Bundesliga

Das Kovac-Aus und die fünf unmittelbaren Folgen

Was sich jetzt ändert, was unter Flick anders sein könnte

Das Kovac-Aus und die fünf unmittelbaren Folgen

Der Eine ist weg, der Andere hat nun die Verantwortung: Niko Kovac und Hansi Flick (r.).

Der Eine ist weg, der Andere hat nun die Verantwortung: Niko Kovac und Hansi Flick (r.). imago images

Lange war am Sonntag nicht absehbar, worauf es am Abend hinauslaufen sollte. Nach einer Sitzung und einer Analyse der vergangenen Spiele stand fest: Niko Kovac wird nicht mehr länger Trainer des FC Bayern München sein. Die 1:5-Demontage bei Eintracht Frankfurt war in ihrer Deutlichkeit der Tiefpunkt einer sich über Wochen - fußballerisch - hingezogenen FCB-Krise.

Für Kovac endete das Kapitel FC Bayern dort, wo es einst begonnen hatte: in der Main-Metropole. Durch seine dortigen Erfolge wurde der Rekordmeister auf ihn aufmerksam, sein letztes Pflichtspiel mit der SGE fand gegen seinen damals künftigen Arbeitgeber im DFB-Pokalfinale statt, mit einem 3:1 holte er den Cup; sein erstes Pflichtspiel als Bayern-Coach erlebte der 48-Jährige - wie es der Zufall wollte - im August 2018 bei der Eintracht, im Supercup. 5:0 gewann er. 15 Monate später absolvierte er seine letzte Partie an der Münchner Seitenlinie eben wieder in Frankfurt, gegen seinen Ex-Verein.

Seit Montag übernimmt Hansi Flick, seit Sommer Co-Trainer beim FC Bayern, das Amt als Interimslösung. Mindestens, so heißt es, für die kommenden beiden Heimspiele gegen Olympiakos Piräus am Mittwoch, 19 Uhr, in der Champions League; und gegen Borussia Dortmund am Samstag, 18.30 Uhr, beim Top-Spiel in der Bundesliga. So bleiben dem FCB, inklusive der Länderspielpause, wenigstens drei Wochen, um die Nachfolge zu regeln. Nur: Was bedeutet das Kovac-Aus? Was sind die unmittelbaren Folgen? Eine kicker-Analyse.

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Die Atmosphäre: In den vergangenen Wochen wurde die interne Kritik, gerade von Spielern, lauter. Es kam nicht gut an in der Kabine, dass Kovac meist mit dem Finger auf die Profis zeigte, sich selbst aber aus der Kritik raushielt. Die Mannschaft verfolgte die öffentlichen Auftritte, registrierte genau, wenn der Coach in Fettnäpfchen trat (Notnagel-Aussage über Müller, km/h-Vergleich mit Liverpool, Fan-Lob an die Eintracht). Es stellte sich die Frage: Hören die Spieler ihrem Trainer Kovac noch zu? Durch die Trennung hat sich diese Thematik aufgelöst - und mit ihr womöglich eine auf Spielerseite oft unbewusste Abwehrhaltung, ein negatives Klima.

Kein Alibi: Hatten die Spieler die taktischen Mängel, die Ideenlosigkeit in der Offensive bemängelt, muss die Mannschaft jetzt liefern. Die Ausrede, es liege an fußballerischen Vorgaben, fällt weg. Die Individualisten - aus dem Inneren hieß es, viele spielen nur für sich - sind gefordert, wieder ein Team zu bilden. Kovac als Alibi ist Geschichte. Die Spieler werden nun stärker denn je in die Pflicht genommen.

Neue Hoffnungen: Natürlich kennt der seit Sommer angestellte Hansi Flick den Kader bestens, unter ihm aber wird jeder einzelne Profi neu bewertet, Systeme und Egos hinterfragt. Profis, die unter Kovac seltener den Zuschlag erhielten (wie Javi Martinez, Leon Goretzka, Corentin Tolisso), könnten nun profitieren - und andersrum: Bislang gesetzten Spielern (wie Thiago, Serge Gnabry, Kingsley Coman, Philippe Coutinho) droht eine Schaffenspause.

Alte Bekannte: Mit den Weltmeistern von 2014 - Manuel Neuer, Jerome Boateng und Thomas Müller - arbeitete der Interims-Trainer Flick unter Joachim Löw bereits zusammen. Stärken wie Schwächen sind ihm bestens bekannt. Neuer ist ohnehin gesetzt und in absoluter Weltklasseform, spannend gestaltet sich diese Konstellation daher für Müller und Boateng, die zwar jüngst wieder Minuten erhielten, aber keinen Fix-Platz in der Startelf versprochen bekamen.

Die Spielfreude: Einige Spieler bemängelten die defensive Herangehensweise und dass auch im Training der Fokus meist auf die Arbeit gegen den Ball gerichtet wurde, obwohl der FC Bayern im Ernstfall in den meisten Fällen mehr Ballbesitz als der Gegner hat. Darunter litt die Spielfreude. Eine neue Trainings-Steuerung, eine andere Gesprächsführung und eine unterschiedliche Herangehensweise können frische Energien freisetzen.

Georg Holzner

Die Bayern-Trainer der letzten zehn Jahre