2. Bundesliga

Dem 1. FC Nürnberg droht ein zittriges Saisonfinale

Eine Analyse der Misere

Dem Club droht ein zittriges Saisonfinale

Geisterspiele: FCN-Kapitän Enrico Valentini ärgert sich nach dem 1:1 gegen Osnabrück.

Geisterspiele: FCN-Kapitän Enrico Valentini ärgert sich nach dem 1:1 gegen Osnabrück. imago images

Wer den Schaden hat, braucht nach einem alten deutschen Sprichwort für den Spott nicht zu sorgen. So verglich ein langjähriger Club-Beobachter etwa schon zur Halbzeit auf Twitter die Darbietung des FCN mit der deutschen Impfstrategie: behäbig, unkreativ, nicht in der Lage, den entscheidenden Nadelstich zu setzen. Und mit Blick auf die Stärken der Mannschaft von Robert Klauß unken viele, es gäbe vier: Würzburg, Sandhausen, Osnabrück und Braunschweig, die in der Tabelle noch schlechter platziert sind.

Das Spitzenquartett wartet noch auf den Club

Einen Automatismus, dass es so bleibt, gibt es nicht. Selbst der VfL Osnabrück, der mit dem schweren Rucksack von neun Niederlagen in Serie nach Nürnberg gereist war, zeigte bessere spielerische Ansätze als der FCN. Braunschweig agierte zuletzt stabil, Osnabrück hat zudem ein Nachholspiel in der Hinterhand, der Club wiederum muss unter anderem noch gegen das Spitzenquartett der Liga antreten. Es könnte ein zittriges Saisonfinale geben.

Individuelle Makel

Am Saisonende sollte es dennoch zum Klassenerhalt reichen. Der alleine kann aber nicht der Anspruch des FCN sein. Aktuell fehlt es dieser Mannschaft an vielem: Mit den verletzten Robin Hack, Pascal Köpke und Felix Lohkemper zum Beispiel an Tempo, Tiefe und Torgefährlichkeit in der Offensive. Eine Erklärung, aber keine Ausrede. Die Außenverteidiger Enrico Valentini und Tim Handwerker verkörpern bestenfalls Durchschnitt, setzen nach vorne zu wenig Impulse. Die Innenverteidiger Lukas Mühl und Asger Sörensen zeichnet ein schwacher Spielaufbau aus, sie agieren fehlerhaft. Alternative Georg Margreitter fehlte mal wieder verletzt. Im Mittelfeld kann Johannes Geis feine Bälle schlagen, Zweikämpfe gehören jedoch nicht zu seiner Stärke, er taucht zu oft ab. Das galt gegen Osnabrück auch für Mats Möller Daehli und Talent Tim Latteier, von dem das Attribut Leistungsträger aber noch zu viel verlangt wäre.

Es geht nur noch um Schadensbegrenzung

Kritisch wird es, wenn Trainer Robert Klauß fehlende Intensität anprangert. Können sich in Zeiten ohne Publikum die Spieler nicht aus sich selbst heraus motivieren? Oder brauchen sie eine andere Ansprache? Oder liegt es ganz simpel an der fehlenden Qualität? Vermutlich eine Mischung aus allem. Es kann daher längst nur noch um Schadensbegrenzung, sprich Klassenerhalt, gehen. Anschließend müssen Sportvorstand Dieter Hecking und sein neuer Sportdirektor Olaf Rebbe liefern. Zahlreiche auslaufende Verträge bieten eine Chance zum Umbruch, sie sind aber auch Risiko in der derzeitigen Situation. Spieler wie Lukas Mühl und Hanno Behrens sollen für die Rettung sorgen, obwohl ihr Abschied längst beschlossen ist, gleiches dürfte für Georg Margreitter gelten. Eine schwierige Gesamtkonstellation. Von Aufbruchstimmung ist der Traditionsverein derzeit so weit entfernt wie Deutschland vom Ende der Pandemie.

Frank Linkesch