2. Bundesliga

HSV: Nur noch Mittelmaß

Der Hamburger Vortrag beim KSC ist ein Dämpfer

Der HSV ist nur noch Mittelmaß

Enttäuschte Mienen bei Mikkel Kaufmann und Sonny Kittel (r.) nach dem 1:1 in Karlsruhe.

Enttäuschte Mienen bei Mikkel Kaufmann und Sonny Kittel (r.) nach dem 1:1 in Karlsruhe. imago images/Jan Huebner

Immerhin, hadern mussten die Protagonisten an diesem Wochenende nicht mit dem erneuten 1:1, der bereits achten Punkteteilung des HSV in dieser noch jungen Spielzeit. In Karlsruhe bedeutete nicht nur das Ergebnis einen (weiteren) Dämpfer, dieses Mal war es auch ein Gesamtvortrag, der diese Erkenntnis bringt: Ein Aufstiegskandidat ist der einstige Bundesliga-Dino in seinem vierten Zweitligajahr nicht.

Meffert: "Dieses Mal fühlt sich das 1:1 für uns glücklich an"

Tim Walter beschwört auch nach der Rückkehr in seine Heimat den "richtigen Weg" und die Entwicklung. Doch längst drängt sich die Frage auf: Wo wird diese wirklich sichtbar? Das vom Coach beförderte Innenverteidiger-Talent Jonas David gehört fraglos zum Musterbeispiel des von Walter proklamierten Weges, gewinnt nach zwischenzeitlichen Rückschlägen immer mehr an Stabilität. Beispielhaft für den gesamten HSV ist der 21-Jährige indes nicht. Schon in den zurückliegenden Wochen haben die Gegner dem auf Dominanz und Flexibilität ausgerichteten Walter-Stil im Laufe der jeweiligen Partien entschlüsseln können, dem KSC gelang dies Samstagabend von Beginn an, und Jonas Meffert bilanziert völlig richtig: "Dieses Mal fühlt sich das 1:1 für uns glücklich an, wir hatten in der ersten Halbzeit zu viele Ballverluste, waren schläfrig." Und sie verfielen im zweiten Durchgang in die gewohnten Muster, ließen die nötige Konsequenz im letzten Drittel vermissen. Meffert: "Wir sind niedergeschlagen, weil wir schon wieder nicht oben rangekommen sind."

Dass der HSV die nächste Gelegenheit zum Angriff auf die Spitzengruppe ausgelassen und bereits den zehnten Punkt nach einer Führung verschenkt hat, belegt: die von Walter immer wieder betonte Entwicklung findet nicht oder zumindest nur unzureichend statt. Und das liegt auch an fehlender Qualität im wieder einmal neu zusammengestellten Kader. Walters Probleme, in seinem 4-3-3-System zwei Achter zu finden, die das Hamburger Spiel nach vorn tragen, sind kennzeichnend: David Kinsombi bekam nach mehrwöchiger Bankpause mal wieder die Chance und ließ diese ebenso verstreichen wie Ludovit Reis. Der im Vorjahr vom FC Barcelona an den VfL Osnabrück ausgeliehene Niederländer wird so etwas wie das Symbol für die Transferpolitik der Hanseaten: jung und entwicklungsfähig sollten die Neuen sein nach dem gescheiterten Säulen-Modell im Vorjahr, doch bislang deuten sie zu wenig Potenzial an.

Lediglich die Eigengewächse David und Alidou taugen als Hoffnungsträger

Das gilt nicht nur für Reis, sondern auch für Linksverteidiger Miro Muheim aus St. Gallen, ebenso für Kopenhagen-Leihgabe Mikkel Kaufmann. Zum Hoffnungsträger taugt neben David allein Faride Alidou. Pikanterweise waren die beiden Eigengewächse im Sommer Kandidaten für eine Leihe oder einen Abschied, vor allem Walter hat in ihnen Potenziale gesehen. Und sie bislang deutlich weiter gebracht als den Rest des Kaders.

"Nie mehr 1. Liga, HSV", hatten die Karlsruher Anhänger in Anlehnung an den einstigen Gassenhauer der Hamburger Fans "Immer 1. Liga, HSV" gehöhnt. Walter sagt mit bittersaurer Miene, es sei "doch schön, dass wir als HSV immer noch so ein Anreiz sind, dass wir so besungen werden. Dann ziehen wir ja doch noch ein bisschen in der Fremde." Tatsächlich suggeriert die Häme Größe, die jedoch aus der Vergangenheit resultiert. In der Gegenwart befindet sich der HSV aktuell genau dort richtig platziert, wo er nach gegenwärtigem Leistungsstand hingehört: im gehobenen Mittelmaß der 2. Liga. 

Sebastian Wolff

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