Bundesliga

De Bruyne und das Glatteis

Wolfsburg: Wie ein "Bekenntnis" den Wechselwunsch offenbart

De Bruyne und das Glatteis

Dem Moderator nach dem Mund geredet: Kevin De Bruyne (r.) am Montagabend mit Alexander Bommes.

Dem Moderator nach dem Mund geredet: Kevin De Bruyne (r.) am Montagabend mit Alexander Bommes. Getty Images

"Ich, Kevin De Bruyne, werde auf jeden Fall diese Saison beim VfL Wolfsburg spielen." Ein herausgekitzelter Satz, der für Diskussionen sorgt. Eine Aussage, die im Grunde genommen einen Wechsel bis zum 31. August auch gar nicht ausschließt, schließlich war De Bruyne in dieser Saison bereits für den VfL im Einsatz und wird dies wahrscheinlich auch am Samstag (15.30 Uhr, LIVE! bei kicker.de) beim Gastspiel beim 1. FC Köln sein. Ein gesprochenes Wort jedoch, auf das sich viele stürzen werden, wenn der Belgier in den nächsten Tagen doch noch wechseln sollte. De Bruyne hat sich auf das Glatteis gewagt und ist dabei kräftig auf die Nase gefallen. Ob geschubst oder nicht, sei mal dahingestellt.

Der 24-Jährige ist von Natur aus schüchtern. Er kann mit dem Ball vor 80.000 Zuschauern zwar die tollsten Dinge veranstalten, muss er jedoch vor Publikum im Scheinwerferlicht reden, fühlt er sich nicht wohl. Dann ist er nervös, dann benötigt er Hilfe und Führung. Die hatte er nicht am Montagabend, als er sich unvorbereitet einverstanden erklärte, den heiklen Satz des Moderators nachzuplaudern.

De Bruynes Berater grollt: "Das ist eine Schande"

Wahrscheinlich hätte De Bruyne in dieser Situation auch Wolfsburg zur schönsten Stadt der Welt erklärt. Welche Wahl hätte er gehabt? Klar, er hätte das Spielchen ablehnen können. De Bruyne, der sich die deutsche Sprache ohne Lehrer selbst beibrachte und nach zwei Jahren in Deutschland erstaunlich gut spricht, ist aber ein grundsätzlich höflicher Mensch, der so etwas nicht macht. Schon gar nicht vor Publikum. Er hätte auch den Satz in der Mitte, bei Witterung der Gefahr, einfach abbrechen können, somit aber in die andere Richtung für Schlagzeilen gesorgt. Für eine humoristische Reaktion auf Bommes' Vorgabe fehlt dem Rotschopf schlichtweg die Schlagfertigkeit. Gerade dann, wenn alle Blicke gebannt auf ihn gerichtet sind.

Die Ausmaße seiner Aussage realisierte der Spieler erst, so berichten es Augenzeugen, als er nach seinem Auftritt in die erschrockenen Gesichter seiner Familienangehörigen blickte. Mit der Freundin, seinen Eltern, seiner Schwester sowie dem Berater und dessen Gattin hatte sich der VfL-Star auf einen schönen Abend in der Hansestadt gefreut, nach dem Bühnenfauxpas war das Fest jedoch für ihn beendet, der belgische Tross verließ umgehend die Veranstaltung. "Das ist eine Schande", schimpfte Berater Patrick De Koster gegenüber dem kicker über die vermeintliche Falle, die seinem Schützling gestellt wurde und in die dieser blindlings hineingetappt ist.

Hätte der Satz De Bruynes Plänen entsprochen, gäbe es keine Aufregung

Die Pläne des umworbenen Mittelfeldspielers gehen nämlich nach wie vor in eine andere Richtung . De Bruyne tendiert weiterhin zu einem Wechsel, aufgrund der Zurückhaltung des FC Bayern hat Manchester City die besten Karten - und beim VfL Wolfsburg, ebenso wie bereits vor Wochen Paris St. Germain, ein erstes offizielles Angebot von knapp über 60 Millionen Euro hinterlegt. Grundsätzlich kann sich De Bruyne auch einen Verbleib beim VfL, bei dem er sich ausgesprochen wohlfühlt, vorstellen und wird sich dieser Tage auch den neuen Vertragsentwurf seines Arbeitgebers anschauen.

Würde der Satz "Ich, Kevin De Bruyne, werde auf jeden Fall diese Saison beim VfL Wolfsburg spielen" jedoch den Plänen des Spielers entsprechen, hätte er in dessen Lager für keinerlei Aufregung gesorgt. Am Dienstag meldete sich auch Klaus Allofs, der am Abend zuvor ebenso erbost reagiert hatte, zu Wort. In einem vom VfL verbreiteten Statement sagt der VfL-Manager: "Wer die gesamte Moderation verfolgt hat, weiß, dass das ein Spaß sein sollte, den Kevin spontan mitgemacht hat. Letztlich war der Verlauf des Gesprächs aber absolut unangebracht. Es gibt keinerlei Veranlassung, irgendwelche Treue-Schwüre abzugeben. Zu diesem Thema ist alles gesagt, und wir werden es auch weiterhin so seriös behandeln wie bisher." Fortsetzung folgt.

Thomas Hiete