Bundesliga

Das Reus-Rätsel: Wie aus vier Wochen vier Monate Pause wurden

Saison des Dortmunders wohl beendet

Das Reus-Rätsel: Wie aus vier Wochen vier Monate Pause wurden

Marco Reus

Die Chancen auf weitere Einsätze in dieser Spielzeit sind eher gering: Dortmunds Kapitän Marco Reus. imago images

Borussia Dortmund muss die Meisterschaft wohl auch in dieser Runde abhaken, das Titelrennen mit dem FC Bayern geht sehr wahrscheinlich wieder an die Münchner. Ob dabei auch der lange Ausfall von Marco Reus eine Rolle spielt, ist hypothetisch. Immerhin ist nun klar, warum der Spielführer des BVB seit dem 4. Februar nicht mehr am Ball war.

Rückblende: An jenem Abend im Februar verspielen die Borussen ihren ersten Titel. Im Achtelfinale des DFB-Pokals unterliegt die Mannschaft von Trainer Lucien Favre dem Bundesliga-Kellerkind Werder Bremen an der Weser mit 2:3. In der 89. Minute schleicht Reus nach einer schwachen Vorstellung (kicker-Note 5) vom Platz. Dass dies der letzte Auftritt des nun 31-Jährigen in dieser Saison für den BVB sein sollte, konnte noch keiner ahnen. Vier Wochen Pause waren veranschlagt, schließlich handelte es sich lediglich um Adduktorenprobleme.

Sehne in Mitleidenschaft gezogen

Warum aus den vier Wochen allerdings satte vier Monate wurden, war lange Zeit ein Rätsel - regelmäßiges Nachfragen ergab ein unklares Bild, lediglich die Aussage, dass die Problematik "an einer sensiblen Stelle" zu verorten sei - konkret am Übergang von den Adduktoren zum Schambein - räumten die Verantwortlichen ein.

Der wahre Grund für die lange Abwesenheit des Offensivspielers: Reus soll sich in Bremen einen bisher nicht offiziell bestätigten Sehnenanriss im Adduktorenbereich zugezogen haben. Dass in Bremen eine Sehne in Mitleidenschaft gezogen wurde, würde erklären, warum Reus seitdem schon zwölf Pflichtspiele verpasste.

Umstellung des Reha-Plans hilft nur bedingt

Und auch, warum er in der zehnwöchigen Corona-Zwangspause nicht auf die Beine kam, auch wenn er diese zusätzliche Zeit für den Heilungsverlauf als positiv erachtete: "Ich bin gut im Reha-Plan. Die Corona-Krise kommt mir zugute. Ich hatte etwas mehr Zeit, die Verletzung auszukurieren", sagte er im April.

Während der Pandemie, die den Spielbetrieb in den Bundesligen auf Eis legte, änderte Reus seine ursprünglichen Pläne und wählte einen anderen Reha-Ansatz: Er sollte den Körper runterfahren, komplett entschleunigen und dann wieder hochfahren. Das kostete ihn zwar neben Zeit auch Muskulatur, die wieder auftrainiert werden musste, versprach aber langfristig einen positiven Effekt. Die Dinge entwickelten sich gut, bis sich bei ihm das Gefühl einstellte, dass etwas noch nicht stimmte: Bei kernigen Schüssen und harten Pässen meldete seine Muskulatur Protest an.

Fortschritte ja, aber noch kein Mannschaftstraining

Mittlerweile sollen aber auch diese Probleme weitgehend behoben sein. Von deutlichen Fortschritten ist in Dortmund die Rede, von einem Wiedereinstieg ins Mannschaftstraining noch nicht. Es wird voraussichtlich bei den zwölf Toren und sieben Vorlagen bleiben, die in den Pflichtspielen dieser Saison für Reus notiert wurden.

Immerhin: Dem Tiefschlag, mit der EURO 2020 abermals ein Turnier-Highlight wie schon die WM 2014 oder die EM 2016 verpasst zu haben, entging der Nationalspieler zumindest.

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Thomas Hennecke/bst

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