Bundesliga

Das Problem mit Tahith Chong beim SV Werder Bremen

Fritz nimmt Leihgabe in die Pflicht

Das Problem mit Chong beim SV Werder

Hat sich an der Weser noch nicht entfaltet und zu selten sein Potenzial ausgeschöpft: ManUnited-Leihgabe Tahith Chong.

Hat sich an der Weser noch nicht entfaltet und zu selten sein Potenzial ausgeschöpft: ManUnited-Leihgabe Tahith Chong. imago images

Auch am Samstag gab es sie wieder, in stattlicher Anzahl: die Situationen, in denen Chong "weiter lernen muss, das richtige zu tun", wie es der frühere SVW-Kapitän Fritz ausdrückte. Wann immer der Ball in der Bundesliga-Partie bei Bayer Leverkusen (1:1) beim 21-Jährigen landete, dauerte es meistens nicht lange, bis er wieder weg war. So jedenfalls ist der für eine Saison aus England ausgeliehene niederländische U-21-Nationalspieler keine Verstärkung.

Das Urteil von Trainer Florian Kohfeldt, der ihn in Leverkusen nach schwachen 60 Minuten vom Platz nahm, fiel zumindest eher diplomatisch-mild aus: "Die Entscheidungsfindung in der Offensive war auch bei ihm nicht immer optimal." Nicht nur der Bremer Coach, sondern auch Fritz benutzte am Dienstag immer wieder das Wort "lernen", wenn er die bisherige Entwicklung Chongs nach 13 Ligaeinsätzen einzuordnen versuchte. Viel öfter müsse der technisch versierte Offensivmann Mut und Selbstverständnis an den Tag legen, mit seinen Fähigkeiten in die Box vorzustoßen. Denn: "Das macht ihn gefährlich."

Seltene Chong-Lichtblicke

Vor allem aber erhoffte man sich vom Niederländer, dass er seine Geschwindigkeit gewinnbringender für Werder einsetzen würde; in einem Bereich, "wo es in unserem Spiel fehlt" (Fritz). So wie es Chong bei seiner starken Flanke vor dem Treffer von Eren Dinkci beim 1:0-Sieg in Mainz gelungen war - seinem bislang einzigen Bundesliga-Scorerpunkt. So wie bei einer weiteren Flanken-Torvorlage beim 3:0-Sieg im DFB-Pokal gegen Hannover 96. So wie bei seinem bisher einzigen Bremer Treffer in der ersten Pokalrunde gegen Regionalligist Carl Zeiss Jena (2:0). Gegner also, die sich auf einem überschaubaren Niveau befinden. Ansonsten jedoch war es das an Chong-Lichtblicken auch schon gewesen.

Fritz deutete nun an, dass es vor allem bei Chongs Defensivverhalten "einiges an Verbesserungspotenzial" gegeben habe, als er im Sommer aus Manchester gekommen war. Dort hatte er bislang auf 16 Pflichtspieleinsätze (zwei Vorlagen) für die Profis gebracht. In den Vordergrund hatte er sich mit fünf Treffern und fünf Assists aus sechs Spielen in der vergangenen Saison allerdings vornehmlich in der U 23 des Premier-League-Topklubs gespielt.

"Abstiegskampf schadet nicht"

Tahith Chong wird von SVW-Trainer Florian Kohfeldt abgeklatscht.

Da geht mehr: Florian Kohfeldt weiß, dass in Tahith Chong reichlich Qualität steckt. imago images

Im Vergleich dazu bedeute die Bundesliga hingegen einen gewaltigen Schritt - und dann auch noch in Form des Abstiegskampfes. "Sicherlich wünscht sich jeder, in einer Mannschaft zu spielen, wo es läuft, wo die spielerische Qualität da ist und Woche für Woche Siege eingefahren werden", führte Ex-Profi Fritz diesbezüglich aus. "Es ist aber nicht immer so einfach. Der Abstiegskampf ist eine Erfahrung, die man sammelt - und die auch nicht schadet."

Vielleicht setzt sich Chong selbst jedoch auch zu sehr unter Druck, wie Fritz durchblicken lässt: "Er ist einer, der sich unheimlich viel mit der Situation, dem Fußball, mit sich und seiner Entwicklung beschäftigt - vielleicht ein bisschen zu viel." Auch in Bremen wussten sie, dass eine Bundesliga-Eingewöhnung "nicht von heute auf morgen geht", andererseits nimmt Fritz Chong allmählich in die Pflicht: "Es wäre schön, wenn wir öfter von seinen Qualitäten profitieren würden."

Tim Lüddecke

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