Champions League

Dortmund-Sevilla: VAR-Chaos um Haaland wäre vermeidbar gewesen

Neun Minuten Durcheinander - das sagen die Regeln

Das VAR-Chaos in Dortmund wäre leicht vermeidbar gewesen

Stärker im Mittelpunkt als nötig: Schiedsrichter Cüneyt Cakir.

Stärker im Mittelpunkt als nötig: Schiedsrichter Cüneyt Cakir. imago images

Erling Haaland hat ja schon vieles in seiner Karriere als erster Spieler überhaupt bewerkstelligt, vier Champions-League-Doppelpacks hintereinander zum Beispiel. Doch was der BVB-Torjäger am Dienstag gegen Sevilla kurz nach dem Beginn der zweiten Hälfte erlebte, dürfte ebenfalls einmalig sein.

Binnen knapp neun Minuten holte er einen Elfmeter heraus, schoss ein aberkanntes Tor, verschoss einen Elfmeter, verwandelte einen Elfmeter und sah auch noch die Gelbe Karte. Was genau passierte zwischen den 47. und 56. Minute des Dortmunder Champions-League-Achtelfinalrückspiels gegen Sevilla (2:2)? Und was sagen die Regeln? Ein Protokoll.

Haaland Dortmunds Bester, aber keine Traumnote: Die kicker-Noten zu BVB-Sevilla

46:23 - Thorgan Hazard flankt von rechts, Jules Koundé zupft Erling Haaland im Sevilla-Strafraum am Trikot. BVB-Trainer Edin Terzic macht den vierten Offiziellen Arda Kardesler umgehend darauf aufmerksam, doch das Spiel läuft zunächst weiter.

47:22 - Haaland trifft zum vermeintlichen 2:0, checkt auf dem Weg dorthin allerdings Gegenspieler Fernando um.

48:35 - Schiedsrichter Cüneyt Cakir hat Kontakt zum Video-Referee Massimiliano Irrati und schaut sich anschließend am Spielfeldrand Haalands Rempler an.

49:27 - Auf Cakirs Bildschirm erscheint nun auch die Szene mit dem Trikotzupfer aus der 47. Minute, die Partie war seitdem bis zu Haalands vermeintlichem Treffer nicht unterbrochen.

49:54 - Cakir annulliert Haalands Tor und entscheidet stattdessen auf Foulelfmeter für Dortmund, Koundé sieht Gelb. Er revidiert also zwei Entscheidungen: Das Trikotziehen gegen Haaland hält er nun doch für regelwidrig, Haalands Rempler gegen Fernando aber ebenfalls. kicker-Einschätzung: Wenn man die Szenen in ihre Einzelteile zerlegt, sind sowohl VAR-Eingriff als auch Cakirs Vorgehen danach nicht zu beanstanden. Hätte er Haalands Rempler auch nach VAR-Eingriff nicht geahndet, hätte er statt auf Elfmeter auf Vorteil für den BVB (und damit auf Tor Haaland) entscheiden müssen.

51:44 - Torwart Bono hält Haalands Elfmeter, das Spiel läuft zunächst weiter.

52:06 - Cakir unterbricht die Partie und ordnet eine Wiederholung an, weil Bono bei Haalands Elfmeter-Abschluss minimal vor der Linie stand. Darauf macht auch Trainer Terzic das Schiedsrichtergespann aufmerksam, der Elfmeter gegen Sevilla im Vorfeld eigens analysiert hatte. Bono sieht keine Karte. kicker-Einschätzung: Cakir entscheidet doppelt korrekt - Bono leistete sich ein strafwürdiges Vergehen, Gelb erhält ein Torhüter beim ersten Elfmeter-Vergehen jedoch nicht.

53:32 - Haaland trifft im zweiten Versuch und provoziert Bono beim Torjubel, der ihn nach dem Fehlschuss angeschrien hatte. Eine Rudelbildung entsteht.

54:45 - Haaland und Joan Jordan sehen Gelb wegen Unsportlichkeit. kicker-Einschätzung: korrekte Entscheidung.

55:05 - Cakir setzt das Spiel beim Stand von 2:0 fort. Seit dem Foul an Haaland sind 8:42 Minuten vergangen.

Fazit: Auch wenn nach dem VAR-Eingriff alles regelkonform ablief, wäre das Durcheinander leicht vermeidbar gewesen - wenn Irrati sich nicht gemeldet und Cakir einfach bei seinen ursprünglichen, durchaus vertretbaren Einschätzungen geblieben wäre. Dann wäre übrigens auch Haaland nicht zum zweiten Mal im laufenden Wettbewerb verwarnt worden. Bei der nächsten Gelben Karte ist er gesperrt. Erst nach Abschluss der Viertelfinalbegegnungen streicht die UEFA alle Verwarnungen.

jpe/sid