Relegation

Hamburg vor der Relegation: "Der HSV steht wieder für etwas"

Walter und sein Team reiten auf einer Euphoriewelle Richtung Berlin

"Der HSV steht wieder für etwas"

Der HSV nach dem Sieg in Rostock: Tim Walters Team steht zusammen.

Der HSV nach dem Sieg in Rostock: Tim Walters Team steht zusammen. imago images

Während Hertha BSC vor der Relegation ein Kurz-Trainingslager bezogen hat, trainiert der HSV wie üblich im Volkspark und wird einen Tag vor dem Spiel in die Hauptstadt aufbrechen. Anders wird nur der Rahmen sein: Womöglich zehntausende Hamburger werden den Zweitligisten begleiten.

Die 7500 Gästekarten waren in wenigen Minuten vergriffen. Außerdem gibt es Hinweise, dass sich HSV-Anhänger, sozusagen nach Frankfurter Vorbild, am Heimkontingent bedient haben. Der  Trainer verfolgt die Euphoriewelle, die er und sein Team in der Hansestadt erstmals seit vielen Jahren ausgelöst haben, natürlich hocherfreut. "Es ist zu spüren, dass wir eine Identität erzeugt haben", sagt Walter, "es macht großen Spaß, diese Unterstützung zu spüren." Er schließt daraus: "Der HSV steht wieder für etwas."

Unter dem 46-jährigen gebürtigen Badener steht der HSV vor allem für Mut, bedingungslose Bereitschaft und Nehmerqualitäten. Er ist in dieser Spielzeit bislang immer einmal öfter aufgestanden als hingefallen und hat mit dieser Mentalität den Glauben in eine Stadt zurückgebracht, die sich bereits mit Fatalismus daran gewöhnt hatte, dass ganz am Ende ohnehin wieder etwas im Weg stehen wird. Im Zweifel der HSV sich selbst.

Wir können etwas Großartiges schaffen, was für die Stadt und unseren Verein unfassbar wäre.

Sebastian Schonlau

Mit der eigentlich in Hamburg gebuchten Hypothek, eine glänzende Ausgangslage verspielt zu haben, geht nun aber der Favorit aus dem Oberhaus in dieses Duell, während sich der HSV aus einer schier aussichtslosen Lage befreit hat. Kapitän Sebastian Schonlau sieht darin einen großen Vorteil. "Wir haben fünf Mal in Folge gewonnen und sind obenauf, bei Hertha ist es wahrscheinlich das komplette Gegenteil. Wir können etwas Großartiges schaffen, was für die Stadt und unseren Verein unfassbar wäre." Dass diese schon jetzt wieder bebt, hat auch Sportvorstand Jonas Boldt registriert: "Die Euphorie ist definitiv da, das merkt man überall. Es ist schön, dass es uns gelungen ist, wieder viele Menschen mitzunehmen."

"Große individuelle Qualität": Walter warnt

Die wieder entfachte Leidenschaft der Hamburger für das jahrelange Sorgenkind der Stadt soll die Mannschaft nun auch über die letzte Hürde Hertha tragen. "Berlin hat eine große individuelle Qualität", sagt Walter, "aber wir haben das Momentum auf unserer Seite, haben eine unglaubliche Bereitschaft und geben einfach niemals auf. Diese Aspekte und die grandiose Unterstützung können eine große Rolle spielen."

Walters grundsätzliche Herangehensweise, immer nur von Spiel zu Spiel zu denken, ändert sich auch nicht durch die Tatsache, dass nun zwei Partien entscheiden. "Wir gehen wie immer jedes Spiel separat an. Natürlich bietet das zweite Spiel die Chance, Dinge zu regulieren oder anzupassen. Aber unsere Grundsätze bleiben: Wir wollen jedes Spiel gewinnen, mit Mut und Bereitschaft reingehen. Dafür steht der neue HSV."

Sebastian Wolff