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Der FIFA-eSport braucht eine Super League - nicht der Fußball

Kommentar zum Stand der Szene

Der FIFA-eSport braucht eine Super League - nicht der Fußball

Der "Fame" wird in FIFA 21 bislang vermisst, eine Eliteliga könnte helfen.

Der "Fame" wird in FIFA 21 bislang vermisst, eine Eliteliga könnte helfen. FIFA

Schock begleitete die Enthüllung der Super League in der Nacht auf Montag. Eine Liga der Elite soll im europäischen Spitzenfußball entstehen - mit drastischen Folgen für das gesamte System: Andere Wettbewerbe könnten an Relevanz verlieren, nationale Fußballkultur würde geschwächt und die Schere zwischen arm und reich sich noch weiter öffnen. Gerade die unterstellte Geldgier der Vereine treibt viele Fans auf die Barrikaden. Doch obwohl das Konzept der Super League diverse Mängel aufweist, wäre eine Eliteliga genau das Richtige für den FIFA-eSport.

Vorab sei gesagt: Von der Idee einer durch die beteiligten Vereine organisierten Liga kann man sich im digitalen Fußball schnell verabschieden. Als Entwickler hat EA SPORTS die vollständige Kontrolle über die eSport-Szene und kann andere Wettbewerbe schlicht verbieten.

Weniger Teilnehmer, mehr Hype

Abgesehen davon vereint die Super League aber mehrere Aspekte, die dem internationalen eFootball helfen würden: ein Wettbewerb mit denselben 20 prominenten Top-Spielern und regelmäßigen Begegnungen - so etwas könnte den FIFA-eSport aus dem Zuschauertief retten. Laut der Statistik-Seite Twitchtracker hatte mit Ausnahme der Eröffnungsturniere kein Regionalcup in FIFA 21 über 50.000 durchschnittliche Zuschauer auf der Streaming-Plattform Twitch. In Europa bewegte sich der Wert zuletzt bei 17.000. Aber auch in den Jahren zuvor waren Zuschauerhochs im sechsstelligen Bereich eine Ausnahme.

Für die Entwicklung gibt es mehrere Gründe: Unter anderem fehlen spannende Geschichten und Rivalitäten. Alle ein bis zwei Monate findet ein Turnier statt - ohne Hype, dafür aber mit mehreren kaum bekannten Spielern, die beim nächsten Cup wieder fehlen. Da fällt das Abschalten leicht. Was nützt es, wenn ein Donovan 'Tekkz' Hunt als Star von EA SPORTS präsentiert wird, aber bei keiner Übertragung tatsächlich mitspielt? Auch die eChampions League ist keine richtige Königsklasse, obwohl sie als Highlight im Kalender der FIFA-Fans dringend gebraucht wird. Eine Super League würde diese Lücke füllen.

Verschmerzbare Nachteile

Das Konzept einer regionalen oder globalen Eliteliga ist im eSport wohlbekannt. Wo man auch hinblickt, ob League of Legends oder Counter-Strike, derartige Wettbewerbe sind beliebt. Sie versprechen Begegnungen auf höchstem Niveau, regen Zusammenarbeit an und gewähren den teilnehmenden Organisationen, Teams und Spielern eine gewisse Planungssicherheit. Hinzukommt, dass eine Super League im eSport den anderen Wettbewerben nur sehr bedingt schaden könnte. Solange keine Global-Series-Punkte verteilt werden, sondern nur Preisgelder, haben die Teilnehmer in ihren heimischen Ligen oder offenen Cups keinen Vorteil.

Das Konzept hat natürlich auch Schwächen. Würden Europas 20 Top-Spieler in einer Liga antreten, bliebe der Rest außen vor und müsste sich weiterhin bei den FUT Cups abrackern. Es droht ein Bedeutungsverlust im Vergleich zur Elite der Super League. Zudem gewährleistet der Ansatz nicht, dass jederzeit auch die 20 besten Spieler teilnehmen. Immerhin bieten die Qualifikationsplätze einige Möglichkeiten für aufstrebende Talente. Schlussendlich bleibt eSport aber Entertainment. Und während die Super League für den realen Fußball eine Bedrohung darstellt, könnte der Unterhaltungswert einer Eliteliga die FIFA-eSport-Szene bedeutend voranbringen.

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