2. Bundesliga

Dem Hamburger SV fehlt von allem etwas

Auch Thioune kann Resistenz, Gier und spielerische Lösungen nur ansatzweise entwickeln

Dem HSV fehlt von allem etwas

Trainer Daniel Thioune belegt mit dem HSV nur Platz 13 in der Rückrundentabelle.

Trainer Daniel Thioune belegt mit dem HSV nur Platz 13 in der Rückrundentabelle. imago images

Zu wenig für den Aufstieg, den die Hanseaten nun nicht mehr in der eigenen Hand und nach den Eindrücken der zurückliegenden Monate auch nicht verdient haben.

Platz 13 in der Rückrundentabelle stellt dem großen Favoriten ein erbärmliches Zeugnis aus. Die Trainerfrage jedoch stellen sich die Bosse nicht. Jonas Boldt verwies am Sonntag auf die Reaktion, die die Mannschaft nach dem Pausen-Rückstand gezeigt habe. Und doch zielt der Versuch, ein spätes 1:1 bei einem durch mehrere englische Wochen entkräfteten Abstiegskandidaten als guten Auftritt zu verkaufen, komplett ins Leere. Vielmehr stellt sich die Frage: In welchen Bereichen hat Thioune den HSV während seiner Amtszeit tatsächlich weiterentwickelt?

Angst und fehlende Gier sind immer noch nicht vertrieben

Resistenz lautet ein Schlagwort seit seinem ersten Arbeitstag, doch insbesondere die Kurve seit Februar mit nur noch zwei Siegen aus elf Partien und etlichen vergebenen Möglichkeiten, der Konkurrenz zu enteilen, belegt: Angst und fehlende Gier, ständige Begleiter der beiden Vorjahre, sind immer noch nicht vertrieben. Die Bereitschaft, gegen kompromisslose Gegner bedingungslos dagegen zu halten, konnte der 46-Jährige immer nur situativ, nicht aber dauerhaft wecken. Dass in Sandhausen (1:2) und Regensburg auch fußballerisch nur noch Fragmente einer Spielidee erkennbar waren, ist ein zusätzliches Alarmsignal. Weil die Bosse bislang immer mit dem Verweis auf den deutlich besseren Fußball die Vergleiche mit der Vergangenheit zu entkräften versucht haben. Bei beiden Auftritten in der abgelaufenen Woche erinnerten nicht nur die Resultate an die Vorjahre, sondern auch der Fußball. Kurzum: Es fehlt von allem etwas.

Thioune: "Wir haben es nicht mehr selbst in der Hand"

"Die Mannschaft hat gezeigt, dass sie lebt, wir waren widerstandsfähig", findet Thioune. Allerdings erst zu einem Zeitpunkt, da alles verloren schien. Ganz so weit ist es in Bezug auf die Saisonziele noch nicht. Doch der Tag an dem das neuerliche Scheitern feststehen könnte, rückt näher. Fürth bleibt als Zweiter drei Punkte entfernt, Kiel ist bei noch drei Spielen weniger nur zwei Zähler zurück. Thioune weiß: "Wir müssen auch nach rechts und links schauen, wir haben es nicht mehr selbst in der Hand."

Und das ist selbstverschuldet. In den Vorjahren hatten die Verantwortlichen sowohl bei Hannes Wolf als auch bei Dieter Hecking trotz gewachsener Zweifel darauf verzichtet, im Schlussspurt den Trainer zu wechseln. Jetzt, versichern sie, zweifeln sie nicht. Analysieren, weshalb sich Geschichte trotz veränderter personeller Konstellationen wiederholt, müssen sie am Saisonende dennoch. Und es spricht aktuell nicht mehr viel dafür, dass die Landung am 23. Mai sanfter wird als die vom Sonntag.

Sebastian Wolff