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Daum: "Rudi soll alle Spiele gewinnen. Mit diesem Druck kann ich leben"

Stimmen zur Nationaltrainer-Entscheidung Völler/Daum

Daum: "Rudi soll alle Spiele gewinnen. Mit diesem Druck kann ich leben"

Gerhard Mayer-Vorfelder (DFB-Vizepräsident): “Ich bin über das gefundene Ergebnis sehr zufrieden, und ich bin sehr glücklich, dass diese Lösung im großen Konsens erzielt wurde. Wir haben mehrere Bundesliga-Vereine angerufen, die in Arbeitsgruppen mitwirken. Alle Vereine haben ihr vollstes Einverständnis erklärt. Ich freue mich, dass Christoph Daum die Aufgabe übernimmt, und zwar nicht nur als Teamchef, sondern als Bundestrainer. Dass Rudi Völler als Interimstrainer für den deutschen Fußball zur Verfügung steht, ist eine positive Entscheidung. Ebenso ist es positiv, dass Karl-Heinz Rummenigge eine Aufgabe übernommen hat. Das ist eine Entscheidung, die den Fußball wieder nach vorne bringt. Das ist unter den derzeitigen Umständen die optimale Lösung.“


Die Entscheidung des DFB


Christoph Daum (zukünftiger Bundestrainer): “Die Situation hat sich für Leverkusen so dargestellt, dass wir Verantwortung für den deutschen Fußball übernehmen mussten. Ebenso haben auch die Bayern Verantwortung übernommen. Es ist eine Aufbruchstimmung zu erkennen. Ich wünsche dem Rudi den größtmöglichen Erfolg. Er soll alle Spiele gewinnen. Mit diesem Druck kann ich leben. Ich bin mir im Klaren, dass sehr viel Arbeit in den nächsten zehn Monaten auf uns zu kommt. Ich möchte mich mit dem bestmöglichen Erfolg in Leverkusen verabschieden. Dort stehe ich in der Verantwortung. Ich freue mich, dass Rudi als eine der größten Führungsfiguren des deutschen Fußballs für den Aufbruch steht, und ich finde es toll, dass Rummenigge mitwirkt. Bei der angehenden Aufgabe ist auch ein Stück Herzblut dabei. Ich hoffe, dass die die Erfolge als Vereinstrainer noch toppen kann.“ Rudi Völler (DFB-Teamchef): “Der DFB muss Verständnis haben, dass wir Daum nicht direkt freigeben konnten. Wir brauchen Daum noch in Leverkusen. Wir müssen jetzt sehen, wie es mit mir und Rummenigge klappt. Die Lösung ist definitiv nur für zehn Monate. Christoph und ich haben fast tagtäglich miteinander gearbeitet. Ich kenne seine Konzepte. Ich werde immer in Verbindung mit Daum stehen. Ichhabe großes Vertrauen zu ihm. Wir müssen jetzt sehen, dass es vorwärts geht, dass es allen wieder Freude bereitet, bei der Nationalelf zu sein. Es wird einige Neuerungen geben. Ich werde mich mit einigen Bundesliga-Trainern kurzschließen. Die Entscheidung ist heute aus der Not heraus geboren.“ Karl-Heinz Rummenigge (Vizepräsident Bayern München): “Ich denke, das ist ein völlig neuer Weg, den der DFB geht. Das Verhältnis zwischen der Bundesliga und dem DFB war nicht immer konfliktfrei. Die Bundesliga hat jetzt ein gewisses Mitspracherecht, aber muss auch Mitverantwortung tragen. Es ist ein Neubeginn erkennbar. Es sind wieder jüngere Leute im Boot. Wir müssen jetzt sehen, dass wir den Karren so schnell wie möglich flott machen. Es wird viel Arbeit auf uns zukommen. Die Task force besteht hauptsächlich aus Vertretern der Bundesliga, die Spieler für die Nationalelf abstellen. Ich versuche Rudi soweit es geht zu unterstützen.“ Uli Hoeneß (Manager Bayer München): “Wir waren alle überrascht, dass wir darauf gekommen sind. Es ist ein guter Kompromiss. Keiner kann sagen, dass er dabei zuviel opfern muss. Do the unexpected (tue das Unerwartete), damit ist auch Bayern München groß geworden.“ Günter Netzer (Ex-Nationalspieler und ARD-Kommentator): „Ich halte das für eine beachtliche Lösung. Es war ganz schwer, in dieser Situation eine richtige Entscheidung zu finden. Ich hatte Angst vor einer Doppellösung mit Daum als Vereins- und Nationaltrainer. Ich glaube, dass die beiden ausgewiesenen Fußball-Persönlichkeiten Völler und Rummenigge keine Probleme mit der Mannschaft haben werden.“ Lorenz Günther Köstner (Trainer SpVgg Unterhaching): „Das ist eine Entscheidung der Kompromisse. Jetzt müssen alle zusammen helfen, dass es gut geht. Sie brauchen die Unterstützung der gesamten Bundesliga, um die Kräfte bündeln.