EM

Niederlande-Coach Frank De Boer: "Aus den Fehlern müssen wir lernen"

Niederlande: Stabilitätsprüfung bestanden - mit Einschränkungen

De Boer: "Aus den Fehlern müssen wir lernen"

Sah insgesamt ein gutes Spiel seiner Mannschaft: Oranje-Coach Frank de Boer.

Sah insgesamt ein gutes Spiel seiner Mannschaft: Oranje-Coach Frank de Boer. Getty Images

Am Ende einer wilden Achterbahnfahrt bebte die orange leuchtende Johan-Cruyff-Arena. Ein dröhnender Jubelschrei der euphorisierten niederländischen Fans begleitete den ersehnten Schlusspfiff von Schiedsrichter Dr. Felix Brych. Es war geschafft: die Elftal holte sich zum EM-Auftakt den erhofften und auch erwarteten Sieg - nach 90 spannenden und höchst intensiven Minuten, die auch das niederländische Königspaar Willem-Alexander und Maxima auf der Tribüne sichtbar fesselten und begeisterten.

"Ich bin stolzer Kapitän. Wir haben ein gutes Spiel gespielt", sagte der starke Georginio Wijnaldum: "Wir haben zwei Chancen zugelassen, das waren auch gleich zwei Gegentore. Aber das hat uns nicht in Panik versetzt. Ich bin erleichtert, dass wir das erste EM-Spiel gewonnen haben."

Trainersteckbrief de Boer
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Die Niederlande zeigten gegen die Ukraine ziemlich genau das, was man von der Mannschaft von Trainer Frank de Boer erwarten kann. Erfrischenden, nach vorne ausgerichteten Fußball, aber auch eine gewisse Anfälligkeit in der Defensive. Die Stabilitätsprüfung, die der EM-Auftakt ebenso bedeutete, bestand das Team mit Einschränkung. Mit einem fitten Matthijs de Ligt, der wegen einer Leistenverletzung nicht spielen konnte, steht der Defensivverbund gewiss ein wenig besser.

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Aber dass nach diesem 3:2 die in den Niederlanden vor Turnierbeginn leidenschaftlich geführte Systemdiskussion abebben werde, ist eher nicht zu erwarten. Wie kompliziert sich das Thema darstellt, hatte sich nochmal am Samstag beim Abschlusstraining gezeigt, als ein kleines Flugzeug über den Platz kreiste und per Banner die Taktik-Botschaft "Frank, gewoon 4-3-3" ("Frank, einfach 4-3-3") aussandte. Umzustimmen war der Bondscoach jedoch nicht und ließ seiner Antwort - "Danke für den Tipp, aber es bleibt beim 5-3-2." - die entsprechende Aufstellung folgen. Wobei de Boer lieber von einem 3-5-2-System spricht, denn: "5-3-2 klingt für mich etwas negativ." Und auch ziemlich defensiv.

De Boer weiß: "Wir kriegen nichts geschenkt"

Das Auftreten der Elftal gegen die Ukraine war auch so ziemlich das Gegenteil von defensiv, es war eine lange Zeit spielerisch dominante Vorstellung, der es jedoch an Durchschlagskraft im letzten Drittel fehlte. "Ich habe eine richtig gute niederländische Mannschaft gesehen, mit Ausnahme der zwei Gegentore. Wir haben konstant viel Druck gemacht. Wir müssen aber noch daran arbeiten, dass wir nach hinten nicht ganz so verwundbar sind. Aus den Fehlern müssen wir lernen. Wir kriegen nichts geschenkt, so ist das bei einer EM", sagte de Boer und setzt auch gegen Österreich am Donnerstag wieder auf den Heimvorteil von Amsterdam: "Es ist schön, wieder so viele Fans im Stadion zu sehen, das gibt viel Energie."

Möglicherweise werden die Niederlande dann auch wieder auf de Ligt bauen können. In einem K.-o.-Spiel wäre der Juventus-Verteidiger wohl schon gegen die Ukraine aufgelaufen. De Boer: "Wir wollten bei ihm kein Risiko eingehen."

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Jan Lustig