2. Bundesliga

HSV: Der Druck auf Jansen nimmt zu

HSV-Aktionäre entziehen dem Aufsichtsrat und Präsidenten das Vertrauen

Der Druck auf Jansen nimmt zu

Übersteht Marcell Jansen diesen nächsten Sturm?

Übersteht Marcell Jansen diesen nächsten Sturm? IMAGO/Eibner

Klaus-Michael Kühne gehört nicht zu den Initiatoren des Aufstands gegen Jansen. Der einflussreiche Milliardär hatte in der vergangenen Woche bereits ganz offen die Ablösung des 37-Jährigen gefordert, nun sind es die sogenannten Klein-Aktionäre, die sich zusammengeschlossen haben. Laut "Hamburger Abendblatt" haben sich die Familie Burmeister, die AMPri Handelsgesellschaft sowie die Erben des 2016 verstorbenen Alexander Margaritoff vereint. Gemeinsam halten sie 3,41 Prozent der Anteile an der HSV Fußball AG und hatten bereits im Oktober eine erste E-Mail an Präsidium und Aufsichtsrat geschrieben. Darin haben sie ihr Unverständnis über Jansens Haltung im Fall Thomas Wüstefeld kritisiert. Das Fass zum Überlaufen brachte für die Aktionäre, dass der frühere Nationalspieler sein Kontrollgremium neu besetzen und Lena Schrum und Hans-Walter Peters austauschen wollte. Zumindest der einflussreiche Banker Peters darf auf Drängen von Jansens Präsidiumsmitgliedern wohl bleiben, die Front gegen Jansen aber ist breit. Im jüngsten Brief schrieben die Aktionäre: "Wir entziehen Ihnen als Aufsichtsratsvorsitzenden aufgrund Ihres Verhaltens ab sofort das Vertrauen."

Da Agrarunternehmer Helmut Bohnhorst ebenfalls unzufrieden mit Jansens Kurs ist und Kühne ihn öffentlich zum Rücktritt aufgefordert hat, sind mit Ausnahme von Ex-Vorstand Wüstefeld, der immer noch Anteilseigner ist und dem HSV e.V. sämtliche Aktionäre gegen Jansen - im Verbund mit der sportlichen Leitung eine breite Front. Seit Jansen im Frühjahr die Absetzung von Jonas Boldt vorantreiben wollte, ist das Tischtuch zwischen beiden zerschnitten, Trainer Tim Walter und der Sportvorstand bilden eine extrem enge Einheit.

Übersteht Jansen diesen nächsten Sturm? Schon während der Vorwurfs-Lawine gegen Wüstefeld ab dem Sommer war Jansen ins Kreuzfeuer der Kritik geraten, weil er den Ex-Boss und einstigen Geschäftspartner mit der These stützte, die gegen den Medizinunternehmer vorliegenden Klagen hätten nichts mit dem HSV zu tun. Auch nach Wüstefelds Aus machte Jansen nicht klar Tisch, zog zudem keine persönlichen Konsequenzen, obwohl sein Rückhalt im eigenen Gremium bröckelte. Stattdessen strickte er an einer Neubesetzung des Rates ohne zwei Kritiker - und hat spätestens seitdem auch das Gros der Aktionäre gegen sich.

Klar ist: Ein Aussitzen dieses Zustandes, droht den Klub zu lähmen. Denn für die bevorstehende WM-Pause hatte Jansen wegweisende Personalentscheidungen angekündigt. Die Verträge von Boldt und Walter laufen aus und sind noch nicht verlängert.

Sebastian Wolff

Marcell Jansen, Präsident des Fußball-Zweitligisten Hamburger SV, spricht auf einer Pressekonferenz im Volksparkstadion.

Jansen im Kampfmodus: "Verantwortlich ist nicht nur Marcell Jansen"

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