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Das neue Sprachrohr der deutschen FIFA-Profis

Player Council in der VBL

Das neue Sprachrohr der deutschen FIFA-Profis

RB Leipzigs Richard 'Gaucho' Hormes ist der Sprecher des Player Councils.

RB Leipzigs Richard 'Gaucho' Hormes ist der Sprecher des Player Councils. RBLZ Gaming

Zu nahezu jeder professionellen Sportliga gehört eine Spieler-Vereinigung. Diese dient als starke, vereinte Gegenstimme, die die Interessen der Athleten vertritt. eSport-Ligen versuchen dies seit einigen Jahren zu imitieren. Zuletzt: Die DFL in der VBL.

Nach Aussage eines DFL-Sprechers nimmt das zur neuen Saison gegründete Player Council eine beratende Funktion ein. Der Dialog zwischen Liga-Organisator und Teilnehmern soll gestärkt werden.

Auf Seiten der Spieler sind dafür vorerst Richard 'Gaucho' Hormes, Michael 'MegaBit' Bittner, Benedikt 'BeneCR7x' Bauer, Cihan 'Cihan' Yasarlar und Riad 'Riad' Fazlija verantwortlich. Hormes nimmt dabei die Rolle des Sprechers ein, Bittner ist sein Stellvertreter.

Das gesamte Teilnehmerfeld der Virtual Bundesliga Club Championship wählte die fünf Vertreter. 'Gaucho' freut das in ihn und seine Kollegen gesteckte Vertrauen. Seine Vermutung, warum gerade er die größte Rolle bekommen hat:

"Ich bin mittlerweile lange in der Szene dabei, kenne viele der anderen Jungs persönlich und verstehe mich mit allen gut. Außerdem könnte ich mir vorstellen, dass die Jungs mir aufgrund meiner Erfahrung zutrauen, deren Interessen gut zu vertreten."

Gemeinsame Ziele

Zweifellos blicken alle fünf Mitglieder des Player Councils auf zahlreiche lehrreiche Erlebnisse in der FIFA-Szene zurück. Nun haben sie aber auch Verantwortung: Die DFL erwarte, dass "die gewählten Vertreter einerseits die übergeordneten Themen der Spielerinnen und Spieler in den Dialog mit uns einbringen. Andererseits ist es das erklärte Ziel, immer ein Ohr an der gesamten FIFA-Community zu haben."

Dafür trifft sich das Player Council regelmäßig in Video-Konferenzen und tauscht sich per WhatsApp aus. Selbst hat man sich das Ziel gesetzt, immer neue Anstöße zu geben, um die Qualität des sportlichen Wettbewerbs in der VBL zu verbessern. DFL und Spielerrat scheinen somit dieselben Ziele zu verfolgen - ein vielversprechendes Zeichen für das Projekt.

Risse im Fundament

Während die Pläne und Stimmen der Beteiligten ein positives Bild rund um die Zukunft des Player Councils zeichnen, so bereitet eine Beobachtung Sorgen: In anderen eSport-Ligen geht das Konzept eines Spieler-Rats nur bedingt auf. Zu machtlos und abhängig sind diese.

Nicht zu vergessen: Das Player Council der VBL ist so wie andere Vereinigungen im eSport kein gewerkschafts-ähnliches Konstrukt. Ebenjenes gewährt Athleten in den amerikanischen Topligen beispielsweise das Recht, über Gehalt, Arbeitsbedingungen und andere Vorzüge zu verhandeln.

Vereinigungen im eSport dienen dagegen meist nur als Gesprächspartner, die eigene Ideen zwar vorbringen dürfen, aber wenig Einfluss auf deren Umsetzung haben. Zudem sind sie häufig von den Liga-Verantwortlichen gegründet, wie auch im Fall des VBL Player Councils.

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Schlechte Vorbilder

Das wirft einerseits die Frage auf, warum diese Bewegung nicht von den Spieler ausgeht, und zugleich ein fahles Licht auf das Verhältnis beider Instanzen. Wie wahrscheinlich ist es, dass sich ein Player Council gegen seine Gründer auflehnt? Und wenn, droht dann eine baldige Auflösung?

In anderen eSport-Ligen, beispielsweise der amerikanischen League of Legends Championship Series, hat sich die Spieler-Vereinigung seit der Gründung 2017 noch nicht einmal öffentlich gegen die Liga-Verantwortlichen gestellt.

Auch die FIFA hatte schon mal einen Rat für eSportler, um deren Feedback bei der Weiterentwicklung der Szene einzubeziehen. Ob dieser noch immer existiert und jemals etwas bewirkt hat, ist aber unbekannt - und entsprechend ebenso fraglich. Kritik am FIFAe World Cup hagelt es zumindest noch jährlich von den FIFA-Profis.

Positiv rangehen

Konfrontiert mit den Sorgen der fehlenden Durchsetzungskraft gibt sich 'Gaucho' optimistisch: "Die Kommunikation mit den Verantwortlichen war schon am ersten Tag sehr positiv und uns wurde der Eindruck vermittelt, dass unsere Ideen und Vorschläge Gehör finden. Daher gehen wir positiv an die Sache heran."

Trotz gewisser Skepsis ist auch klar: Nehmen Spieler und Liga-Organisatoren das Projekt ernst, profitiert der Wettbewerb. Eine durch das Player Council gebündelte und versachlichte Kritik dürfte zehn Mal stärker wirken als jeder wütende Tweet. Erste Themen sind laut 'Gaucho' auch schon in Diskussion. Es könnte sich also schon bald zeigen, welchen Einfluss das Player Council auf die Virtual Bundesliga haben wird.

Christian Mittweg

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