Bundesliga

Der große Vergleich: Robert Lewandowski gegen Erling Haaland

Vor dem Top-Spiel Bayern-Dortmund: Die Stürmer in der Analyse

Der große Vergleich: Lewandowski gegen Haaland

Zwei der besten Stürmer Europas: Bayerns Robert Lewandowski (l.) und Dortmunds Erling Haaland.

Zwei der besten Stürmer Europas: Bayerns Robert Lewandowski (l.) und Dortmunds Erling Haaland. Getty Images (2)

Für ihn bleibt die Partie gegen Borussia Dortmund natürlich eine spezielle. Daran ändert auch die Zeit nichts, die sechseinhalb Jahre, als Robert Lewandowski vom BVB an die Isar wechselte. Denn: Gegen seinen Ex-Klub trifft der Pole besonders gerne. In 13 Duellen mit Dortmund erzielte der aktuelle Weltfußballer bereits 17 Tore. Kein anderer Spieler traf in der Bundesligageschichte so häufig gegen seinen vorherigen Arbeitgeber.

Nun hat die Borussia wieder einen aufstrebenden Stürmer im Kader, der zeitweise als möglicher Nachfolger des Polen gesehen wird. 15 Monate ist Erling Haaland bereits ein Teil der Dortmunder. Seit seiner Ankunft im Januar 2020 hat sich einiges getan: Die Haare sind länger geworden, die Statur etwas schmaler - rund sieben Kilogramm hat der Norweger in den vergangenen Monaten verloren. Robust ist er freilich noch immer. Vielleicht sogar ein Stückchen mehr als noch vor einem Jahr, als er noch teilweise Probleme hatte, den wuchtigen und schnellen Körper in den Zweikämpfen immer zielführend einzusetzen.

Er ist einer, dem die Zukunft gehören kann. Er hat alles, was man dazu braucht.

Hansi Flick

Was sich allerdings nicht verändert hat, ist seine überragende Treffersicherheit. 17 Tore und fünf Vorlagen hat der 20-Jährige in der laufenden Bundesliga-Saison bereits gesammelt, dazu achtmal in der Champions League getroffen und je einmal im Pokal und im Supercup. Haaland ist eine wandelnde Tormaschine. Wobei wandeln das falsche Wort ist, denn: Haaland wandelt nicht, er rast - am liebsten im direkten Weg in Richtung Tor. "Er hat wie Lewy auch einen enormen Torhunger", sagt Bayern-Coach Hansi Flick: "Er ist einer, dem die Zukunft gehören kann. Er hat alles, was man dazu braucht."

Haaland hat sich spielerisch weiterentwickelt

Dass er im Pokalspiel in Mönchengladbach etwas müde wirkte und für ihn eher ungewohnt zwei Großchancen ausließ, ließ den Stürmer zuletzt etwas menschlicher erscheinen. Getroffen hat er ja dennoch - wenn auch nach einem vorangegangenen Foulspiel in der Entstehung, weshalb der Treffer letztlich nicht zählte. Und noch etwas war am vergangenen Dienstag zu beobachten, nämlich die spielerische Weiterentwicklung des einstigen reinen Abschlussspielers.

Wie er sich gegen Gladbach im Zentrum des Spielfelds behauptete und das Zuspiel von Nico Schulz auf Marco Reus weiterleitete, belegte die neue Facette im Spiel des 1,94 Meter großen Riesen. Unter Edin Terzic ist Haaland weniger abhängig von Bällen in die Tiefe, er nimmt auch dann aktiver am Spielgeschehen teil, wenn die Räume eng und der Gegner nah dran ist.

Lewandowski hat kaum mehr Schwächen - und ist mannschaftsdienlicher geworden

Lewandowski hat sich in den vergangenen Jahren auch mehr und mehr zum Mannschaftssportler entwickelt; er versteht es prima, die Bälle festzumachen und abzulegen. Selbst in der Gefahrenzone sieht er immer häufiger den Nebenmann. Acht Assists sind es in dieser laufenden Liga-Saison. Zudem hat sich der Bewegungsradius des Torjägers deutlich vergrößert. Er weicht um den Strafraum herum auch regelmäßig Richtung Linie aus, wenngleich sich der 32-Jährige noch manchmal verdribbelt. Allerdings: Seine Effizienz ist beeindruckend. Lewandowski lässt kaum mehr Großchancen liegen; er schlägt eiskalt zu; 28 Tore bei 22 Einsätzen.

Diese Effektivität vor dem gegnerischen Tor und der Blick für den Mitspieler machen Lewandowski noch kompletter. Was ihn von Dortmunds Haaland noch unterscheidet: Das Kopfballspiel des Dortmunders ist trotz leichter Fortschritte noch ausbaufähig, auch in der Arbeit gegen den Ball hat er längst nicht ausgelernt, ebenso in der Ballverarbeitung und im Kombinationsspiel. Lewandowski allerdings war auch noch nicht fertig in seiner Entwicklung, als er im Sommer 2010 zum BVB wechselte. Weltfußballer wurde er erst zehn Jahre später. Haaland hat also noch genug Zeit, sich zu einem kompletten Angreifer zu entwickeln.

Matthias Dersch/Georg Holzner

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