Bundesliga

Bundesminister Müller zu Nachhaltigkeit und Ökologie im Fußball

Bundesminister Müller zu Nachhaltigkeit und Ökologie im Fußball

"Das wäre doch der geniale Kontrapunkt zur WM in Katar"

Gigantische Klimaanlagen sollen bei der WM 2022 in den Stadien für Kühlung sorgen.

Gigantische Klimaanlagen sollen bei der WM 2022 in den Stadien für Kühlung sorgen. imago images

Am Dienstagmorgen bat die Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima und die Initiative "Sports for Future" zu einem digitalen Pressetermin. Trotz Corona-Pandemie gehöre der Klimawandel weiter zu einer der drängendsten Fragen unserer Zeit, weshalb durch die Zusammenarbeit eine breitere Öffentlichkeit erreicht werden soll. "Wenn prominente Fußballer sagen, dass ihnen Klimapolitik wichtig ist, dann erreichen sie Millionen, wenn ich das als Politiker äußere, habe ich nicht die Breitenwirkung", sagte Müller über die Kooperation. "Deshalb ist das so extrem wichtig."

Dietmar Hopp, der sich auch über seine Stiftung beim Thema Klimaschutz engagiert, zog den Vergleich zur aktuellen Pandemie. "Corona lehrt uns, wie machtlos wir der Natur ausgeliefert sind", sagte der Mehrheitseigner der TSG Hoffenheim bei der Pressekonferenz. Die Klimakrise sei eine weitere große Herausforderung, die sich weiter verschärfen werde. "Es ist unsere Aufgabe, den Planeten für nachfolgende Generationen zu schützen." Das sei ihm zur "Herzensangelegenheit" geworden.

Müller: "Die Bundesliga sollte sich ein komplett neues Image geben"

Der Fußball spielte in der Vergangenheit bei Themen wie Nachhaltigkeit und Ökologie nicht immer eine Vorreiterrolle. Hier hofft Bundesminister Müller auf einen Wandel - einerseits in der Bundesliga und andererseits beim DFB.

 Gerd Müller, Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Hatte ganz konkrete Wünsche an den Fußball: Bundesminister Gerd Müller. picture alliance

"Alle 18 Klubs sollten Vorbild sein. Die Bundesliga sollte sich ein komplett neues Image geben und in den nächsten Jahren klimaneutral werden", fordert Müller. Erster Ansatzpunkt für ihn bieten die Fanartikel und vor allem die Trikots, die nachhaltig produziert werden müssen. "Es kann nicht sein, dass in Bangladesch für Hungerlöhne produziert wird und Ökostandards vernachlässigt werden." Einige Vereine haben diesen Weg bereits eingeschlagen. Der FC St. Pauli gab etwa letzte Woche bekannt, dass er seine Trikots künftig selber produzieren werde, da der Kiezklub bei den gewünschten Kriterien in Sachen Nachhaltigkeit, Transparenz und Fairtrade keinen Ausrüster finden konnte.

Müller sucht den Kontakt mit der DFL

"Schritt für Schritt muss die Liga konkret werden", so der Bundesminister. "Es ist finanzierbar und nutzt der Reputation, einen Bundesliga-Klub klimaneutral zu stellen." Für die Bundesliga bringt er die Idee vor, einen ganzen Spieltag unter das Motto Nachhaltigkeit und Klimaschutz zu stellen. "Das wäre doch ein großartiges Signal", so Müller und kündigte an: "Ich werde mit den Vereinen und der DFL in diese Richtung Kontakt aufnehmen."

Die über dreihundertseitige Lizenzierungsordnung der DFL gibt den Vereinen diesbezüglich bisher keinerlei Auflagen. Längst sind deswegen Forderungen lautgeworden. "Es liegt am Profifußball zu zeigen, dass er mehr ist als ein großes Geschäft", hatte etwa Anton Hofreiter, Fraktionsvorsitzender der Grünen, gegenüber dem kicker schon vor geraumer Zeit gefordert, den Klubs klare Regeln vorzugeben.

Hopp: "... dann sollte es in die Lizenzierung aufgenommen werden"

"Der jetzige Zeitpunkt ist nicht richtig für starre Regeln, weil die Vereine durch Corona große Probleme haben", sagte Hopp dazu auf Nachfrage, sieht die Thematik künftig aber sehr wohl wieder auf der Agenda: "Wenn sich die Vereine finanziell und wirtschaftlich erholt haben, dann sollte es in die Lizenzierung aufgenommen werden." Die TSG Hoffenheim nimmt hier eine Vorreiterrolle ein und ist Mitglied in der Allianz für Entwicklung und Klima. Alle nicht vermeidbaren Emissionen gleichen die Kraichgauer über ein Aufforstungsprojekt in Uganda aus, um ein klimaneutraler Verein zu sein.

Klimakiller Katar

Für die im kommenden Jahr stattfindenden EURO mit vier Spielen in München hat Müller klare Vorstellungen. "Warum sollte sich die EM in Deutschland nicht klimaneutral aufstellen?", fragt sich der Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. "Das wäre doch der geniale Kontrapunkt zur WM in Katar, die ein Klimakiller ist! Das würde ich mir wünschen." Im Wüstenstaat soll 2022 die WM ausgetragen werden. Wegen der extremen Witterungsbedingungen im Sommer musste das Turnier, das in klimatisierten Stadien durchgeführt werden soll, auf den Winter (21.11. bis 18.12. 2022) verlegt werden.

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Tobias Rudolf