2. Bundesliga

Nordderby zeigte dem HSV, was fehlt und was er bieten kann

Die Erkenntnisse des Nordderbys

Der HSV zeigte gegen Werder, was noch fehlt - aber auch, was er zu bieten hat

Faride Alidou ist einer von vielen jungen Akteuren beim HSV.

Faride Alidou ist einer von vielen jungen Akteuren beim HSV. imago images/KBS-Picture

Das Motto dieser Spielzeit lautet beim HSV "Entwicklung", nicht wie zuvor ultimativ "Aufstieg um jeden Preis". Und das Nordderby gegen Werder Bremen gibt Anhaltspunkte, dass sich die Hamburger womöglich genau auf dieses Szenario einrichten sollten: Fortschritte in Vergleich zu den Vorjahren sind hinsichtlich einer klar erkennbaren Spielidee und einer sichtbaren Widerstandsfähigkeit unverkennbar - fehlende Reife, die mit dem Jugendstil erklärbar ist, aber ebenso. Das wurde beim 2:3, der ersten Heimniederlage in dieser Saison, sichtbar. Und könnte am Ende auch abermals im Aufstiegskampf entscheidend sein.

HSV vor richtungsweisender Woche

Wenn Tim Walter in seiner Analyse von "Stolz auf die Jungs" spricht, ist das weniger weit hergeholt als seine Schiedsrichter-Schelte. Der HSV ist am Sonntag trotz eines harten Elfmeterpfiffs vor dem frühen ersten Gegentreffer nicht an Daniel Siebert gescheitert, sondern im ersten Durchgang an sich selbst. Weil die Zahl der Fehler zu hoch war und einzig Torwart Daniel Heuer Fernandes verhinderte, dass der Pausen - Rückstand nicht uneinholbar war. Dass seine Mannschaft wie eine Woche zuvor schon in Sandhausen einen ersten Durchgang geradezu hergibt, muss Gegenstand der Aufarbeitung sein in einer Woche, in der viel auf dem Spiel steht: Mittwoch geht es gegen Karlsruhe um die großartige Chance auf das Pokal-Halbfinale, am Samstagabend beim wiedererstarkten Verfolger Nürnberg darum, ein Überholmanöver abzuwenden und im Dunstkreis der Aufstiegsanwärter zu bleiben.

Unsere Art und Weise wird sich auszahlen. Wenn wir so weitermachen, dann werden wir uns am Ende auch belohnen.

Tim Walter

Dass seine Spieler womöglich an fehlender Hingabe scheitern könnten, scheint ausgeschlossen bei diesem HSV im Frühjahr 2022 - und das ist neben der Verjüngung und der erkennbaren Spielidee der ganz entscheidende Fortschritt. "Diese Mannschaft hört mit ihrem jugendlichen Eifer einfach nie auf", sagt Walter und schwärmt in dieser Hinsicht zu Recht von seinen Profis. Sie ergaben sich 45 Minuten lang deutlich überlegenen Bremern nicht, weisen seit Monaten schon nach, dass sie fähig und willens sind, sich gegen Widerstände aufzulehnen. Im Kreis nach der Partie, verrät der Coach, habe er deshalb gesagt: "Unsere Art und Weise wird sich auszahlen. Wenn wir so weitermachen, dann werden wir uns am Ende auch belohnen."

Ob dieser Lohn am Ende die trotz veränderter Ausrichtung natürlich dennoch ersehnte Bundesliga-Rückkehr sein wird, bleibt angesichts fehlender Reife fraglich. Spürbar war indes auch nach dem bitteren Moment der Derby-Niederlage, dass die Anhänger den Weg und die Leidenschaft honorieren. Das hinbekommen zu haben, ist in Hamburg durchaus ein bedeutungsvoller Entwicklungsschritt. 

Sebastian Wolff