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Diskus-Olympiasieger Christoph Harting macht nur von sich reden

Diskus-Hüne patzt bei der DM in Braunschweig

Der große Schweiger: Olympiasieger Harting macht nur von sich reden

"Offiziell sage ich nichts": Christoph Harting am Sonntag in Braunschweig.

"Offiziell sage ich nichts": Christoph Harting am Sonntag in Braunschweig. imago images

Christoph Harting hält sich weiter strikt an sein Schweigegelübde, macht von sich reden und lässt über sich reden. Der Diskus-Olympiasieger wich auch bei den deutschen Meisterschaften in Braunschweig von seinem ausgerufenen Medien-Boykott nicht ab. "Offiziell sage ich nichts", sagte der 31-jährige Berliner am Sonntag knapp und verschwand. Ohnehin hatte er allen Anlass, kleinlaut zu sein. Indiskutable 57,29 Meter reichten nur zum achten Platz, womit der Tokio-Start für ihn in kaum noch erreichbare Ferne gerückt ist.

"Es wird schwer", meinte Annett Stein, die Chefbundestrainerin des Deutschen Leichtathletik-Verbandes. Harting hat die Norm für die Sommerspiele in Japan 2019 mit 66,01 Meter um einen Zentimeter übertroffen. Bis zum Meldeschluss am 29. Juni müsste er die Scheibe aber weiter als Clemens Prüfer (67,41 Meter/Potsdam) und David Wrobel (67,30/Magdeburg) fliegen lassen. Die Weiten gelten als vorrangig, weil sie in diesem Jahr erreicht wurden. Außerdem hat der Wattenscheider Daniel Jasinski als neuer deutscher Meister mit einer Saisonbestweite von 67,47 Meter das Olympia-Ticket fix in der Tasche.

"Einfach einen schlechten Tag" erwischt?

"Ich denke, Christoph hatte einfach einen schlechten Tag", meinte der Olympia-Dritte, der den Kontakt zu dem eigenwilligen Rivalen als "so weit in Ordnung" bezeichnete. Für Clemens Prüfer, Meister von 2020, ist Harting "in den letzten Jahren etwas zugänglicher geworden", aber ein eher ruhiger und anderer Typ geblieben, wie er dem Fachmagazin "Leichtathletik" sagte: "Das ist vielleicht nicht jedermanns Fall."

Der DLV ist nicht glücklich über das Auftreten des 2,07 Meter langen Hünen, der mit seinem Verhalten bei den Titelkämpfen den Ruf als Reizfigur bestätigte, aber der Verband ist auch machtlos. Mehrfach hat Harting Wurfversuche durch das Heraustreten aus dem Ring ungültig gemacht, obwohl einer davon mehr als 62 Meter weit war. "Das ist nicht ohne Absicht gewesen, da war eine Vorgabe in seinem Kopf dahinter", rätselte Stein und sprach von einer aktuell schwierigen, privaten Situation von Harting, die "nicht unerheblich" sei.

Sportliche Durststrecke seit 2017

Unabhängig davon versuche man ihm Hilfestellung zu geben, "einen Zugang zu ihm zu bekommen, ihn mitzunehmen" und ihm Förderung anzubieten, betonte sie. "Ich würde mir wünschen, dass wir nur Vorzeigeathleten hätten, aber wir haben auch freie Meinungsäußerung und wollen niemanden umerziehen", meinte Stein.

Trotz finanzieller und anderer Hilfe folgte nach dem Gold-Coup 2016 in Rio eine sportliche Durststrecke für den bei der Bundespolizei angestellten Christoph Harting. 2017 hatte er die Qualifikation für die WM in London verpasst. Danach scheiterte er bei der Heim-EM 2018 in Berlin und bei der WM 2019 in Doha jeweils in der Qualifikation.

Seit Rio 68,37 Meter als Bestweite

Dabei hatte der jüngere Bruder von Robert Harting, dem Olympiasieger von 2012, große Ziele formuliert. "Das nächste Etappenziel ist Tokio. Gold. Nach Tokio Paris 2024. Gold. Nach Paris Los Angeles 2028. Gold", kündigte er ebenso an, wie über 80 Meter werfen zu wollen. Seine seit dem Rio-Sieg gültige Bestweite steht bei 68,37 Meter.

Nicht nur wegen solcher großen Sprüche ist es dem Verband nicht unrecht, wenn Harting, der Jüngere, der große Schweiger bleibt. "Er macht ja Werbung, ist allgegenwärtig, auch wenn er nichts sagt und wirft. Wir sind nicht unglücklich, wenn er sich nicht äußert", sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing. "Dann haben wir deutlich weniger Arbeit, mit ihm im Nachgang Dinge wieder aufzubereiten. Insofern ist es eine gute Situation."

dpa