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Das Spiel mit dem Schmerz: Maßnahmen gegen Gaming-Folgen

Lange Sitzzeiten und mangelnde Ausrüstung problematisch

Das Spiel mit dem Schmerz: Maßnahmen gegen Gaming-Folgen

Beim Gaming sind unter anderem Unterarmmuskulatur und Handgelenke einer großen Belastung ausgesetzt.

Beim Gaming sind unter anderem Unterarmmuskulatur und Handgelenke einer großen Belastung ausgesetzt. imago images/ZUMA Wire

Alle Jahre wieder, könnte man inzwischen sagen, erscheint die eSport-Studie der Sporthochschule Köln (DSHS). Zusätzlich zum Thema Schlaf stand dabei in diesem Jahr die Ergonomie und physische Gesundheit von Gamern im Fokus. Vielspieler stellen hier eine besondere Risikogruppe dar. Aufgrund der langen Sitzzeiten und Belastungen sind sie überdurchschnittlich anfällig für Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich, aber auch in Unterarmen und Handgelenken sind.

Schmerz wird häufig ignoriert

Alarmierend ist dabei der Umgang der Spieler mit ihren Beschwerden. So gab in der Untersuchung knapp die Hälfte aller Befragten an, die Schmerzen "oft" bis "immer" zu ignorieren. Ein problematisches Verhalten, da Schmerz laut DSHS "ein Warnsignal des Körpers" sei. Unbehandelt könne das chronisch werden und dann immer wieder ohne Auslöser auftreten.

Damit es bestenfalls gar nicht erst zu Schmerzen kommt, hat das "Institut für Bewegungstherapie und bewegungsorientierte Prävention und Rehabilitation" der Sporthochschule Köln mehrere Präventionsmaßnahmen herausgearbeitet. Diese lassen sich grob in zwei Bereiche aufteilen: Verhalten der Gamer und ihre Umgebung und Ausrüstung.

Losgelöst davon, was und wie gespielt wird, ist zunächst eine gesunde Körperhaltung wichtig. Am besten erreicht man diese mit einem entsprechenden Stuhl am Schreibtisch. Auf einer Couch oder einem Sessel besteht hingegen die Gefahr, in eine "Schonhaltung" zu verfallen. Die sei zwar gemütlich, aber nicht gesund. Ebenso schädlich ist die Tendenz, beim Spielen vornübergebeugt zu sitzen.

Haltungsnoten im Stuhl am besten

Neben einem guten Stuhl könne bei der Vermeidung dieses "Rundrückens" auch die Verwendung von höhenverstellbaren Tischen und Bildschirmen helfen. Während höhenverstellbare Tische zusätzlich auch noch die Möglichkeit bieten, im Stehen zu spielen, sorgen höhenverstellbare Bildschirme für eine Entlastung des Nacken- und Schulterbereichs. Dieser stellt neben dem Rücken einen zweite Zone dar, in dem eine Mehrheit der befragten Gamer Beschwerden verspürte.

Doch auch Unterarme, Ellenbogen und Handgelenke sind bei zeitintensiven Gaming einer hohen Belastung ausgesetzt. Um in diesen Bereichen ebenfalls vorbeugend tätig zu werden, schlägt die DSHS vor, ergonomische Peripheriegeräte zu verwenden. Helfen können hier: Eine Gaming-Maus oder ein Controller, dessen Layout der eigenen Hand entgegenkommt. Zusätzlich sollten am PC genug Tischfläche für die Maus eingeräumt und eine Handgelenksunterlage für die Tastatur verwendet werden.

Kontingent am Bildschirm clever verteilen

Letzter Problembereich, der vielen Spielern bekannt sein dürfte, ist der Kopf. Wer wiederholt über Kopfschmerzen klagt, kann der DSHS nach zum einen darauf achten, sich im Sichtfeld nichts blendendem auszusetzen, und zum anderen die Bildschirmzeit außerhalb des Spielens reduzieren. Sollte also klar sein, dass am Wochenende FUT Champs oder eine ausgedehnte Valorant-Session anstehen, ist es ratsam, anschließend nicht noch ins Binge-Watching zu verfallen und unnötige Blicke aufs Smartphone zu vermeiden.

Des Weiteren können Gamer durch ausgleichende Bewegung körperlichen Beschwerden zuvorkommen. Im Kleinen bedeutet dies, die eigene Körperhaltung während des Spielens regelmäßig zu wechseln, um eine gleichmäßige Belastung zu schaffen. Übergeordnet ist damit gemeint, sich an der Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO zu orientieren und pro Woche 2,5 Stunden körperlich aktiv zu sein. Im Optimalfall geschieht dies an der frischen Luft, die gleichzeitig auch noch Kopfschmerzen vorbeugt.

Während ausgedehntes und intensives Videospielen also durchaus potentielle gesundheitliche Risiken birgt, gibt ebenso viel Möglichkeiten, diese Risiken zu minimieren. Mit der richtigen Ausrüstung und ein paar kleinen Verhaltensveränderungen lässt sich die Gaming-Karriere somit um ein paar Jahre verlängern.

Matti Jansen

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