsicht als Bestätigung verbuchen. Zum einen dafür, dass sie mit der Entscheidung für van Bommel im vergangenen Sommer einer kapitalen Fehleinschätzung unterlegen sind, die von außen betrachtet unerklärlich bleibt. Zum anderen jedoch auch dafür, dass sie mit der konsequenten Korrektur richtig lagen. Über das langfristige Wirken Kohfeldts sagt das noch nicht unbedingt etwas aus. Der Fußballlehrer selbst ist abgeklärt genug, um festzuhalten: "Im ersten Spiel ist auch immer ein kleiner Sondereffekt dabei, den ich nicht weglügen will. Der Anspruch an uns muss sein, dass das verstetigt wird. Ich möchte ungern jetzt Euphorie verbreiten." Gleichwohl sind die Voraussetzungen gut, dass es sich bei Kohfeldts Premiere in Wolfsburg um den Anfang einer Erfolgsgeschichte handelt. Sowohl psychologisch als auch taktisch mit der Umstellung auf Dreierkette verhalf der Fußballlehrer seinen außer Tritt geratenen Profis auf Anhieb zu Sicherheit und Stabilität. Geht dies in den kommenden Partien gegen Salzburg und Augsburg mit weiteren Erfolgserlebnissen einher, können sich Glaubwürdigkeit und Autorität des Coaches innerhalb der Mannschaft ganz schnell verfestigen. Dass Kohfeldt auch für einen funktionierenden Offensivplan steht, hat er zu Bremer Zeiten über einen längeren Zeitraum hinreichend bewiesen. Und mehr als die genannten Zutaten dürfte es angesichts der Wolfsburger Kaderqualität zu einem erfolgreichen Abschneiden kaum brauchen.

Thiemo Müller