Eishockey

Der Großraum New York will die Wachablösung

Vorschau: Metropolitan Division

Der Großraum New York will die Wachablösung

Wollen jenseits der 30 erfolgreich bleiben: Zach Parise, Sidney Crosby und Evgeni Malkin (v.li.). 

Wollen jenseits der 30 erfolgreich bleiben: Zach Parise, Sidney Crosby und Evgeni Malkin (v.li.).  Getty Images/picture alliance

Islanders: Parise und der letzte Titelbaustein

Zweimal nacheinander scheiterten die New York Islanders erst im Conference-Finale unter den besten vier Play-off-Teams. Nun soll endlich - rund 40 Jahre nach dem Titelviererpack zwischen 1980 und 1983 - wieder der ganz große Wurf gelingen. Um dieses Ziel zu realisieren, wurde der Kader von der bald 79-jährigen GM-Legende Lou Lamoriello im letzten halben Jahr noch einmal gezielt verstärkt. Der im Frühjahr nachverpflichtete Kyle Palmieri konnte langfristig (bis 2025) gehalten werden. 

Dazu holte Lamoriello noch zwei ganz große Namen des NHL-Eishockey nach Long Island: Zdeno Chara ist mit 44 Jahren der älteste Spieler auch der kommenden Saison, der slowakische 2,06-Hüne denkt noch längst nicht ans Aufhören und kann den New Yorkers insbesondere in Sachen Erfahrung helfen. Ähnliches gilt für Zach Parise (37), der bereits in New Jersey für Lamoriello gespielt hatte. Zwar ist der Stürmer, der zuletzt in seinem Heimatbundesstaat Minnesota für die Wild gespielt hatte, nicht mehr der Scorer vergangener Zeiten, bringt aber noch mehr Tiefe und Erfahrung.  

kicker-Tipp: Wieder einmal gelang es Lamoriello, den Schwierigkeiten des Salary Caps zu trotzen und seine Stars beisammen zu halten. Dank Chara, Parise und mit einem wieder gesunden Kapitän Anders Lee gehören die Islanders zweifellos zum Kreis der engeren Titelkandidaten. 

Zahlt sich Carolinas Kotkaniemi-"Klau" aus?

Wie die Islanders streben auch die Carolina Hurricanes mit Macht nach mehr. Zwar verlor das Team aus Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina im Sommer mit Dougie Hamilton einen der besten Offensivverteidiger der Liga an die direkte Konkurrenz New Jersey. Doch mit Anthony DeAngelo, Ethan Bear, Ian Cole und Brendan Smith wurde die Defensive in der Breite eher gestärkt. Ähnliches gilt für die Neubesetzung im Tor mit dem dänischen Nationalkeeper Frederik Andersen und Antti Raanta. 

Jesperi Kotkaniemi, Brady Skjei (re.)

Ungewöhnlicher Neuzugang: Carolinas Jesperi Kotkaniemi (li.).  picture alliance

Und da ist ja auch noch Jesperi Kotkaniemi, den Carolinas Sportchef Don Waddell auf ungewöhnliche Weise aus Montreal weglockte. Vor zwei Jahren hatten die Canadiens versucht, Star-Center Sebastian Aho per "Offer Sheet" abzuwerben. Doch die Hurricanes machten von ihrem Recht Gebrauch, das Angebot zu "matchen" und den Spieler zu behalten. Nun revanchierte sich Waddell bei den Canadiens, indem er über sechs Millionen Jahresgehalt für ein Jahr für Kotkaniemi bot - und den Finnen damit prompt im Gegenzug zu zwei Draftrechten für sein Team abwarb. 

kicker-Tipp:  Die Hurricanes sind nach wie vor ein junges, offensivstarkes Team, dem die Zukunft gehört. Auch wenn der ganz große Wurf vielleicht noch nicht gelingt - die Play-offs sind für Carolina Pflicht. 

Die Capitals bangen zum Start um ihren Superstar 

Der Stamm beim Stanley-Cup-Sieger von 2018 ist weiter der gleiche wie in den vergangenen Jahren, doch langsam aber sicher naht zumindest ein wenig Verjüngung. Die Stürmer Connor McMichael und Hendrix Lapierre stehen ebenso vor dem NHL-Durchbruch wie Martin Fehervary in der Abwehr. Möglich machen dies auch die Verletzungen der beiden Altstars Nicklas Bäckström und Alex Ovechkin. Der russische Torjäger verletzte sich im letzten Test vor dem Start im Bereich des Knies und droht zum Start ebenfalls auszufallen. 

