Bundesliga

Der Fall Süle: So beschädigt Nagelsmann sich selbst

Kommentar

Der Fall Süle: So beschädigt Nagelsmann sich selbst

Niklas Süle stand ihm am Samstag in Wolfsburg nicht zur Verfügung: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.

Niklas Süle stand ihm am Samstag in Wolfsburg nicht zur Verfügung: Bayern-Trainer Julian Nagelsmann. Getty Images

Es ist ein höchst bemerkenswerter, eigentlich ungeheuerlicher Vorgang, der sich da beim FC Bayern in der Vorbereitung des letzten Saisonspiels zugetragen hat. Da fragte Julian Nagelsmann, der Trainer, Niklas Süle, den Spieler, ob der mit zur letzten Partie nach Wolfsburg mitreisen wolle, nachdem sich Marcel Sabitzer im Abschlusstraining verletzt hatte und ausfiel. Denn nun war plötzlich ein Platz im Kader für die Begegnung beim VfL frei geworden.

Vorausgegangen war diesem Austausch ein Gespräch zwischen Nagelsmann und Süle am Mittwoch. Der Trainer hatte da dem Abwehrmann erklärt, dass er die Planstellen für das Liga-Finale am liebsten jungen Akteuren zuteilen würde. Süle entgegnete, er habe sich seinen Abschied vom FC Bayern nach fünf Jahren zwar anders vorgestellt, willigte aber ein.

Der Verteidiger "war dann im Abschlusstraining nicht mehr so von seiner Gemütslage", berichtete Nagelsmann. Frei übersetzt dürften diese Worte heißen: Süle hatte - mit viel Wohlwollen kann man diese menschliche Reaktion sogar verstehen - keine große Lust mehr gehabt beim gemeinsamen Üben vor dem Saisonfinale, in dem ihm ohnehin kein aktiver Auftrag mehr zugewiesen war. Der Coach brach an dieser Stelle seine Ausführung ab und gab Süles ehrliche Antwort auf die eigentliche Frage wieder: "'Eher nicht', weil er sich jetzt nicht darauf vorbereitet hatte." Daraufhin gestattete der Chefcoach dem Profi, zu Hause zu bleiben.

Mehr zum FC Bayern:

Wie viele Arbeitnehmer müssen, auch wenn sie schon freie Tage oder ein freies Wochenende eingeplant haben, urplötzlich umdisponieren, weil ein kranker Kollege ersetzt werden muss oder die personelle Lage diese Bereitschaft von jetzt auf gleich ganz selbstverständlich verlangt? Sie erhalten dafür eine weitaus geringere Entlohnung als die rund acht Millionen Euro, die der Fußballprofi Süle im Jahr bekommt. Und dieses Gehalt zahlt der Arbeitgeber FC Bayern seinem Angestellten Süle sicherlich, bis dessen Arbeitsvertrag zum 30. Juni 2022 endet und er anschließend zu Borussia Dortmund weiterwandert.

Großzügige und empathische Chefs sind gewiss allseits beliebter als Vorgesetzte, mit denen nicht zu reden ist. Aber Nagelsmann hätte Süle die nötige Spontanität zumuten oder diktieren müssen, selbst wenn Süle keine Perspektive mehr auf einen Einsatz hatte. Der FCB-Cheftrainer muss aufpassen, dass er mit einem derartigen Entgegenkommen die Professionalität in seiner Belegschaft und seine eigene Autorität nicht beschädigt. Mit Blick auf die neue Saison hat er sich damit keinen Gefallen getan.