“ Felix Magath (Trainer Eintracht Frankfurt): „Es ist sinnvoll, eine langfristige Lösung zu finden. Da die momentan nicht zu erreichen war, ist der Kompromiss die beste Lösung. Ich denke, dass schon in der Übergangsphase der Einfluss von Christoph Daum spürbar sein wird, zumal zwischen ihm und Rudi Völler eine enge Verbindung besteht.“ Klaus Allofs (Sportdirektor Werder Bremen): „Das ist sicherlich eine kleine Überraschung, aber auch eine gute Lösung. Ich halte sie für besser als die Varianten Christoph Daum in Doppelfunktion Vereins- und Bundestrainer oder die Doppelspitze Daum/Hitzfeld. Wir sind vorher informiert worden, Rudi Völler hat als Teamchef unsere Unterstützung. Wichtig ist, dass alle Vereine an einem Strang ziehen. Es ist in Ordnung, dass die führenden Clubs FC Bayern und Leverkusen eine führende Rolle spielen, aber man kann die anderen Mannschaften nicht ganz ausschließen.“ Karlheinz Förster (Sportdirektor VfB Stuttgart und ehemaliger Nationalspieler): „Es war unheimlich schwierig, sofort einen geeigneten Trainer zu finden. Christoph Daum ist der richtige Mann. Er wäre als sofortiger Bundestrainer die beste Lösung gewesen. Es war aber klar, dass Bayer Leverkusen ihn nicht gleich freigeben wollte. Deshalb blieb nichts anderes übrig, als eine Übergangslösung zu wählen. Rudi Völler ist auf der Position ein absoluter Neuling. Es wird sich zeigen, was er als Teamchef bewirken kann.“ Lorenz Günther Köstner (Trainer SpVgg Unterhaching): „Das ist eine Entscheidung der Kompromisse. Jetzt müssen alle zusammen helfen, dass es gut geht. Sie brauchen die Unterstützung der gesamten Bundesliga - die Kräfte bündeln.“ Mario Basler (1. FC Kaiserslautern): “Ich denke, dass das eine sehr gute Lösung ist. Auch Rudi Völler übergangsweise als Teamchef passt hervorragend. Zu Rudi Völler habe ich persönlich ein sehr gutes Verhältnis. Wir haben bei der WM 1994 zusammen gespielt, dass heißt: Er hat gespielt, und ich habe ihm dabei zugesehen. Ich werde mich überraschen lassen, ob jetzt nach über einem Jahr wieder ein Anruf vom DFB kommt. Ich habe nicht erwartet, dass Daum sofort beginnt. Denn wo kämen wir denn hin, wenn auch noch die Trainer anfangen, ihre Verträge nicht einzuhalten, was ja bei Spielern leider immer häufiger passiert." Ulf Kirsten (Nationalspieler von Bayer Leverkusen): "Für Bayer Leverkusen ist es super, dass Daum noch ein Jahr bleibt und schade, dass er nicht länger bleibt. Die Lösung mit Rudi Völler hat mich völlig perplex gemacht. Aber Rudi ist ein Typ, mit dem jeder gut leben und arbeiten kann. Uli Stielike würde gut zu ihm passen, aber das muss er selbst entscheiden." Stefan Beinlich (Nationalspieler von Hertha BSC): "Dass Daum es macht, war klar. Und es ist die beste Lösung. Dass Rudi Völler es jetzt macht, ist eine Sensation, aber auch eine gute Sache, weil er sicher eng mit Christoph Daum zusammenarbeiten wird. Dadurch kann ab jetzt die Mannschaft aufgebaut werden, die Daum vorschwebt." Peter Pander (Manager VfL Wolfsburg): "Ich bin froh, dass die Diskussionen beendet sind und kann alle Beteiligten zu der getroffenen Entscheidung nur beglückwünschen. Unter den gegebenen Umständen ist die wohl vernünftigste Lösung gefunden worden, auch wenn man Christoph Daum vielleicht gerne sofort als Bundestrainer gesehen hätte. Aber es ist nachvollziehbar, dass der Verein Bayer Leverkusen keinen Schaden nehmen darf. Klar ist auch, dass jetzt die Bundesliga- Vereine in ihrer Gesamtheit gefordert sind: Über die Nationalelf darf nicht mehr groß diskutiert werden, wir müssen gemeinsam Flagge zeigen." Bernd Wehmeyer (Teammanager Hamburger SV): "Wenn man die optimale Lösung - sprich Daum als Bundestrainer per sofort - nicht erzielen kann, muss man eben eine Alternative wählen. Ich denke, dass die Entscheidung des DFB unter den gegebenen Umständen die beste war. Mir jedenfalls wäre auch keine Bessere eingefallen." Klaus Stabach (Manager von Energie Cottbus): "Nichts Halbes und nichts Ganzes. Rudi Völler ist ein guter Repräsentant von Bayer Leverkusen, hat aber keine Erfahrung als Trainer. Was soll das eigentlich? Das kann doch nur ein einjähriger Flop werden."