Bundesliga

"Das ziehen wir durch": Gießelmann und die Stärken von Union

Abwehrspieler im Gespräch mit dem kicker

"Das ziehen wir zu 100 Prozent durch": Gießelmann und die Stärken von Tabellenführer Union

Hat in der aktuellen Zeit allen Grund zur Freude mit seinen Berliner Kollegen: Union-Profi Niko Gießelmann.

Hat in der aktuellen Zeit allen Grund zur Freude mit seinen Berliner Kollegen: Union-Profi Niko Gießelmann. Getty Images

In der aktuellen Ausgabe "Was geht, Bundesliga?" dreht sich ein großer Block um Union Berlin - und den nach wie vor anhaltenden Erfolg der Köpenicker. Nach dem Aufstieg und der ersten Bundesliga-Saison 2019/20 ist der Erfolg der Eisernen bis dato nie abgerissen: Auf den Klassenerhalt ist für den 56. Erstliga-Verein der deutschen Geschichte die Conference-League-Teilnahme sowie ein Jahr später die Europa-League-Qualifikation gefolgt. Und nun obendrein die vorläufige Tabellenführung vor Dortmund, Freiburg, Hoffenheim und den zuletzt strauchelnden Münchnern, denen die Unioner vor ein paar Wochen ein 1:1 abgerungen haben.

In der ganzen Zeit mittendrin im Erfolgstaumel der Hauptstädter: Abwehrmann Niko Gießelmann. Der 31-jährige, der einst in Hannover den Sprung zum Profi geschafft hat und über die folgenden Stationen Fürth und Düsseldorf 2020 zu Union Berlin gekommen ist, ist somit mitten in der Vereinshochphase zu den Köpenickern gekommen.

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Phänomen Union Berlin: Macht dieser Fußball wirklich Spaß, Niko Gießelmann?

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Und Gießelmann genießt den Augenblick, wie er im Gespräch mit dem kicker zugibt - auch wenn es gerade mit der Tabellenspitze natürlich eine nicht eingeplante sowie etwas surreale Situation ist: "Es fühlt sich ungewohnt an, aber irgendwie auch gut."

"Es ist ein schönes Zwischenfazit, das wir ziehen können"

Doch wie oft blickt man nun als Spieler aufs Tableau, auf diesen Platz an der Sonne vor der namentlich großen Konkurrenz? "Ich glaube, für gewöhnlich gucken wir nicht auf die Tabelle", so Gießelmann weiter. "Aber es bleibt fast nicht aus, weil so viel darüber gesprochen und berichtet wird. Es ist ein schönes Zwischenfazit, das wir ziehen können - dass wir noch ungeschlagen sind." Dennoch gelte in erster Linie das gesetzte Ziel, das die Mannschaft vor der Saison durch eigene Gespräche zusammen erarbeitet hat - und das sind 40 Punkte schnellstmöglich zu erreichen und den damit verbundenen Klassenerhalt möglichst früh einzutüten.

Bescheidenheit herrscht also vor im Berliner Lager - was Gießelmann auch bestätigt: "Es zeichnet uns aus, dass wir sehr demütig sind und wissen, wo wir herkommen. Wir sind immer noch Union, haben eine Dreifachbelastung und müssen immer realistische Ziele setzen. Das haben wir in den letzten Jahren auch schon gemacht - und damit fahren wir, denke ich, ganz gut."

Denn natürlich seien auf dem Papier andere Klubs wie "Bayern, Dortmund, Leipzig und von mir aus auch Leverkusen" personell und individuell besser aufgestellt. Doch das allein zählt nun mal nicht, wie Gießelmann unterstreicht: "Unsere große Stärke ist es, dass wir mannschaftlich gut aufgestellt sind. Wir haben eine hervorragende Ordnung auf dem Platz und machen alles gemeinsam. Das ziehen wir zu 100 Prozent durch." Die Taktik, die angestrebt wird, werde tagtäglich im Training verfolgt und so erhalten beziehungsweise verbessert. Disziplin und Fleiß sind dabei die Schlüssel, "das kann man definitiv so sagen. Diese eisenharte Disziplin - darauf kommt es bei uns an, deswegen funktionieren alle so gut."

"Mir war es bewusst, dass die Rotation noch extremer sein wird"

Ein großes Lob spricht Gießelmann diesbezüglich auch seinem Coach Fischer, , der seinen Vertrag diese Woche wenig überraschend verlängert hat, aus: "Er hat riesigen Anteil am Erfolg. Seit er da ist, geht es fast nur bergauf." Seinetwegen ziehe jeder an einem Strang.

Doch macht der von den Eisernen praktizierte Fußball auch einem Profi wie Gießelmann wirklich Spaß - zumal es für die teils etwas härtere Gangart und hohe Laufbereitschaft von Gegnern ab und an auch mal Kritik gibt und zumal Union in diversen Statistiken (18. bei den Dribblings, 17. beim Ballbesitz, 17. bei der Passquote, 17. bei den Sprints pro Partie) ligaweit hinten liegt?

Die klare Antwort des erst kürzlich 31 Jahre alt gewordenen Außenverteidigers: "Wenn du am Ende erfolgreich bist, dann macht es immer Spaß. Natürlich ist die Arbeit sehr hart. Man muss aber auch sagen, dass wir schon gegen Leipzig (2:1) und gegen Bayern (1:1) gespielt haben." Von daher seien die Statistiken wie Ballbesitzquote noch nicht sehr aussagekräftig für den schon 102-mal in der Bundesliga aufgelaufenen Routinier. Das könne man aus seiner Sicht erst richtig bewerten, wenn noch weitere Partien ins Land gezogen seien.

Niko Gießelmann

Über Hannover, Fürth und Düsseldorf (hier im Bild) bei Union Berlin gelandet: Niko Gießelmann. Bongarts/Getty Images

Darüber hinaus verfolge sein Team natürlich das Ziel, "in Spielen auch mehr Ballbesitz zu haben und Dinge besser zu machen". Doch der Erfolg spreche eben für sich und mache aus Sicht der Mannschaft auch Spaß. Auch ihm ganz persönlich, auch wenn in dieser Saison wenig überraschend viel rotiert wird: "Wir brauchen die ganze Mannschaft, es ist hilfreich, wenn jeder Spieler zu seinen Zeiten kommt. Mir war es bewusst, dass die Rotation noch extremer sein wird. Da konnte ich mich gut darauf einstellen."

"Was geht, Bundesliga?" ist vor den Bundesliga-Spieltagen immer am Donnerstagabend abrufbar. In der aktuellen Folge (siehe oben oder auf Youtube) mit Gießelmann geht es auch darüber, warum es bei Union in der Europa League noch nicht so läuft und welche Feierlichkeiten mehr in Erinnerung geblieben sind: Bundesliga-Aufstieg 2018 mit seinem Ex-Klub Fortuna Düsseldorf oder Europa-League-Qualifikation mit seiner jetzigen Erfolgsstation Union Berlin? Jetzt reinschauen!

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