Ein großes Fragezeichen in Washington steht zudem auch hinter Evgeny Kuznetsov. Im Bereich des Weltverbands IIHF ist der technische hochveranlage Spielmacher nach einem positivem Kokain-Test für vier Jahre gesperrt, verpasst damit also auch die Spiele von Peking im Februar 2022. Die NHL sperrte ihn damals nur für wenige Spiele, doch bei den Capitals hat man Kuznetsovs Eskapaden dem Vernehmen nach langsam satt und suchte schon nach einem Tauschpartner. Bis dato aber vergeblich. 

kicker-Tipp: Washingtons Titelfenster beginnt sich zu schließen. Wie weit es jetzt schon geschlossen ist, dürfte nicht zuletzt davon abhängen, wie fit Ovechkin und Bäckström durch die Saison kommen - und wie diszipliniert Kuznetsov. 

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Rangers: Die Zeichen stehen auf Play-offs

Stück für Stück verbesserten sich die New York Rangers in den vergangenen Jahren; so sehr, dass die Klubführung im vergangenen Frühjahr sogar nach verpasster Play-off-Qualifikation schnell die Geduld verlor und die komplette Sportliche Leitung austauschte. Ex-Spieler Chris Drury stieg zum Sportchef auf, mit Gerard Gallant als neuem Coach kam eine namhafte Lösung. Gallant hatte zuvor Vegas in Jahr eins nach der Expansion ins Stanley-Cup-Finale geführt.  

Die Bausteine für den ersten Play-off-Einzug seit 2017 sind gelegt: Eine potente, hochtalentierte Offensive um die Stars Artemi Panarin und Mika Zibanejad, der seinen Vertrag am Sonntag vor dem Start vorzeitig bis 2030 verlängerte (Jahresgehalt: 8,5 Millionen US-Dollar); eine talentierte Defensive um Norris-Trophy-Kandidat Adam Fox; und dazu auch ein gutes Torhüterduo mit Igor Shestyorkin und Backup Aleksandar Georgiev. Mit Barclay Goodrow kam obendrein ein erfahrener frisch gebackener Stanley-Cup-Sieger aus Tampa. 

kicker-Tipp: Die Ziele sind ehrgeizig, doch die Qualität im Kader ist da, um diese zu erreichen. Die Play-offs sind für die Rangers wieder mehr als nur in Reichweite. 

Ist die Magie von Crosby und Malkin noch genug?

Ganz anders als im Big Apple sieht die Situation in Pittsburgh aus. Seit den beiden Cup-Siegen 2016 und 2017 haben die Penguins nur noch eine Playoff-Serie gewonnen, in den letzten drei Jahren bei zwei Teilnahmen keine mehr. Haben Sidney Crosby (34) und Evgeni Malkin (35) - einst das mit Abstand beste Center-Duo der NHL - ihre Magie verloren? In jedem Fall nagen Verletzungen immer mehr an den beiden Superstars, die beide zumindest zum Start der Saison 2021/22 fehlen werden.  

Doch die Probleme bei den Penguins gehen darüber hinaus. Das Torhüterduo Tristan Jarry und Casey DeSmith ist nicht unumstritten, insgesamt es fehlt der Nachwuchs, um in die Fußstapfen der alten Leader zu treten. Zugleich verhindert der Salary Cap durch teure Altverträge, auf dem Transferweg für echte Blutauffrischung zu sorgen.  

kicker-Tipp:  Penguins-Coach Mike Sullivan ist bekannt dafür, auch in schwierigen Situation viel aus seinem Team herausholen zu können. Doch aus Pittsburgh 2021/22 einen Titelkandidaten? Wohl eher nicht. 

