2. Bundesliga

Hamburger SV scheitert schon wieder an sich selbst

Thioune vermisst beim 1:2 gegen Darmstadt Mentalität und Konsequenz

Der HSV scheitert schon wieder an sich selbst

Hamburgs Trainer Daniel Thioune muss sein Team wieder in die Spur bringen.

Hamburgs Trainer Daniel Thioune muss sein Team wieder in die Spur bringen. imago images

Im Mittelpunkt der Diskussionen stand in der Nachbetrachtung der Partie gegen Darmstadt 98 vor allem ein nicht gegebener Elfmeter, dabei lieferte nicht nur das völlig desillusionierende 1:2 genug Anhaltspunkte für eine grundsätzliche und notwendige Aufarbeitung. Denn in Wahrheit krankt der HSV, so sehr die Protagonisten auch versuchen, die Vergangenheit wegzureden, bereits seit Anfang Februar an altbekannten Symptomen: Von den zurückliegenden neun Partien wurden mickrige zwei gewonnen, das Ende des kurzen Zwischenhochs wurde bereits beim 3:3 nach 3:0-Führung gegen schwache Hannoveraner eingeleitet und am Freitagabend besiegelt. Wie ein Aufsteiger präsentiert sich der HSV in der entscheidenden Saisonphase zum dritten Mal in Folge nicht.

Thioune und seine Spieler treffen zu viele falsche Entscheidungen

Im jüngsten rund 96-minütigen Bewerbungsvideo für ein weiteres Jahr im Unterhaus war nahezu alles dabei, was es an Zutaten für ein neuerliches Scheitern braucht: Klaus Gjasula, der früh am Rande der Ampelkarte wandelte und diese bei konsequenter Regelauslegung des schwachen Schiedsrichters Dr. Robert Kampka auch hätte bekommen müssen; Künstler wie Jeremy Dudziak oder Sonny Kittel, die für wenige Wochen in das Gewand von Kämpfern zu schlüpfen schienen, in der entscheidenden Phase aber wieder Zauderer statt Zauberer sind.

2. Bundesliga - Tabelle
Pl. Verein Punkte
1
VfL Bochum VfL Bochum
54
2
Hamburger SV Hamburger SV
50
3
SpVgg Greuther Fürth SpVgg Greuther Fürth
50
2. Bundesliga - 28. Spieltag
Hamburger SV - Die letzten Spiele
Karlsruher SC Karlsruhe (H)
1
:
1
Jahn Regensburg Regensburg (A)
1
:
1

Dazu mit Daniel Thioune auch ein Trainer, der trotz Systemumstellung zwingend Top-Vorbereiter Manuel Wintzheimer im Team halten wollte, für diesen aber lediglich auf der Außenbahn einen Platz fand und damit geradezu einen Doppelfehler beging: Wintzheimer liegt diese Position nicht, und: Mit Bakery Jatta ließ der Coach einen Spezialisten, der für jede Abwehrreihe dieser Liga eine Bedrohung ist, bis zur Schlussviertelstunde auf der Bank. Dass Wintzheimer nach seiner von Terodde verpassten Hereingabe indirekt den Konter zum 0:1 einleitete und bei diesem dann auch noch am Abschlag des Darmstädter Keepers Marcel Schuhen vorbeirutschte, Jatta hingegen gerade einmal drei Minuten reichten, um den Anschlusstreffer durch Dudziak vorzubereiten, ist so etwas wie das Ausrufezeichen hinter einen auch aus Trainersicht gebrauchten Tag.

Es gibt also weitaus mehr Ansatzpunkte für diesen neuerlichen empfindlichen Rückschlag als einen zurückgenommenen Elfmeter an Simon Terodde, zumal das vermeintliche Foul von Serdar Dursun keinesfalls klar erkennbar ist. Während der Angreifer komplett ungehalten reagierte, ärgerte sich Thioune, "dass offenbar nicht alle Bilder im Kölner Keller ausgewertet wurden", benennt aber immerhin auch das Kardinalproblem: "Wir brauchen mehr Mentalität in der Balleroberung und beim Abschluss, mehr Konsequenz im Verteidigen."

Thioune hält Zweifel für ungerechtfertigt

Dass in Hamburg schnell Vergleiche zur Vergangenheit gezogen werden, nennt Thioune derweil eine "Widrigkeit, die wir brechen müssen" und will damit ausdrücken, dass er dies für ungerechtfertigt hält. Mit seiner Mängelliste vom Freitagabend aber stellt der 46-Jährige selbst eine Parallele zur Vergangenheit her. Denn gescheitert ist der HSV in den ersten beiden Zweitligajahren nicht an fehlender Qualität oder unglücklichen Umständen, sondern ausschließlich an sich selbst. Exakt wie an Ostern in Hannover und nun gegen Darmstadt.

Sebastian Wolff