New Jersey: Hamilton und die jungen Wilden

Dougie Hamilton

Gefürchteter Schlagschuss: Dougie Hamilton wechselte innerhalb der Division nach Newark.  Getty Images

Ein wenig ähnlich wie bei den Rangers stellt sich die Situation der Devils auf der anderen Seite des Hudson River dar. Die sehr junge Mannschaft wurde mit dem schussgewaltigen Hamilton, aber auch Zwei-Wege-Verteidiger Ryan Graves (aus Colorado) gezielt in der Abwehr verstärkt. Im Angriff verfügt Coach Lindy Ruff mit Kapitän Nico Hischier (22) und Jack Hughes (20) über zwei spielstarke Center der Zukunft, mit Dawson Mercer und Alexander Holtz (beide 19) drängten in der Vorbereitung zwei weitere große Talente ins Team. Mit Tomas Tatar kam ein erfahrener Stürmer hinzu. 

Was aber wird aus P.K. Subban? Ein Jahr steht der Kanadier mit dem fürstlichen Jahressalär von neun Millionen Dollar noch bei den Devils unter Vertrag. Doch seine Leistungen rechtfertigten diese Summe in den vergangene Jahren längst nicht mehr. Und so scheint es gut möglich, dass Subban in seine letzten Monate im Trikot New Jerseys geht. 

kicker-Tipp: Die Zukunft gehört den Devils, die, falls sich das Team schnell findet, am Ende vielleicht sogar schon 2022 an die Play-off-Tür klopfen dürfen. 

Philadelphia: Ellis und Ristolainen als Hoffnungsträger  

Wenn es eine Art Fahrstuhlmannschaft in der NHL gibt, dann waren dies in den letzten knapp zehn Jahren die Flyers. Seit 2012 wechseln sich in Philadelphia Jahre mit Play-off-Teilnahmen im steten Wechsel mit Jahren ohne Play-offs ab. Auf der Suche nach Konstanz im positiven Sinn veränderte General Manager Chuck Fletcher den Kader im Sommer auf einigen Schlüsselpositionen. Dem jungen Nummer-eins-Keeper Carter Hart wurde Martin Jones (zuvor umstrittener Starter in San Jose) an die Seite gestellt. Im Sturm ging Jakub Voracek nach zehn Jahren für Cam Atkinson in einem Eins-zu-Eins-Tausch zurück nach Columbus.

Vor allem aber die Abwehr wurde zur Hälfte umgekrempelt: Mit Ryan Ellis und Rasmus Ristolainen kamen zwei spielstarke und mobile rechtsschießende Abwehrspieler in Tauschgeschäften. Auch Routinier Keith Yandle war bis zuletzt in Florida für einige Scorerpunkte von der blauen Linie gut. Zum Start verzichten muss Coach Alain Vigneault mit Kevin Hayes, der seinen nur wenige Jahre älteren Bruder und Ex-NHL-Spieler Jimmy Hayes im Sommer auf tragische Weise verlor, auf einen Schlüsselspieler auf der Center-Position (nach OP). 

kicker-Tipp: Wie sehr verändern Ellis und Ristolainen das zuletzt wankelmütige Gesicht der Flyers? In der engen Division ist die Play-off-Teilnahme und damit der Fortbestand der "Fahrstuhl-Serie" nicht ausgeschlossen. 

Columbus: Ohne Tortorella, Jones & Co. nur Kellerkind?

Brad Larsen

Vom Assistent zum Chef: Columbus-Coach Brad Larsen.   imago images

Sechs Spielzeiten lang prägte John Tortorella und seine bisweilen schroffe Art - auch im Umgang mit Journalisten - das Gesicht der Blue-Jackets-Franchise. Auf dem Eis bedeutete dies harte Arbeit und eine physische Spielweise, aber auch große Disziplin. Nun ist der Coach weg, sein bisheriger Co-Trainer Brad Larsen gewann das Rennen um die Nachfolge und geht mit einem Kader an den Start, der längst nicht mehr über die Stars der letzten Jahre verfügt. 

Artemi Panarin, Sergei Bobrovsky und zuletzt auch Seth Jones (per spektakulärem Tausch nach Chicago) - die ganz großen Namen sind fast alle weg aus dem US-Bundesstaat Ohio. Mit Torjäger Patrik Laine und Verteidiger Zach Werenski stehen indes immerhin noch je ein Spieler in Abwehr wie Angriff im Kader, die durchaus in der Lage dazu sind, den Unterschied auszumachen.  

kicker-Tipp: Coach Larsen steht vor der schweren Aufgabe, die Blue Jackets zu einem Team zu transformieren, das das im Kader durchaus vorhandene Offensivtalent herauskitzelt. Dieser Umbruch dürfte aber nicht auf Anhieb zu schaffen sein.  

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